Coronavirus
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Die Zahl der Todesfälle und der Neuinfektionen mit dem Coronavirus bleibt auf hohem Niveau. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Fast 90 Prozent der Corona-Toten in Deutschland waren älter als 70 – Männer sind stärker betroffen als Frauen

Wie tödlich ist das Virus? Für wen Corona besonders gefährlich ist

  • Kathrin Braun
    vonKathrin Braun
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Es ist eine Statistik, die uns seit bald einem Jahr täglich begleitet: Mittlerweile hat das Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt mehr als 60.000 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet. Wer ist besonders gefährdet?

München – Aktuell sind besonders viele Hochbetagte an Corona erkrankt. Laut RKI lag die Sieben-Tages-Inzidenz der 85- bis 89-Jährigen am 2. Februar bei 212 – in der Gesamtbevölkerung deutlich niedriger bei 93. Die meisten Corona-Todesfälle (rund 27 000) betreffen Menschen im Alter zwischen 80 und 89 Jahren (siehe Tabelle). Generell sterben zum größten Teil Senioren an oder mit Corona: Fast 90 Prozent der Toten waren 70 Jahre oder älter. Zum Vergleich: Die über 70-Jährigen machen nur 16 Prozent aller gemeldeten Infektionen aus. Kinder und Jugendliche sind kaum betroffen: Deutschlandweit sind 13 Menschen unter 20 Jahren im Zusammenhang mit Corona gestorben.

Auffällig in der Statistik: Unter den Corona-Toten überwiegen Männer. Bei Erwachsenen zwischen 30 und 79 weist die Statistik zwei bis drei mal mehr Männer als Frauen aus. Im hohen Alter ab 90 kehrt sich die Zahl wieder um: Dann ist die Zahl der Frauen fast doppelt so hoch. Das mag daran liegen, dass Frauen im Schnitt länger leben und in dieser Altersgruppe in der Überzahl sind.

Covid-Todesfälle 2. Februar

Mit Blick auf alle Altersgruppen sind rund 1500 mehr Männer als Frauen gestorben. Das RKI liefert noch keine Erklärung dafür. Wissenschaftler haben unterschiedliche Theorien: Männer würden etwa öfter an Herzkreislauf-Erkrankungen leiden. Diskutiert werden auch die unterschiedliche Hormonlage und eine genetisch bedingte stärkere Immunreaktion bei Frauen. Ein Grund könnte auch der ACE2-Rezeptor sein, über den das Virus in die Lunge eindringt. Er kommt einer Studie zufolge bei Männern in höherer Konzentration vor.

Lange war die Frage offen, wie tödlich das Virus überhaupt ist – und ob seit Ausbruch der Pandemie mehr Menschen gestorben sind als sonst. Das Statistische Bundesamt hat dazu vor einigen Tagen Daten veröffentlicht. Demnach liegt die Übersterblichkeit 2020 bei fünf Prozent – das sind 48 000 Tote mehr als im Schnitt der Jahre 2016 bis 2019. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle sind sogar 29 Prozent mehr Menschen gestorben als in den Vorjahreszeiträumen – während der Grippezeiten stiegen die Sterbefallzahlen hingegen nicht so stark an wie sonst.

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern hat das Virus Deutschland nicht ganz so tödlich getroffen: In Spanien, Chile, Polen und in den USA zum Beispiel lag die Übersterblichkeit 2020 bei 17 bis 18 Prozent.

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