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SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim ZDF-Sommerinterview.

ZDF-Sommerinterview

Kanzlerkandidatur? Gabriel legt sich nicht fest

Berlin - SPD-Chef Sigmar Gabriel legt sich in der Frage der Kanzlerkandidatur weiterhin nicht fest. Horst Seehofer und sein Gesprächspartner Thomas Walde lieferten sich streckenweise heftige Wortwechsel zum Thema Flüchtlinge.

"Ich habe Zweifel daran, dass es die Menschen so unglaublich interessiert, wen die SPD in zwei Jahren als Kandidaten aufstellt", sagte Gabriel am Sonntag im "Sommerinterview" für die Sendung "ARD-Bericht aus Berlin". Es reiche, das in gut einem Jahr zu klären. Wichtiger seien jetzt inhaltliche Fragen wie zum Beispiel das Thema Flüchtlinge.

Grundsätzlich offen zeigte sich Gabriel für eine Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten durch die Mitglieder. Das wäre "super", wenn es mehrere Kandidaten geben sollte, weil dies auch "eine Riesenmobilisierung" bedeuten könne. Kein Thema sei auf jeden Fall der Verzicht auf einen eigenen Kanzlerkandidaten, wie es Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ins Gespräch gebracht hatte: "Das ist keine ganz so populäre Idee in der SPD", sagte dazu Gabriel.

Gabriel: Kritik an Union und EU in Flüchtlingsfrage

Gabriel warf dem Koalitionspartner CDU/CSU vor, das Flüchtlingsproblem bisher nicht entschlossen genug angegangen zu sein. Seit über einem Jahr habe man die Union davor gewarnt, das Problem zu unterschätzen. „Jetzt ist die Dramatik so groß geworden, dass ich hoffe, dass sich wirklich etwa ändert“, sagte er.

Scharfe Kritik übte Gabriel an der Europäischen Union: „Es ist eine Riesenschande, dass die Mehrzahl der Mitgliedsstaaten sagt: Das geht uns nichts an.“ Ein Rückfall in ein Europa ohne offene Grenzen hätte „katastrophale Folgen“, sagte der Vizekanzler und Wirtschaftsminister.

Gabriel bewertet die weiter wachsende Zahl von Flüchtlingen als „größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung“. „Wir werden unsere Flüchtlingspolitik dramatisch ändern müssen, die schiere Zahl, die jetzt kommt, wird uns dazu zwingen, viel mehr zu tun.“

Vor allem müssten die Kommunen entlastet werden, dazu seien eher drei Milliarden als zwei Milliarden Euro notwendig, sagte Gabriel. „Mit aller Härte“ müssten Polizei und Justiz gegen Rechtsradikale vorgehen, die aus der Flüchtlingsfrage Kapital schlagen wollten.

AFP/dpa

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