"Krasse Fehlentscheidung"

Bund will WM in Katar stoppen

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Berlin/München – In der Bundesregierung wird der Ruf laut, Katar die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zu entziehen. Entwicklungsminister Müller spricht von einer "krassen Fehlentscheidung".

 „Ich halte die Entscheidung für Katar für ein krasses Fehlurteil“, sagte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) der „Welt am Sonntag“. „Wenn die Fifa klug ist, revidiert sie die Entscheidung.“ Parteiübergreifend gab es für Müllers scharfe Worte Lob.

Es sei „nicht mehr zeitgemäß, eine WM abgehoben von den Menschen zu machen und soziale und ökologische Standards zu ignorieren“, erklärte Müller. Er sprach von Menschenrechtsverletzungen und „Sklavenarbeit“ beim Stadienbau. „Was ist das für ein Signal zum Klimaschutz, wenn Stadien mitten in die Wüste gebaut werden, die dann mit hohem Energieaufwand klimatisiert werden müssen?“

Müller selbst setzt Fußball-Investitionen als Instrument seiner Entwicklungspolitik ein. In Mali versprach er jüngst den von Deutschland finanzierten Bau eines Fußballplatzes, rund 1000 weitere sollen folgen. Sport habe immer eine politische Dimension, betonte er.

Auf europäischer Ebene gibt es dafür Zuspruch. Ein neuer Austragungsort sei besser, „wenn die Fifa dauerhaft den Vorwurf loswerden will, sie würde nur noch an Staaten vergeben, wo das Geld fließt“, sagte CSU-Europagruppenchef Markus Ferber. Auch die SPD deutet Unterstützung an. „Ich glaube, dass man diese Vergabe kritisieren darf“, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag, unserer Zeitung. Müller sei der erste Minister der Bundesregierung, der sich so offensiv äußere: „Das ist bemerkenswert.“ Der Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu sagte, auch „späte Einsicht“ sei gut. Er habe schon lange gewarnt, die Vergabe an Katar sei eine Fehlentscheidung gewesen. Mutlu forderte Müller auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Er solle auf den Deutschen Fußball-Bund und auf Sponsoren einwirken. Ziel solle eine örtliche, keine zeitliche Verlegung sein. „Der Topf muss wieder aufgemacht werden – für Länder, die Menschenrechte achten und ein ökologisch nachhaltiges Konzept anbieten.“  

cd

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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