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Dringend Wohnraum für Ukraine-Flüchtlinge gesucht - G7-Gipfel verschärft Problematik

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Von: Christian Fellner

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Ankunft in Garmisch-Partenkirchen: Alle Flüchtlinge haben ihr Quartier im Sporthotel bezogen. Vor Ort sorgen sich Sozialverbände um die Menschen.
Rund 200 Kinder und Jugendliche unter den Geflüchteten sind im schul- oder kindergartenpflichtigen Alter. © Thomas Sehr

Die Suche nach Wohnraum für Ukraine-Flüchtlinge bleibt die größte Herausforderung für Garmisch-Partenkirchen. Das Landratsamt stellt klar: „Speziell G7 macht es uns nicht leicht.“

Garmisch-Partenkirchen – Gut 14 Tage ist es her, dass die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine im Landkreis eingetroffen sind. Am 8. März kamen zwei Busse in Garmisch-Partenkirchen an. Seither rollt eine Welle der Hilfsbereitschaft über die Region hinweg. Private Initiativen sind an allen Ecken des Landkreises aus dem Boden geschossen, Menschen wurden teilweise direkt aus der Krisenregion geholt. Solidarität, die für viele selbstverständlich ist.

Ukraine-Flüchtlinge in Garmisch-Partenkirchen: „Speziell G7 macht es uns nicht leicht“

Hinter der aber auch ein immenser Aufwand steckt. Vor allem für die Kreisverwaltung, die in der Flüchtlings- und Asyl-Frage die maßgebliche Stelle ist. Die größte Herausforderung: die Suche nach geeigneten Unterkünften. „Wir versuchen unser Bestmögliches“, sagt Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt. „Aber speziell G7 macht es uns nicht leicht.“ Landrat Anton Speer (FW) hat gegenüber den politischen Köpfen in München von Beginn an hingewiesen, dass die Situation im Landkreis eine schwierige ist, viele Kapazitäten durch G7-Beteiligte bis in den Juli belegt seien.

„Wir haben schon als Rückantwort bekommen, dass man das berücksichtigen wird“, sagt Scharf. Messbar ist das nicht so leicht. Die Zahl an Geflüchteten, die bisher angekommen ist, könnte durchaus ein Indiz dafür sein, dass es München ernst meint: 633 Menschen aus der Ukraine – darunter 226 Kinder und Jugendliche – sind aktuell registriert. Gegenüber anderen Landkreisen wie Freising oder Ebersberg ist das eher wenig. Dort sind es mehr als 1000.

Ukraine-Krieg: Zustrom an Flüchtlingen wird so schnell nicht enden

Der Zustrom wird so schnell nicht enden. „Darauf müssen wir uns einstellen“, sagt Scharf. Daher läuft die Suche nach neuen Quartieren im Hintergrund auf Hochtouren. Erfolgsmeldungen gibt es zum Glück für die Koordinierungsgruppe Ukraine im Landratsamt. Neben dem Atlas Sporthotel, das 94 Menschen beherbergt, und der Villa Nova (104 Bewohner) ist der Gasthof Lamm in Garmisch-Partenkirchen dazugekommen.

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Scharf: „Die Besitzerin hat auch einige Ferienwohnungen angeboten, sodass wir 70 Personen unterbringen konnten.“ Hoffnungsschimmer für die Kreisverwaltung. In der nächsten Woche soll das Haus Röhling in Mittenwald bezogen werden. Dort ist Platz für 34 Menschen. Fix ist zudem, dass das kreiseigene St.-Josef-Heim in Garmisch-Partenkirchen genutzt werden kann. Dort hat sich zwar die Polizei für den G7-Gipfel in Elmau eingemietet. Im Südteil sei aber noch Raum für 50 Schutzsuchende.

So kommt der Landkreis zumindest langsam voran. Objekt für Objekt. „Auch wenn es nur kleinere sind“, sagt Scharf. Wie in Unterammergau: Dort steht das Pfarrhaus für sechs Personen zur Verfügung. Eine größere Hilfe könnte das Seehaus im BRK-Altenheim Garhöll im Westen Murnaus sein. „Es sieht ganz gut aus“, verrät Scharf.

Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen: Traglufthallen nur Notprogramm

80 Menschen könnten dort Unterschlupf finden. Allerdings ist die Unterkunft in keinem unmittelbar bewohnbaren Zustand. „Das wird wohl noch einige Wochen dauern. Da brauchen wir erst Handwerker, die Bäder und Küchen herrichten.“ Eines macht Scharf trotz dieser positiven Nachrichten klar: „Wir suchen weiter nach Objekten.“ Wichtig ist nur: „Sie müssen auch längerfristig nutzbar sein.“

Das Thema Traglufthallen ist derweil nur ein Notprogramm. In der Vorwoche bereits hatte der Landkreis die Gemeinden angeschrieben, wer Platz für derlei Konstrukte oder große Zelte hat. Die Rückmeldung: „Bescheiden“, räumt Scharf ein. „Keiner möchte diese Einrichtungen bei sich haben.“ Auf der Prioritätenliste des Landkreises stehen sie auch weit unten. „Das ist die denkbar schlechteste Alternative. Für ein paar Tage – ja. Aber nicht für länger.“ Der Amtssprecher betont: „Aktuell sind derlei Projekte nicht geplant.“

Ukraine-Flüchtlinge: Mehr als 200 Kinder im schul- oder kindergartenpflichtigen Alter

Eine entscheidende Frage in der Krise ist der Umgang mit Kindern. Mehr als 200 sind im schul- oder kindergartenpflichtigen Alter. Sogenannte Willkommensgruppen sollen an den Schulen gebildet werden – das ist die Vorstellung der Staatsregierung. Auch jahrgangs- und schultypübergreifend. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, betont Gisela Ehrl vom Schulamt in Garmisch-Partenkirchen. Im Landkreis laufe die Analyse, wo die Kinder überhaupt leben.

„Wir müssen erst einmal wissen, wo wir Schulplätze brauchen.“ Ehrl hofft, relativ schnell einen Überblick zu erhalten. Klar ist: Lehrkräfte werden gebraucht. „Vielleicht sind unter den Müttern oder Omas Lehrerinnen, die Deutsch oder Englisch können“, sagt Ehrl. „Das wäre der Idealfall.“ Klar ist: Wenn es pro Ort nur zwei oder drei Kinder sind, müssen sie in die Regelklassen integriert werden.

Geflüchtete aus der Ukraine: Erfahrungswerte von Flüchtlingswelle 2015

Aus der Flüchtlingswelle von 2015 gibt es Erfahrungswerte. „Aber damals war die Altersstruktur eine andere“, erinnert Ehrl. Es traf die Berufsschule besonders. „In der Hochzeit gab es neun Extra-Klassen.“ Jetzt gehe es um sehr junge Kinder, die möglicherweise nicht einmal das lateinische Alphabet beherrschen, sondern lediglich die kyrillische Schrift.

In Panik verfällt in der Behörde niemand. Ehrl macht deutlich: „Alles, was in diesem Schuljahr noch läuft, wird ein Kompromiss sein.“ Für nächstes Jahr „braucht es dann ein klares Konzept“. Noch herrscht für die Ankommenden rechtlich auch noch gar keine Schulpflicht. „Die beginnt erst nach drei Monaten.“ Teilweise gehe es aber auch sehr schnell: Im Raum Murnau sind die ersten Kinder bereits in den Unterricht integriert. Die Arbeit geht den Verantwortlichen in der Flüchtlingsthematik so schnell sicher nicht aus.

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