Anhörung im Landtag

G8 geht nur ganztags

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München - 13 Experten und (fast) ebenso viel Meinungen. Eine Anhörung zum G8/G9 brachte keinen Trend, was für Bayern gut wäre. Immerhin: Eine Parallelführung von G8/G9 scheint machbar – und G8 ist ganztags besser.

Ist das Gymnasium in der Krise? Nach ersten Schätzungen dürften die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr weiter bröckeln. Auf unter 39 Prozent bayernweit, so schätzen Experten. Es waren auch schon mal über 40 Prozent. Die Attraktivität der Realschule ist indes hoch – mancherorts hat jeder zweite Realschüler eine Empfehlung fürs Gymnasium. Ob das G8 ein Hinderungsgrund ist, steht dahin. Am Bayerischen Landtag äußerten sich gestern 13 Experten zur G8/G9-Debatte – ein weiterer Beitrag zur Meinungsfindung. Wahrscheinlich erst Ende Juli soll das Konzept stehen, wie es in Bayern mit dem Gymnasium weitergeht.

Vielleicht ja so wie in Fulda: Am dortigen Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gibt es G8 und G9 bei freier Auswahl (wobei sich nur 20 Prozent der Schüler für G8 entscheiden). Diese Wahlmöglichkeit sei „vernünftig“, sagte Schulleiter Helmut Sämann bei der Anhörung. Die organisatorischen Schwierigkeiten „sind leicht in den Griff zu bekommen“. Freilich sei am Gymnasium manches verzichtbar, sagte Sämann, der dazu den Spruch des Tages lieferte: „Der Zitronensäurezyklus hat null Bildungsgehalt.“

Auch das Evangelische Firstwaldgymnasium Mössingen in Baden-Württemberg jongliert mit der Schulzeit. Die Oberstufe kann flexibel in zwei oder drei Jahren abgeschlossen werden – das schlägt in Bayern nur die SPD vor. Dezidiert für das G9 plädierten der Bayerische Philologenverband und Landesschülersprecher Julian Fick, der gerade Abitur gemacht hat und etwas erschrocken darüber ist, „wie wenig an wirklich grundlegenden Dingen hängen geblieben ist“.

Mehrere Vertreter stellten ihre G8-Modelle vor – wobei eines deutlich wurde: Wer für das G8 wirbt, favorisiert die Ganztagsschule. Der Münchner Bildungsforscher Manfred Prenzel warnte ausdrücklich vor einer Rückkehr zum G9 und plädierte für ein Ganztags-G8. Wichtiger als eine Verlängerung seien Investitionen in die Pädagogik. „Wir haben ein Qualitätsproblem.“ In Rheinland-Pfalz, das als einziges Bundesland in Deutschland das G9 beibehalten hat, sind heute 19 von 159 Gymnasien „G8-GTS“ – also Ganztagsschule. Das koste richtig Geld, sagte die dortige Leiterin der Gymnasialabteilung am Kultusministerium, Barbara Mathea: im Schnitt sieben Lehrerstellen sowie für neue Räume 2,7 Millionen Euro pro Schule. Der Stundenplan, den dazu Frank Haubitz vom Dresdner Gymnasium Klotzsche vorstellte, ist ambitioniert: Der Unterricht beginnt schon um 7.40 Uhr und geht (mit Pausen) bis 15.30 Uhr. Eine Ganztagspflicht besteht nicht, sagt Haubitz, aber drei Viertel seiner Schüler geht ganztags in die Schule.

Eines zeigte die Diskussion auch: die Skepsis der CSU-Fraktion gegenüber dem G9. Mehrere Redner priesen die Vielfalt des bayerischen Bildungssystems mit seinen 18 Wegen zur Hochschulreife. Er habe sich noch nicht festgelegt, sagte CSU-Fraktionsvize Karl Freller gegenüber unserer Zeitung. Aber „die unschätzbaren Leistungen unserer Fachabiturienten“ zeige, dass das bayerische System gut sei. „Das spricht gegen das G9.“

Keinesfalls ist die CSU-Fraktion gewillt, ein G9-Konzept einfach abzunicken. Sie beansprucht, so ist zu hören, echte inhaltliche Mitsprache. Es dürfte also für den Philologenverband sehr schwer werden, sein G9-Konzept durchzusetzen.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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