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Bei der Nahrungsmittelproduktion muss ein Umdenken stattfinden, finden die Teilnehmer des G20-Treffens.

Verantwortungsvoller Umgang gefordert

G20-Minister: Sparsamere Wassernutzung in der Landwirtschaft

Berlin - Die Grüne Woche ist nicht nur eine „Fress-Messe“. Parallel zum Treff der Agrarbranche beraten Minister über globale Ernährungssicherung. Und Tausende gehen in Berlin für eine „Agrarwende“ auf die Straße.

Die großen Industrie- und Schwellenländer (G20) machen sich für eine sparsamere Wassernutzung bei der Nahrungsproduktion und weniger Antibiotika in Tierställen stark. Die Landwirtschaft müsse noch produktiver und verantwortungsvoller mit den Ressourcen umgehen, sagte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am Sonntag nach einem G20-Treffen mit seinen Amtskollegen in Berlin. Parallel zur Ernährungsmesse Grüne Woche in der Hauptstadt gingen am Samstag auch mehr als 10.000 Menschen auf die Straße, um gegen Massentierhaltung und Umweltschäden durch die „Agrarindustrie“ zu demonstrieren.

Am Rande des G20-Treffens spielte auch eine Rolle, dass sich mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump Auswirkungen für den globalen Agrarhandel ergeben könnten. Mexiko, das 80 Prozent seiner Früchte in die USA liefere, beobachte die Entwicklung genau, sagte EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Das Ziel, die Möglichkeiten für Exporte zu erweitern, stehe auch über einer angestrebten Aktualisierung des Freihandelsabkommens zwischen Mexiko und der EU.

An dem ersten Ministertreffen in der deutschen G20-Präsidentschaft in diesem Jahr nahm trotz eines eigentlich geltenden EU-Einreiseverbots auch Russlands Ressortchef Alexander Tkatschjow teil. Berlin hatte dafür von einer für internationale Treffen vorgesehenen Ausnahme in den EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts Gebrauch gemacht.

Die G20-Minister hoben hervor, dass Landwirte an der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft teilhaben sollen. Zum Beispiel könnten Wetterdaten gerade bei Kleinbauern zur effektiveren Wassernutzung beitragen, sagte Schmidt. In trockenen Weltregionen sollte stärker Saatgut von Pflanzen verwendet werden, die mit wenig Wasser auskommen können. Zudem gehe es um neue Systeme, die etwa mit sparsamer Tropfen-Bewässerung arbeiteten. Hierfür müsse investiert werden.

Einsatz von Antibiotika brigt für den Menschen Risiken

Beim umstrittenen Thema Antibiotika vereinbarten die G20 nach Abgaben von Schmidt, dass bis 2020 jedes Land einen Fahrplan dafür vorlegen soll, wie der Einsatz als Wachstumsbeschleuniger auslaufen solle. In der EU ist dies bereits verboten. Um zu verhindern, dass Antibiotika auch bei Menschen nicht mehr wirken, soll die Verwendung sinken.

Für eine grundlegende Neuausrichtung der Landwirtschaft auch ohne solchen übermäßigen Medikamenteneinsatz demonstrierten am Samstag Tausende Menschen in Berlin. Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ rollten Traktoren an, auf Transparenten stand „Agrarkonzerne - Finger weg von unserem Essen“ und „Bäuerliche Landwirtschaft stärken“. Die Veranstalter sprachen von rund 18.000 Teilnehmern, die Polizei von mehr als 10.000. Der Zug führte vom Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor. Der Protest richtete sich auch gegen „Dumpingexporte“ von Lebensmitteln und Mega-Fusionen im Agrarsektor.

Schmidt sagte, für mehr Tierschutz oder geringeren Düngemitteleinsatz müsse auch gestritten werden. Wer an Lösungen in „revolutionären Akten“ glaube, übersehe aber, dass Verbesserungen unter dem rollenden Rad erreicht werden müssten. „Kernaufgabe der Landwirtschaft ist und bleibt die Ernährungssicherung.“ Ähnlich argumentierten Demonstranten am Berliner Hauptbahnhof. Dort kamen nach Veranstalterangaben rund 700 Menschen und 50 Traktoren zusammen. Sie warfen der anderen Demo Diffamierung vor. Ihr Gegenmotto lautete: „Wir machen Euch satt“.

Bei der Grünen Woche, die am Wochenende den 100 000. Besucher zählte, präsentieren sich noch bis 29. Januar 1650 Aussteller aus 66 Ländern.

dpa

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