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Noch ist alles ganz ruhig: Schloss Elmau beherbergt im Juni den G7-Gipfel

Herrmann warnt Randalierer

G7: 15.000 Polizisten schützen Gipfel

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München - Beim G7-Gipfel im Juni muss Bayerns Polizei die Mächtigen schützen, ihr Schloss abschirmen, aber auch Demonstrationen ermöglichen. Es wird ein Drahtseilakt für Innenminister Herrmann.

Die G7-Demonstranten hockten auf dem Münchner Boden, über Stunden eingekesselt von der martialisch aufgerüsteten Polizei. Kein frisches Wasser, kein Klo, steigende Temperaturen am Sommertag – so elend erschien die Lage, dass Münchner den Gefangenen Essens-pakete zuwarfen. Ministerpräsident Streibl pries die Polizeitaktik damals als „hartes Hinlangen bayerischer Art“ – der Eindruck bundesweit war allerdings verheerend.

An die hässlichen Szenen von 1992 denkt man derzeit häufiger zurück, denn wieder ist Bayern an der Reihe, einen G7-Gipfel auszurichten. Wieder wird es die große Herausforderung, einerseits als gastfreundliches Land aufzutreten, andererseits hart gegen Gewalttäter einzuschreiten. Es kommt aufs Maß an. Der Satz von der „bayerischen Art“, seufzt Joachim Herrmann heute, „war keine glückliche Formulierung“.

Der CSU-Politiker entwickelt derzeit das Sicherheitskonzept für den Gipfel am 7./8. Juni in Elmau. Eine Multi-Aufgabe: Bayerns Innenminister verantwortet den Schutz der Staatsgäste vor Terrorismus, den Schutz der Tagung vor Störern, aber auch den Schutz der angemeldeten Demos. Er will sich weder am Münchner Kessel orientieren, noch am Sicherheitskonzept vom G8-Gipfel in Heiligendamm 2010, als Demonstranten die Sicherheitszäune durchbrachen und Pflastersteine warfen.

Aus ganz Deutschland werden Einheiten angefordert

Rund 15.000 Polizisten könnten in Oberbayern im Einsatz sein, landesweit gilt eine Urlaubssperre für die Polizei. Aus ganz Deutschland werden Einheiten angefordert. Aus den USA, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan und Kanada kommen zudem Personenschützer für ihre Staatschefs, aus den USA bis zu 200. „Das ist eine Spitzenbelastung“, sagt Herrmann über seine Polizei, „aber wir werden das hinkriegen. Ich darf mal in Erinnerung rufen, dass wir eine Fußball-WM in Deutschland problemlos bewältigt haben, genauso den Papstbesuch.“

Herrmann, 58 und seit über sieben Jahren Innenminister, geht das hörbar gelassen an. Seine Dialektik: Einerseits warnt er vor Hysterie, Ausschreitungen wie in Heiligendamm erwartet er nicht. „Ich will solche Zustände nicht herbeireden. Es hat mehrere Gipfel gegeben, die durchaus ruhig verlaufen sind.“

Andererseits schickt er deutliche Worte an gewalttätige Demonstranten: Sie sollten gar nicht erst nach Bayern kommen. „Jedem, der überlegt, beim Gipfel gewalttätig zu werden, rate ich: Bleib zuhause. Wir gehen konsequent vor, wir werden mit starken Kräften präsent sein.“

Geht es nach Herrmann, könnten temporäre Grenzkontrollen Teil seines Sicherheitskonzepts werden. „Es spricht viel dafür, dass wir uns das vorbehalten müssen. Und zwar nicht erst in Seefeld, sondern möglichst schon am Brenner. Unser Ziel muss sein: Alle Leute fernhalten, die auf Randale aus sind.“

Rund um das Schloss wird ein Sicherheitsbereich ausgewiesen. Ohne festen Schutzzaun wie in Heiligendamm, sagt Herrmann, aber technisch überwacht und gesichert. Angriffe auf das Areal sind eh schwierig, weil das Schloss von dichtem Wald und Bergflanken umgehen ist. Demos an der Schlosspforte sind damit unwahrscheinlich. Gipfel-Gegner können nach München, Garmisch und Mittenwald ausweichen.

Über dem Schloss wird eine Flugverbotszone gelten, gesichert von der Bundeswehr. Straßensperrungen sind in München und auf dem Weg nach Elmau zu erwarten. „Es wird Kolonnen geben und eventuell zeitweilige Sperrungen der Autobahnen vom Flughafen nach Garmisch, aber keine Totalsperrung für zwei Tage“, sagt Herrmann. Sein Versprechen: „Es wird kein Problem sein, in Garmisch Sonntagfrüh in die Kirche und ins Wirtshaus zu gehen.“ Und was an Sicherheitsmaßnahmen für den Gipfel aufgebaut werde, verschwinde wieder: „Nach wenigen Wochen werden die Touristen außer dem Schloss selbst nichts mehr vom Gipfel sehen.“ Anders als in Heiligendamm, wo Ruinen und ein verkorkstes Image übrig blieben.

Das Gegenstück zum Gipfel ist übrigens ein kleiner Krater im Haushalt. Allein Bayern plant für die Großveranstaltung dieses und nächstes Jahr 130,8 Millionen Euro ein. Welche Kosten der Bund übernimmt, ist noch nicht ausverhandelt. Herrmann hofft aber auf eine große, tagelange Image-Werbung für Bayern durch den Gipfel. Die „bayerische Art“ soll künftig etwas Angenehmeres sein.

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst.

Christian Deutschländer

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