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Polizisten stehen vor Beginn einer Demonstration von G20-Gipfel-Gegnern vor der Roten Flora in Hamburg.

„Welcome to Hell“ und „G20 entern“

G20-Gipfel in Hamburg: Diese Demos und Proteste sind geplant

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„Lieber tanz ich als G20“, „Welcome to Hell“ und „Hamburg zeigt Haltung“: Rund um den G20-Gipfel in Hamburg an diesem Wochenende sind mehrere Demos, Aktionen und Proteste geplant. Hier bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Kundgebungen.

Update vom 7. Juli 2017: Krawalle, Bilder im Krieg und dazwischen die mächtigsten Männer und Frauen der Welt. Alle Infos zum Treffen finden Sie in unserem News-Ticker zum G20-Gipfel 2017 in Hamburg.

G20-Gipfel in Hamburg: Gewaltsame Proteste gleich zu Beginn

Wenn ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen ansteht, sind auch Demonstranten nicht weit: Am kommenden Wochenende, 7. und 8. Juli, findet der G20-Gipfel in Hamburg statt und zahlreiche Aktivisten haben bereits Demonstrationen angekündigt - 30 sind zwischen dem 1. und dem 9. Juli angemeldet. Während die Linksextremen zu „Protesten mit allen Mitteln“ aufrufen, sind gleichzeitig auch friedliche Proteste mit Kanus auf der Alster und Protestcamps rund um den G20-Gipfel geplant.

Gleich der Beginn des Gipfels wurde durch gewaltsame Proteste überschattet: 12.000 Menschen nahmen am Donnerstagabend an dem Protestmarsch „Welcome to Hell“ teil, was zu einer verheerenden Krawallnacht führte.

Mehr als 19.000 Polizisten aus ganz Deutschland werden beim Gipfel im Einsatz sein, ebenso wie 28 Hubschrauber, 185 Hunde, 70 Pferde, 3000 Fahrzeuge, darunter 40 Wasserwerfer und mehrere Boote. „Wenn wir es brauchen, packen wir es aus“, kündigte G20-Einsatzleiter Hartmut Dudde an. Die Polizei rechnet allein mit etwa 8000 gewaltbereiten Linksextremisten. Deswegen wird am Freitag und am Samstag, also an den Haupt-Gipfeltagen, in der Innenstadt von Hamburg eine 38 Quadratkilometer große Zone errichtet, in der das Versammlungsverbot aufgehoben ist. Die Zone ist auch der Bereich, in dem sich die Staats- und Regierungschefs hauptsächlich aufhalten. 

Alles, was Sie zum G20-Gipfel in Hamburg wissen müssen, finden Sie unter diesem Link.

G20-Gipfel in Hamburg: Welche Demos sind geplant?

  • 2. Juli, „G20-Protestwelle“ ist ein Bündnis aus Naturfreunde, Greenpeace und Campact: Sie stellen sich gegen Autokraten und planen eine Demo auf der Alster mit Flößen, Kanus und Booten. Danach soll der Marsch in Richtung St. Pauli ziehen. Zehntausende Teilnehmer werden erwartet.
  • 5. Juli, „Lieber tanz ich als G20“: Diese Demo plant, wie der Name schon sagt, einen tanzenden Protest. Um 18 Uhr ruft das Bündnis zur Nachttanzdemo an den Landungsbrücken und durch die Innenstadt auf.
  • 6. Juli, „Welcome to Hell“: Gewaltsame und militante Aktionen sind bei dieser Demo nicht ausgeschlossen, die sich aus verschiedenen autonomen Gruppen aus dem Schanzenviertel zusammensetzt. Hier könnte es zu Ausschreitungen kommen. Die Aktion beginnt um 16 Uhr am Fischmarkt, mehr als 5000 Teilnehmer werden erwartet.
  • 7. Juli, „G20 entern - Kapitalismus versenken“: Auch diese Demo könnte alles andere als friedlich ablaufen. Etwa 2000 Teilnehmer sind für den ersten offiziellen G20-Tag als Demonstranten angemeldet, los geht es abends an der Reeperbahn. Die Vereinigung soll Kontakte zu links-extremistischen Gruppen in Berlin und Sachsen-Anhalt haben.
  • 8. Juli, „Grenzenlose Solidarität statt G20“: Das "Bündnis gegen den G20-Gipfel" hat diese Demo angemeldet, dahinter steckt die Partei „Die Linke“. Auch autonome Gruppen aus dem Bündnis „Welcome to Hell“ gehören dazu, ebenso wie mehrere andere Organisationen, weswegen auch etwa 30.000 Menschen teilnehmen werden. Start ist um 13 Uhr am Deichtorplatz. Da die Route allerdings in der Versammlungsverbotszone liegt, ist noch nicht klar, ob der Protest wie geplant stattfinden kann.
  • 8. Juli, „Hamburg zeigt Haltung“: Gewaltfrei geht es bei diesem Bündnis zu, außerdem sind die Teilnehmer nicht grundsätzlich gegen die G20. Vielmehr wollen sie zeigen, dass Hamburg nicht nur den Gipfel ausrichtet, sondern dass es auch eine Gegenöffentlichkeit gibt. Etwa 10.000 Menschen werden erwartet.

Das sind natürlich nicht alle Demos, sondern nur die wichtigsten. Während des G20-Gipfels sind noch weitere Kundgebungen und Aktionen geplant, die der NDR zusammengefasst hat.

Wie wahrscheinlich sind Krawalle beim G20-Gipfel?

Krawalle und Randale beim G20-Gipfel sind sehr wahrscheinlich. Die Polizei schätzt die „Welcome to Hell“-Demo als riskant ein. Zu der am Fischmarkt beginnenden Demonstration werden am 6. Juli rund 8000 gewaltbereite Linksautonome aus dem In- und Ausland erwartet. Angeführt werde der Zug von einem „der größten schwarzen Blöcke, die es je gegeben hat“, wie Demo-Anwalt Andreas Beuth sagte. „Wir wünschen uns viele Leute auf der Straße, so dicht wie möglich an der Messe dran, die so viel wie möglich blockieren, lahmlegen, aufhalten, verzögern. Das Beste wäre der vorzeitige Gipfelabbruch - jetzt träume ich.“ Außerdem kündigte er warnend an: „Wenn wir angegriffen werden, (...) dann werden wir uns natürlich auch zur Wehr setzen mit Mitteln, die wir uns selbst suchen.“

In „Schutt und Asche“ wird Hamburg aber nicht gelegt werden. Die größten Auswirkungen auf die Bürger wird wohl das Verkehrschaos haben, wenn Staatsgäste wie US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin oder der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Kolonnen mit bis zu 60 Fahrzeugen durch die Stadt fahren. Denn auch wenn so mancher Ladenbesitzer in der Innenstadt aus Angst vor Krawallen seine Schaufenster bereits mit Holzplatten vernagelt hat, wird die Polizei Schlimmeres zu verhindern wissen. 

Erdogan will außerdem vor Anhängern in Deutschland sprechen. Die Bundesregierung hat aber bereits angekündigt, dass sie Erdogans Auftritt verbieten will.

Welche Bilder wird der G20-Gipfel liefern?

Geht es nach Angela Merkel, sollen Bilder verhandelnder und sich möglichst auch einigender Staats- und Regierungschefs um die Welt gehen. Geht es nach dem Hausherrn, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), können die Journalisten gerne auch Highlights wie Hafen, Rathaus und Elbphilharmonie in den Vordergrund rücken. Sein Ziel: „Ich hoffe, dass sie uns so erleben, wie wir uns selber verstehen: Als weltoffene und auch gelassene (...) Metropole, die ein guter Ort ist auch zum Wiederkommen, wenn gerade nicht G20 ist“, sagt Scholz.

Eins der einprägsamsten Bilder vom G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau ist sicherlich für viele das von Angela Merkel und dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama vor Alpenpanorama (bei Merkur.de können Sie sich das Foto noch einmal anschauen). Proteste gab es in Krün (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) zwar auch. Doch es war viel mehr der G8-Gipfel 2009 in Heiligendamm, von dem Blockaden und Wasserwerfer im Gedächtnis geblieben sind.

G20-Gipfel: Wer nimmt teil?

Die G20 besteht aus der Europäische Union und den 19 führenden Industrie- und Schwellenländern der Welt: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, die Türkei und die USA. Außerdem sind die Gastländer Spanien, Norwegen, die Niederlande und Singapur dabei ebenso wie die Afrikanische Union (AU), die Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) und die Organisation Neue Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (Nepad).

Angela Merkel ist Gastgeberin des G20-Gipfels. Sie begrüßt in Hamburg unter anderem US-Präsident Donald Trump, den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Putin und Trump werden dort erstmals aufeinander treffen, zudem ist es Trumps erster Besuch in Deutschland, seit er im Amt ist. Außerdem reisen an: Großbritanniens Premierministerin Theresa May, Chinas Staatschef Xi Jinping, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto und der saudische König Salman, ebenso wie die Staats- und Regierungschefs der übrigen Nationen und Länder.

pak/dpa

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