Wütender Ex-Parteichef

Gabriels Abrechnung: SPD-Größen reagieren - nur einer nicht

Nach der GroKo-Einigung ist in der SPD ein offener Streit entbrannt: Gabriel wirft der Parteiführung mangelnde Wertschätzung vor. So reagieren die, die er attackiert.

Nach der heftigen Kritik des scheidenden Außenministers Sigmar Gabriel an der SPD-Führung bemüht sich SPD-Vize Olaf Scholz um Deeskalation: „Sigmar Gabriel hat als Parteivorsitzender Hervorragendes geleistet und zuletzt auch als Außenminister“, sagte der Hamburger Bürgermeister im ZDF-„Heute Journal“ am Donnerstagabend. Bei der SPD werde ein guter Umgang miteinander gepflegt. „Und das Wichtigste ist, dass alle, die als Person in der Politik aktiv sind, immer einen Blick dafür behalten, dass es um die Sache geht - und in diesem Fall ist das unser Land.“

Kritik an Merkel, Streit in der SPD: Alle Neuigkeiten nach der GroKo-Einigung erfahren Sie in unserem News-Ticker

In der SPD ist ein offener Streit entbrannt, weil Noch-Parteichef Marin Schulz in der möglichen neuen großen Koalition das Amt der Außenministers für sich beansprucht. Gabriel machte der Parteiführung daraufhin in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitag) schwere Vorwürfe und sprach von Respektlosigkeit und Wortbruch. Gabriel wurde jetzt gegen Schulz sogar persönlich, wie merkur.de* berichtet. Zuvor hatte er seine Teilnahme an wichtigen Terminen als Noch-Außenminister abgesagt. Freitagmittag wurde dann aber bekannt, dass er immerhin zur Münchner Sicherheitskonferenz kommen wird.

Scholz dagegen hat Verständnis dafür, dass Schulz den Posten als Außenminister für sich beansprucht und verweist auf dessen außenpolitische Erfahrung als Ex-EU-Parlamentspräsident. 

Weil: “Ich bin sicher, wir werden weiter von Gabriel hören“

Der frühere Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, der sein Amt an Andrea Nahles verloren hatte, sagte dem ZDF mit Blick auf Gabriel: „Ämter werden nur auf Zeit vergeben. Damit muss er sich abfinden, und ich glaube, das schafft er auch.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht weitere politische Perspektiven für den geschäftsführenden Vizekanzler und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Gabriel habe großartige Arbeit geleistet in der deutschen Politik, sagte Weil am Donnerstag bei der Jahresauftaktklausurtagung der niedersächsischen Sozialdemokraten in Springe bei Hannover. „Ich bin sicher, wir werden weiter von ihm hören. Das ist nicht das Ende seiner politischen Arbeit und auch nicht seiner politischen Karriere.“ Weil fügte hinzu, er freue sich auf die Aufgaben, die Gabriel künftig übernehmen werde.

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Grünen-Chef Robert Habeck äußert Verständnis für die Kritik von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) an dessen Partei. Dass Gabriel nun „so hinlangt“, sei „irgendwie auch menschlich okay“, sagt Habeck dem ARD-Morgenmagazin.

Groschek: „Ich kann manche Faust auf dem Tisch verstehen“

Chef des größten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Mike Groschek, betonte: „Es gibt Diskussionen um die Glaubwürdigkeit.“ Dem müssten sich Schulz und der gesamte Parteivorstand vor dem Mitgliederentscheid der SPD stellen. „Ich kann die Gefühlswallung und manche Faust auf dem Tisch verstehen.“

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Ulrich Kelber (SPD), hat Verständnis für die heftige Kritik des scheidenden Außenministers Sigmar Gabriel an der SPD-Führung, hält dessen Wortwahl aber für falsch. „Sigmar Gabriel ist ne dufte Type. Er ist nicht einfach, weil er auch mal schnell rumpoltert“, sagte Kelber am Freitag dem Radiosender Bayern 2. „Ich kann seinen Frust verstehen. Ich hätte an seiner Stelle aber nicht die gleiche Wortwahl und den gleichen Weg getroffen.“

An der Basis wächst die Kritik, da Schulz nach der Bundestagswahl gesagt hatte, er werde niemals in eine Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eintreten. Schulz gibt nach mehreren Wortbrüchen, parteiinterner Kritik und gesunkenen Zustimmungswerten den Vorsitz an Andrea Nahles ab, will sich aber in das Amt des Außenministers retten, das bisher von Sigmar Gabriel ausgeübt wird. Außerdem hatte er stets betont, ihm gehe es nur um Inhalte, nicht um Posten. Den Bürgern ist das Herausdrängen Gabriels zudem schwer zu vermitteln, da dieser in Umfragen der beliebteste Politiker ist.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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dpa

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