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„Boris!“: G20-Gastgeber muss britischen Premier zu Termin rufen - Standardprozedur sorgt plötzlich für Lacher

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Die Staatsgrößen der G20-Staaten trafen sich in Rom zum G20-Gipfel
Jetzt aber schnell: Boris Johnson und Justin Trudeau sorgten mit ihrer Verspätung für Lacher beim G20-Gruppenfoto. © Kirsty Wigglesworth/ZUMA Press/Imago

Die G20-Gruppenfotos verraten einiges: Wer zu spät kam, wer nicht da war und wem besondere Wertschätzung gebührte.

Rom- Der G20-Gipfel ist die Zusammenkunft der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt und der Europäischen Union. In diesem Jahr fand das Treffen von Samstag bis Sonntag in Rom statt. Die wichtigsten Themen waren globale Wirtschaft, die Corona-Pandemie, der Umgang mit Afghanistan und die Klimakrise. Die Gruppenfotos der Staats- und Regierungschefs vom Samstag (30. Oktober) sorgten für einige Lacher. Sie zeigten aber auch, wem besondere Ehre gebührte und wer beim Gipfel gänzlich fehlte.

G20-Gipfel: Das verraten die Gruppenbilder

Zwar geht es bei den Themen des G20-Gipfels um nichts Geringeres als die Zukunft der Welt. Doch in einem kurzen Moment der Entspannung sorgten der britische Premierminister Boris Johnson und sein kanadischer Amtskollege Justin Trudeau für Lacher: Während alle anderen beim Fototermin bereits in Reih und Glied auf ihren zugewiesenen Plätzen standen, ließen die zwei noch auf sich warten.

Mario Draghi entdeckte Johnson wohl im Hintergrund und rief „Boris!“ Schließlich sah man die beiden verspäteten Politiker durch die Reihen hasten, um sich für das Foto aufzustellen. Ein ziemlicher Fauxpas, wenn man bedenkt, wie durchgetaktet Veranstaltungen wie der G20-Gipfel sind. Doch sowohl Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, als auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schienen durchaus belustigt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und weitere Kollegen grinsten ebenfalls über die Verspätung. Die Gruppenbilder verraten, dass auch bei den Anführern der Welt nicht immer alles nach Plan verläuft und Humor durchaus verbinden kann.

Wer auf den G20-Gruppenbildern fehlte – und wer neu dazukam

Die Länder der G20-Gruppe sind für rund 80 Prozent der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich. China hat den global höchsten Nettoausstoß von CO2 – etwa doppelt so viel wie die USA. Allerdings fehlte Chinas Präsident Xi Jinping auf dem G20-Gruppenfoto. Denn er hatte sich, genau wie sein russischer Kollege Wladimir Putin, den weiten Weg nach Rom gespart. Beide waren allerdings per Videostream zugeschaltet.

Xi Jinping stimmte dafür, die Patente für Corona-Impfstoffe teilweise auszusetzen, um den Impffortschritt zu beschleunigen. Putin stellte klar, dass er die zukünftige Energieversorgung nicht vorrangig mit Blick auf den Klimaschutz diskutieren wolle. Vielmehr forderte er eine Diskussion in „pragmatischem Ton, basierend ausschließlich auf ökonomischem Denken“. Russland und China zeigten mit ihrem Fehlen den anderen Regierungschefs die kalte Schulter. China verfolgt aktuell mit Nachdruck sein Seidenstraßenprojekt und gründete mit der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit bereits 2001 eine Art Gegenmodell zum G20-Gipfel.

Gruppenbild beim G20-Gipfel mit Ärzten und Sanitätern
Auf dem G20-Gipfel wurde dann noch ein Gruppenfoto mit Symbolwirkung aufgenommen: Die Staatschefs holten Ärzte, Ärztinnen und Sanitäterinnen mit aufs Bild, um ihre Leistung während der Coronakrise zu würdigen. © Kirsty Wigglesworth/Zuma Press/Imago

Das Gruppenfoto des G20-Gipfels enthielt auch starke Symbolkraft. Als die Bilder von den Staats- und Regierungschefs im Kasten waren, holten die Politiker Gesundheitspersonal dazu. Die Idee kam von Gastgeber Mario Draghi, dem italienischen Ministerpräsidenten. Er wollte mit dieser Geste den Ärztinnen und Ärzten, den Sanitäterinnen und Sanitätern einen besonderen Dank aussprechen. Denn Italien war zu Beginn der Corona-Pandemie besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Bild sollte die Leistung des Gesundheitspersonals würdigen.

G20-Ergebnisse enttäuschen Klimaexperten

Inhaltlich konnten sich die G20-Länder sowie weitere Gastländer in schwierigen Verhandlungen auf bestimmte Vereinbarungen einigen. Die Länder bekräftigten etwa das 1,5 Grad-Ziel im Kampf gegen den Klimawandel. Zudem beschlossen sie eine weltweite Mindeststeuer für Konzerne in Höhe von 15 Prozent. Die G20-Länder wollen außerdem die globale Impfstoffverteilung gerechter gestalten und so den Impffortschritt auch in ärmeren Ländern beschleunigen. Mit welchen konkreten Maßnahmen sie diese Ziele erreichen wollen, blieb größtenteils offen.

Auch konkrete Zieldaten wurden nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur nicht festgelegt. Vom 31. Oktober bis zum 12. November findet die UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow statt, dort sollen konkrete Schritt vereinbart werden. „Der G20-Gipfel hätte eine Steilvorlage für die UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow werden müssen“, sagte Klimaexperte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. Das sei nicht gelungen.

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