+
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel reist zu einer dreitägigen Reise nach Kuba. Deutsche Firmen hoffen auf Aufträge bei der Modernisierung des Landes.

Erste deutsche Visite seit 15 Jahren

Gabriel auf 51-Stunden-Besuch in Kuba

Berlin - Sigmar Gabriel will bei seinem 51-Stunden-Aufenthalt in Havanna dafür sorgen, dass deutsche Firmen beim sozialistischen Aufbruch in Kuba nicht zu kurz kommen.

Millionengeschäfte, Meinungsaustausch, Menschenrechte: Mit dem ersten Besuch eines Bundeswirtschaftsministers seit 15 Jahren in Kuba will Deutschland engere Bande zu dem reformwilligen sozialistischen Karibikstaat knüpfen.

Vizekanzler Sigmar Gabriel will dazu in der Hauptstadt Havanna mehrere Minister treffen und ein deutsch-kubanisches Unternehmerforum eröffnen. Termine mit dem 84 Jahre alten Staatschef Raúl Castro oder dessen Bruder Fidel Castro (89), der 2008 die Macht abgab, stehen bislang nicht auf dem Programm des SPD-Chefs.

Deutsche Firmen erhoffen sich einen Aufschwung im bislang überschaubaren Handel mit dem 11-Millionen-Volk. „Die deutsche Wirtschaft bleibt auf dem kubanischen Markt bislang unter ihren Möglichkeiten. Spanische, italienische und französische Betriebe liegen bei Geschäften vorn“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Reise Gabriels, der von Mittwoch bis Freitag in Havanna sein wird, sei ein wichtiges Signal, Kuba als Handels- und Investitionsstandort stärker in den Blick zu nehmen. „Es ist wichtig, uns jetzt in Position zu bringen, da die USA ihr Embargo wohl nicht mehr vor den Präsidentschaftswahlen im November zurücknehmen“, meinte Wansleben.

Nach jahrzehntelanger Eiszeit hatten Washington und Havanna im vergangenen Sommer ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Dennoch müssen deutsche Firmen, die in den USA aktiv sind und nun auch in Kuba Geschäfte machen wollen, vorsichtig bleiben, weil ihnen trotz der Annäherung weiterhin US-Sanktionen drohen können. In Kuba sind erst etwa 50 deutsche Firmen aktiv.

Wirtschaftsvertreter beklagen eine mangelnde Rechtssicherheit und hohe Einfuhrzölle. Der deutsch-kubanische Handel hatte 2014 nur einen Wert von 224 Millionen Euro. In der Rangliste deutscher Exportländer lag Kuba damit auf Platz 101.

Zuletzt war mit Werner Müller im Jahr 2001 ein deutscher Wirtschaftsminister auf der Karibikinsel. Im vorigen Juli hatte sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Besuch in Havanna für eine Vertiefung der Beziehungen eingesetzt. Amnesty International kritisiert, dass es in Kuba unverändert keine echte Meinungsfreiheit gebe.

Bundesregierung zu Kuba

Kubanisches Außenministerium (Englisch)

Wirtschaftsdaten zu Kuba

Amnesty International zu Kuba

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltweit Millionen junge Arbeitslose
Genf (dpa) - Weltweit sind nach einer neuen UN-Analyse 70,9 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 13,1 Prozent, …
Weltweit Millionen junge Arbeitslose
Kommentar: Ende mit Schrecken
Nach dem Erdbeben der Sonntagnacht steht Berlin unter Schock. Das System Merkel wankt.Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Kommentar: Ende mit Schrecken
CDU Niedersachsen stimmt Koalitionsvertrag mit SPD zu
Auch die CDU hat dem Vertrag zur Bildung der großen Koalition in Niedersachsen zugestimmt. Sie plant nach einer selbstkritischen Wahlkampfanalyse die Neuaufstellung. Nun …
CDU Niedersachsen stimmt Koalitionsvertrag mit SPD zu
Mehrheit ist für Neuwahlen, Umfrageschelte für FDP
Knapp die Hälfte der Bundesbürger befürwortet nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen Neuwahlen. Die FDP erntet für das Verlassen der Sondierungen Kritik.
Mehrheit ist für Neuwahlen, Umfrageschelte für FDP

Kommentare