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Der letzte gefahrlose Termin in Garmisch: Joachim Herrmann streichelt Polizeipferde. Demnächst wird es unangenehmer.

Innenminister vor Ort

Vor G7-Gipfel: Sheriff Herrmann in der Gefahrenzone

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Garmisch-Partenkirchen - Mit einer Übermacht an Polizei versuchen die Behörden, einen friedlichen Verlauf des G7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau zu erzwingen. Panikmache? Oder noch zu wenig?

Sie haben ihm da was vor dem G7-Gipfel aufgebaut, eine Art Spielstraße für Innenminister mit integriertem Streichelzoo. Auf einem Feldweg aufgereiht warten jeweils eine kleine Delegation von Landespolizei, Bundespolizei, Sonderpolizei, Nochirgendwaspolizei, Notarzt, Feuerwehr, THW, Landratsamt. Außerdem Polizeipferd, Polizeihund, gäbe es ein Polizeiferkel, würde es auch da stehen. Joachim Herrmann läuft den Weg ab, lächelnd, grüßend, händeschüttelnd. „Also, toi, toi, toi“, sagt er.

Es ist ein etwas seltsamer Vielseitigkeitsparcour. Für ihn, vor allem für die Kameras, ist alles in der Garmischer Mittagssonne angetreten, was die Sicherheitsbehörden aufbieten können und vor dem ein Innenminister fotogen aussieht. Man kann sagen: Der letzte gefahrlose Auftritt vor einem unkalkulierbaren Wochenende, an dem der G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau beginnt.

Herrmanns Lage ist nämlich weit weniger angenehm, als es beim Plaudern mit Beamten und Helfern aussieht. Als Innenminister ist er für den massiven Polizeieinsatz mit über 17 000 Beamten verantwortlich, den größten in Bayerns Geschichte. Die Polizeipräsenz in den Alpendörfern wirkt zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau fast surreal. Wenn nichts passiert, wird es heißen, er sei ein unerträglicher Alarmist, ein Scharfmacher mit überzogenen Ängsten. Wenn es kracht, massive Ausschreitungen oder ein Anschlag, wird man ihm die politische Verantwortung weiterreichen: Ein CSUler, also echt, hätte doch für Recht und Ordnung sorgen müssen.

Intern kennen sie die Situation, haben darüber geredet. Herrmann hat sich täglich zwei-, dreimal mit dem Ministerpräsidenten beraten, zweimal mit dem Bundesinnenminister. Nun gibt er in zwei Punkten einen klaren Kurs vor: Lieber zu viel Personal als zu wenig einsetzen. Keine Gefahr runterspielen, lieber zu viel warnen als zu wenig, aber selber nie panisch wirken.

Gefahrenanalyse vor G7-Gipfel: Es wird etwas passieren in Garmisch

Die Gefahrenanalyse besagt: Es wird etwas passieren in Garmisch. Die Nacht auf Sonntag, der ersten Tag des G7-Gipfels gilt erfahrenen Polizisten als besonders gefährlich. „Ein paar Gewalttäter wird es geben, mindestens“, prophezeit einer mit sonst sonnigem Gemüt. Auch Herrmann spricht offen von Sabotage-Akten gegen die Polizei, zitiert Ankündigungen von Gipfelgegnern: „Wer sagt, er will das Schloss stürmen, hat Gewalt im Blick.“ Die Polizei, droht er, sei vorbereitet.

Herrmann greift seit Tagen zu zunehmend drastischen Worten. Kernbotschaft, mit der er in Garmisch sogar einen startenden Hubschrauber übertönt: Sobald einer gewalttätig wird, greift die Polizei ein. „Wir wollen möglichst auch festnehmen. Das soll jeder wissen: Unser Ziel in Bayern ist immer, Straftäter nicht ungeschoren davonkommen zu lassen.“ Er nennt das nicht „bayerische Art“, wie es 1992 ein CSU-Ministerpräsident unglücklich tat, als die Polizei zu wüst hingelangt hatte. Der Inhalt aber ist der gleiche: Legt euch nicht mit uns an.

Ob’s hilft? Für Herrmann spricht, dass er mit seinem harten Kurs schon acht Jahre auf einem Ministersessel verbracht hat, der in anderen Ländern ein Schleudersitz ist. Garmisch ist nicht die erste Bewährungsprobe des 58-Jährigen. Jenseits der knalligen Wortwahl pflegt der Jurist vor dem G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau  selbst eine stoische Ruhe. Sollte ihm der Gipfel Magenschmerzen bereiten, lässt er es sich nicht anmerken. „Sie kennen mich, dass ich insgesamt ein ruhiger, gelassener Typ bin“, sagt er im kleinen Kreis im Brummton, als die Polizeipferde abmarschiert sind. „Ich weiß auch nicht, was alles auf uns zukommt. Aber wir sind gut aufgestellt.“ Er habe die letzten Nächte durchgeschlafen.

Dem Franken kommt in der Tat sein Naturell entgegen. Parteifreunden, die ihm einst den Spitznamen „Balu der Bär“ verpassten, gilt er als unhektisch, er hat viel Rückhalt. Man müsse „keine Panik“ haben, sagte ihm neulich eine Mitarbeiterin wegen irgendeines G7-Details. Er soll eher amüsiert reagiert haben: „Panik? Haben Sie da jetzt wirklich mich angesprochen?“

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Von Christian Deutschländer

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