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Idyllisch schaut es aus, wenn die Staats- und Regierungschefs um Schloss Elmau herum spazieren. Doch beim Thema Energiepolitik ist die Stimmung eher frostig.

Kanzlerin will klare Signale

G7 Gipfel: Frostige Stimmung beim Thema Energie

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München - So ein Wochenende wäre eigentlich wie geschaffen, um ein Werbevideo für erneuerbare Energien zu drehen: Tagsüber brennt beim Gruppenfoto die Sonne auf die Häupter der G7-Staatschefs, abends pfeift der Wind um das Schloss Elmau. Doch drinnen? Geht es beim Thema Energie eher frostig zu.

Angela Merkel, die nach der Katastrophe von Fukushima in Sachen Energiewende weltweit vorangehen wollte, hat im Vorfeld den Druck des G7-Gipfels auf Schloss Elmau auf die übrigen Staaten erhöht, mehr Engagement zu zeigen. Nicht alle sind begeistert, und ausgerechnet die Fukushima-geplagten Japaner gehören zu den größten Blockierern.

Am Montag Vormittag um 9 Uhr wollen die G7-Staatschefs hinter verschlossenen Türen auf Schloss Elmau das heiße Eisen anpacken. Umweltschützer befürchten, dass am Ende wieder nur Lauwarmes herauskommen könnte. Laut Greenpeace stoßen die sieben Länder, die nur zehn Prozent der Weltbevölkerung stellen, weiterhin mehr als 26 Prozent der globalen Treibhausgase aus. Zwar erhöht sich überall der Anteil erneuerbarer Energien, doch die Dynamik in den USA, Japan, Kanada und Frankreich hinkt deutlich der in Deutschland, Italien und Großbritannien hinterher. Womit die Konfliktlinien beim Gipfel auch schon klar wären.

G7-Gipfel auf Schloss Elmau: Nachfolgevertrag für Kyoto-Protokoll

Kurz vor dem Beginn des Treffens hatte Angela Merkel am Wochenende nochmal ein klares Signal gesetzt: In ihrem wöchentlichen Internet-Video sagte die Kanzlerin, sie hoffe, „dass wir als G7-Länder klar sagen können: Wir stehen zum Ziel“, die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Ansonsten werde es kein Klimaabkommen in Paris geben – „und das wissen alle Beteiligten“. Während der UN-Klimakonferenz in Paris vom 30. November bis 11. Dezember soll als Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll ein neues Abkommen mit verbindlichen Zielen vereinbart werden.

Derzeit sind Staaten aufgerufen, den Vereinten Nationen freiwillige Beiträge zu melden. Gerade in Japan ist man weit weniger begeistert von Wind und Sonne als in Deutschland. Dort setzt man eher weiter auf Kohle, Gas und Atom. Premierminister Shinzo Abe stellte am Samstag in Aussicht, in Elmau eine Reduzierung der Treibhausgase in seinem Land um 26 Prozent bis 2030 anzukündigen. Klingt nicht schlecht, aber Umweltschützer rügen: Nicht genug. „Statt 26 Prozent müsste die Reduzierung bei 40 bis 60 Prozent liegen“, fordert Kiri Hanks, Klimaexpertin von der Organisation Oxfam.

G7-Gipfel in Elmau: 100 Milliarden Dollar für Schutzprojekte gegen Klimawandel

Es wird spannend, wie einig sich die Gipfelteilnehmer am Ende präsentieren. Die G7 verstehen sich als Wertegemeinschaft, die geschlossen gegenüber anderen auftritt – gerade in der Klimapolitik, die in den Schwellenländern oft ein Schattendasein fristet, wäre das von besonderer Bedeutung. Auch Geld spielt eine zentrale Rolle: Denn von 2020 an sollen 100 Milliarden Dollar jährlich zur Finanzierung von Schutzprojekten gegen den Klimawandel in Staaten der Dritten Welt ausgegeben werden. „Glaubwürdig“, sagt Merkel, „wird die Klimakonferenz in Paris nur, wenn wir wirklich dieses in Kopenhagen vereinbarte Ziel auch einhalten.“

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

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