G7-Gipfel in Frankreich: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt eine Pressekonferenz im Rahmen des G7-Gipfels.
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G7-Gipfel: Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Staatsoberhäupter planen wohl ein gemeinsames Gegengewicht zu Chinas Dominanz auf dem indopazifischen Markt.

Billionen-Summen im Spiel

G7-Bollwerk gegen China? Geheimes Strategiepapier aufgetaucht

  • Moritz Bletzinger
    vonMoritz Bletzinger
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Die G7-Staaten wollen offenbar Chinas Seidenstraßen-Projekt kontern. Das geht aus einem internen Strategiepapier hervor.

Brüssel - Mitte Juni kommen die G7-Staaten* zum nächsten Gipfeltreffen zusammen. Im britischen St. Ives soll offenbar eine Bollwerk gegen China entstehen. In einem internen Strategiepaper, das dem Handelsblatt vorliegt, wird dringender Handlungsbedarf beschrieben. Konkrete Länder werden zwar nicht genannt, Experten sind sich ob der Absichten aber einig*.

„Es gibt einen enormen Bedarf an Infrastruktur in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, der durch die Covid-19-Pandemie noch verschärft wurde“, zitiert das Blatt. Zum Abschluss des virtuellen G7-Gipfels im Februar wurden bereits Milliardenzusagen für den Kampf gegen die Pandemie gemacht.

G7-Gipfel: Offenbar Kampfansage an China - Strategiepapier beschreibt Plan gegen Seidenstraßen-Initiative

Die Kampfansage an China*: Eine globale Infrastrukturpartnerschaft der sieben führenden westlichen Industriestaaten. Große Bauvorhaben sollen in Schwellen- und Entwicklungsländern angekurbelt werden, um der chinesischen Seidenstraßen-Initiative* Konkurrenz entgegenzustellen.

Seit 2013 baut Staatpräsident Xi Jinping* die Beziehungen zu Chinas direkten Nachbarstaaten massiv aus. Das Ziel ist ein Wirtschaftsgürtel. Das Bild der Seidenstraße wurde gewählt um die friedlichen, rein wirtschaftlichen Absichten zu betonen.

Gegengewicht zu Chinas Seidenstraßen-Imperium: EU und Indien arbeiten bereits zusammen - G7 zieht nach

Die EU und Indien arbeiten bereits an einer gemeinsamen Gegeninitiative. Die neue Zusammenarbeit ergebe sich als „natürliche Partnerschaft“, betonen EU-Diplomaten zwar. Tatsächlich steckt dahinter aber der Plan ein Gegengewicht zu China zu schaffen, sind sich Experten einig. Bislang kommt diese Rolle allein den USA zu.

1,5 bis 2,7 Billionen Dollar sollen nun wohl zusätzlich in die Infrastruktur von Schwellen- und Entwicklungsländern fließen. So könnten die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht werden. Zugstrecken und Häfen in Asien, Afrika und Lateinamerika sollen wichtige Verbindungen zum Weltmarkt ermöglichen. Außerdem werden die mangelnden Investitionen in Internet und klimafreundliche Technologien wahrscheinlich merklich erhöht.

G7: Massive Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer - aktuelles System „zu schwerfällig“

Die G7-Länder wollen für diese Investments selbst in die Bresche springen, da sich die Weltbank und andere globale Finanzinstitutionen* als „zu schwerfällig“ erwiesen hätten, beschreibt das Papier. Das aktuelle System sei zu langsam und kompliziert. Entwicklungsländer suchen allerdings nach Partnern, deren Pläne schnell umzusetzen sind.

„Die Erfahrung zeigt, dass diese Optionen mit undurchsichtigen Auflagen versehen sind, dass es ihnen an ausreichenden Standards und Sicherheitsvorkehrungen fehlt, dass sie finanziell nicht nachhaltig sind, zur Staatsverunsicherung beitragen und teils den langfristigen Interessen der Bürger in Empfängerländern zuwiderlaufen“, wird die Dringlichkeit neuer Angebote im Strategiepaper betont. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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