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Greenpeace-Aktion vor DFB-Spiel: Scharfschützen standen schon bereit - Reiter empört, Augenzeugin entsetzt

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Von: Kathrin Reikowski

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Die Polizei ermittelt nach einer missglückten Protestaktion von Greenpeace. Vor dem EM-Spiel Deutschland-Frankreich landete ein Greenpeace-Aktivist versehentlich im Stadion.

Update vom 16. Juni, 16.15 Uhr: Nach der fehlgeschlagenen Protestaktion von Greenpeace in der Münchner Allianz-Arena hat Friedrich Merz (CDU) gefordert, die Gemeinnützigkeit von Greenpeace zu überprüfen. Auch aus Angela Merkels Bundeskabinett gibt es Kritik: Am Rande einer Pressekonferenz betonte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass für alle Formen des Protests die gleichen Regeln gelten sollten. Er wolle sich nicht ausmalen, wenn Protest „aus anderen Hintergründen“, die gleichen Privilegien für sich in Anspruch nehme, wie Protest für die „vermeintlich gute Sache.“

Am Dienstagabend war ein Fallschirmspringer von Greenpeace versehentlich auf dem EM-Rasen in München gelandet. Der Aktivist wollte gegen Volkswagen protestieren - und verletzte dabei zwei Menschen im Stadion. Videoaufnahmen zeigen, wie sich auch der französische Nationaltrainer verletzte, als er sich in Sicherheit bringen wollte.

Nach Greenpeace-Protest: Münchens OB Dieter Reiter verurteilt die Aktion aufs Schärfste

Update vom 16. Juni, 14.41 Uhr: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verurteilt am Tag nach dem Ereignis die Greenpeace-Aktion aufs Schärfste: „Ich habe absolut kein Verständnis für derartige Aktionen, insbesondere wenn dadurch andere Menschen gefährdet werden. Es wurden zwei Personen verletzt, denen ich gute Besserung wünsche. Ich gehe davon aus, dass der sogenannte Aktivist entsprechend strafrechtlich belangt wird.“ Gegen den 38-jährigen Piloten aus Baden-Württemberg wird inzwischen wegen „verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz“ ermittelt. Das teilte das Polizeipräsidium München mit.

Update vom 16. Juni, 13.38 Uhr: Nach der missglückten Protestaktion in der Münchner Allianz-Arena legt Greenpeace mit einer zweiten Entschuldigung nach. „Wir bitten die beiden Personen, die während der #Greenpeace-Aktion gestern verletzt wurden, aufrichtig um Entschuldigung.“ Auf Twitter nennt die Organisation auch den Auslöser des Unglücks: „Der Pilot wollte einen Ballon ins Stadion schweben lassen, musste dann aber dort notlanden, da die Hand-Gassteuerung des Gleitschirms versagt hat.“

In einem Video erklärte ein Greenpeace-Sprecher zudem, der Gleitschirm sei von einem Elektromotor angetrieben worden. In sozialen Netzwerken war bereits darüber spekuliert worden, ob Greenpeace einen Verbrennungsmotor für seinen Protest gegen diesel- und benzinbetriebene VW-Fahrzeuge eingesetzt hatte.

Greenpeace will nach eigenen Angaben bei der Aufklärung des Vorfalls helfen - so der abschließende Satz des Statements: „Wir sind dabei, das aufzuarbeiten und arbeiten da zusammen, und stehen natürlich auch dafür gerade.“

Bayerns Innenminister Herrmann (CSU): Fallschirmspringer von Greenpeace hätte auch abgeschossen werden können

Update vom 16. Juni, 12.30 Uhr: Der Fallschirmspringer, der am Dienstagabend versehentlich ins EM-Stadion in München flog, war offenbar bei seiner Aktion selbst in Lebensgefahr geraten. Das legen Aussagen des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) nahe. „Man hat aufgrund der Beschriftung ‚Greenpeace‘ davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben. Wenn die Polizei zu einer anderen Einschätzung gekommen wäre, dass es sich um einen Terror-Anschlag handeln könnte, dann hätte der Flieger die Aktion möglicherweise mit seinem Leben bezahlen müssen“, sagte Herrmann der Bild.

„Es ist ausdrücklich für die Zeit der EM über der Allianz-Arena totales Flugverbot erlassen worden. Ich gehe davon aus, dass Greenpeace das auch gewusst hat“, erklärte der bayerische Innenminister weiter. Es wäre sogar gerechtfertigt gewesen, Schusswaffen einzusetzen, betonte er. „Ich kann nur nachdrücklich verurteilen, dass Greenpeace immer wieder solche verantwortungslosen Aktionen startet. Das hat mit wohlverstandenem Umweltschutz überhaupt nichts zu tun.“

Augenzeugin des Vorfalls wurde Katrin Habenschaden - dritte Bürgermeisterin Münchens und Grünen-Politikerin - die im Stadion saß. Und auch von ihr kommt Kritik: „Protest muss immer friedlich sein und darf andere Menschen nicht gefährden“, sagte sie. „Das war lebensgefährlich und reines Glück, dass nicht mehr passiert ist. Damit hat sich Greenpeace sehr geschadet.“

Greenpeace-Protest im EM-Stadion: Fallschirmspringer verhakt sich in Seilkonstruktion

Erstmeldung vom 16. Juni, 10.19 Uhr: München - Diese Protestaktion ging schief: Vor dem EM-Spiel Deutschland-Frankreich am Dienstagabend landete ein Gleitschirmflieger mitten auf dem Spielfeld der Münchner Arena. Auf seinem Schirm die Aufschrift „Kick out oil“, so viel wie „Schmeißt das Öl raus“. Laut einem Greenpeace-Sprecher wollte der Mann damit gegen den Fußball-Sponsor Volkswagen protestieren - und sollte zu diesem Zweck eigentlich gar nicht im Stadion landen.

Ziel der Aktion sei lediglich gewesen, einen großen Ball mit der gleichen Protestaufschrift auf den Rasen zu werfen, erklärte Greenpeace. Und dazu sollte der Mann über das Stadion fliegen. Die Umweltschützer vermuten, dass ihm dabei der Wind in die Quere kam. Der Fallschirmspringer geriet selbst ins Stadion, verhakte sich dabei in einer Seilkonstruktion und glitt nur haarscharf an der Zuschauertribüne vorbei. Dabei verletzte er aber zwei Männer, die im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Fußball-EM: Polizei ermittelt nach missglückter Greenpeace-Aktion, DFB und UEFA üben Kritik

Für den 38-jährigen Gleitschirmpiloten aus Baden-Württemberg könnte die Aktion nun weitere Konsequenzen haben. Die Polizei ermittelt wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz. Direkt nach der Landung hatte der deutsche Abwehrspieler Antonio Rüdiger dem Mann auf die Beine geholfen - weil er noch immer in Seilen verheddert war. Danach führte die Polizei den Aktivisten ab.

Ein gelbes Fallschirmsegel mit der Aufschrift „Leave Oil behind“ beim Landen im Stadion
München: Beim EM-Spiel Frankreich - Deutschland segelt ein Greenpeace-Aktivist ins Stadion. Markus Söder (CSU) kündigt Konsequenzen an. © Christian Charisius/dpa-Bildfunk

„Das Polizeipräsidium München betont, dass es keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen gibt, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird“, so eine Mitteilung der Polizei. Kritik an Greenpeace kommt von nahezu allen Seiten: Der DFB verurteilte die Aktion, die UEFA, Ausrichter der Fußball-EM 2021* sprach von einer „rücksichtslosen und gefährlichen Aktion“, die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können.

„Kein Kavaliersdelikt“ - Markus Söder (CSU) kündigt Konsequenzen nach Greenpeace-Aktion an

Klare Worte fand Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Das ist kein Kavaliersdelikt“, meinte er am Morgen im Bayerischen Rundfunk. Und er bestätigte, dass die Aktion nicht ohne Konsequenzen bleiben werde: „Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße.“

Greenpeace selbst scheint die ganze Sache überaus unangenehm zu sein. Ein Sprecher gab noch während des Spiels zu, dass die Aktion missglückt sei. Und auch die Entschuldigung kam prompt:. „Das tut uns wahnsinnig leid“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: „Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten.“ Denn grundsätzlich seien Greenpeace-Aktionen immer friedlich und gewaltfrei. (kat) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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