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Aktivisten, die in die Braunkohlengrube Garzweiler eingedrungen sind, sitzen in ca. 100 m Tiefe. An die Sandwand haben sie "Climate Justice" gesprüht.

Abtransport der Demonstranten

Tagebau Garzweiler: Demonstranten werfen Polizei stundenlanges Festsitzen ohne Versorgung vor

Hunderte Klimaschutz-Aktivisten stürmen den Tagebau Garzweiler in NRW. Die Räumung des Tagebaus dauerte am Sonntagmorgen an. Die Polizei berichtet von mehreren Verletzten.

Update vom 24. Juni, 15.00 Uhr: Tausende Aktivisten versammelten sich am Wochenende in Nordrhein-Westfalen, um dort gegen den Kohle-Tagebau zu demonstrieren. Eine Begleiterscheinung des großen Andrangs waren verwüstete Felder. Einer der betroffenen Bauern machte nun seinem Ärger auf Twitter Luft.

#Update vom 23. Juni, 14.05 Uhr: Nach Informationen der Aachener Polizei ist der Tagebau Garzweiler seit dem Mittag geräumt. Die Räumung der Gleise auf der Bahnstrecke zwischen den Braunkohlekraftwerken Neurath und Niederaußem sei noch nicht abgeschlossen. Katrin Henneberger, Sprecherin der Initiative „Ende Gelände“, bestätigte den Abzug. „Am Morgen war es kurz zu einer Eskalation mit der Polizei gekommen. Die Beamten hatten eine Gruppe eingekesselt, obwohl alle Beteiligten wie verabredet und angekündigt gegen 10.00 Uhr den Bereich räumen wollten“, sagte Henneberger der Deutschen Presse-Agentur.

Damit endete am Mittag nach drei Tagen die Blockade im rheinischen Braunkohlerevier. Nach Angaben von „Ende Gelände“ waren rund 6000 Menschen beteiligt. Kritik der Aktivisten, dass die festgesetzten Menschen über Stunden nicht mit Getränken und Essen versorgt wurden, wies die Polizei auf Anfrage und per Twitter zurück.

Update vom 23. Juni, 11.50 Uhr: Die Polizei hat am Sonntagmorgen nach eigenen Angaben die Räumung des Braunkohletagebaus Garzweiler beendet. Alle Demonstranten, die das Gelände am Samstag gestürmt hatten, seien mittlerweile herausgetragen worden oder freiwillig gegangen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Eine Sprecherin der Organisation Ende Gelände sagte dagegen, an schwer zugänglichen Stellen im Tagebaugelände hielten sich noch Demonstranten auf, ihre Zahl liege im "niedrigen zweistelligen Bereich".

Aktivisten stürmen Tagebau Garzweiler: Räumung dauert an - mindestens acht Verletzte

Update vom 23. Juni, 9.50 Uhr: Die Klima-Proteste im rheinischen Braunkohlerevier halten die Polizeikräfte weiter in Atem. Die Einsatzkräfte hatten nach der Stürmung der Tagebau-Gebiete in Garzweiler und Jackerath durch Demonstranten, viele vom Bündnis „Ende Gelände“, am Samstagnachmittag in der Folge am Abend bis in den Sonntag hinein alle Hände voll zu tun. Die Räumung des Tagebaus in Garzweiler dauerte am Sonntagmorgen an, teilte die Polizei Aachen auf dpa-Anfrage gegen 08.00 Uhr mit. 

Auf dem Betriebsgelände des Energieversorgers RWE befänden sich noch rund 250 Demonstranten unter Kontrolle der Einsatzkräfte. Diese werden den Angaben zufolge nach und nach abtransportiert. Zudem wird laut Polizei weiter die Bahnstrecke zwischen den Braunkohlekraftwerken Neurath und Niederaußem von etwa 800 Demonstranten blockiert.

Bei den Protesten im Revier wurden nach Angaben der Polizei acht Beamtinnen und Beamten verletzt. Die Behörde habe auch von Berichten zu verletzten Demonstranten gehört, die hätten sich aber nicht bei der Polizei gemeldet. Insofern habe man keine gesicherten Informationen und Zahlen. Auch gebe es noch keine exakten Angaben, wie viele Demonstranten in Gewahrsam genommen wurden. Kritik der Aktivisten, dass die festgesetzten Menschen über Stunden nicht mit Getränken und Essen versorgt wurden, wies die Polizei auf Anfrage zurück.

Dramatische Szenen am Tagebau Garzweiler in NRW.

Das Klimaschutzbündnis „Ende Gelände“ hat sich 2014 gegründet und will sich bundesweit aktiv für den Klimaschutz einsetzen. Eine Aktivistin sprach mit fr.de* über das Versagen des politischen Systems und Massenblockaden.

Unsere Erstmeldung vom 22. Juni: 1000 Aktivisten dringen in Tagebau ein

Erkelenz/ Nordrhein-Westfalen - Der trockene Boden an der Abbaukante staubt, als Dutzende Aktivisten in den Tagebau Garzweiler hinein rennen oder rutschen. Meist sind sie in weißen Papier-Overalls gekleidet. Auf Internetvideos des Bündnisses „Ende Gelände“ ist zu sehen, wie die Demonstranten am Samstag johlend und klatschend durch den Tagebau in der Nähe von Aachen laufen. Die Polizei appelliert an die Frauen und Männer stehenzubleiben. Es bestehe Lebensgefahr.

Während Tausende Teilnehmer der Fridays-For-Future-Bewegung, die erstmals an einem Samstag zusammenkommt, friedlich demonstrieren, legt es das Bündnis „Ende Gelände“ am Samstagnachmittag auf die Konfrontation an. Man werde die Polizeiketten jetzt „durchfließen“, heißt es auf dem Twitter-Account der Aktivisten schon am Mittag.

Klima-Proteste in Garzweiler in NRW: „Da können Sie 40 Meter tief stürzen“

Wenig später brechen an verschiedenen Stellen Menschen durch die Polizeiketten. Die Behörden melden kurz darauf erste Verletzte, ohne Zahlen zu nennen. Die Gewerkschaft der Polizei, die selbst mit einer Abordnung am Ort ist, spricht am Nachmittag von mindestens zwei verletzten Polizisten. Die Polizei benutzt ihrerseits Pfefferspray, um Aktivisten zu stoppen. „Ende Gelände“ prangert via Twitter „Polizeigewalt“ an.

Der NRW-Chef der GdP, Michael Mertens, spricht von einem „unglaublichen Leichtsinn“ der Aktivisten. Die Abbaukanten im Tagebau seien auch deshalb so gefährlich, weil man oben oft gar nicht sehe, wenn darunter gar kein Grund mehr sei. „Da können Sie 40 Meter tief stürzen“, so Mertens zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er prophezeite einen „langen Tag“ für die Polizei, da das Eindringen in den Tagebau wohl keine Einzelaktion bleiben werde. Mertens lobte gleichzeitig die friedliche Demo der Fridays-For-Future-Teilnehmer.

Dem Protestmarsch der Schüler-Bewegung hatten sich am Samstagvormittag auch Familien und ältere Menschen angeschlossen. Sie machten sich am Tagebau entlang auf den Weg in das Dorf Keyenberg - eines der letzten Dörfer im Rheinischen Revier, die für einen Tagebau abgebaggert werden sollen. „Alle sind gegen Kohle, außer Peter, der gräbt noch einen Meter“ hieß es auf dem Plakat eines Teilnehmers, das Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte. Die Organisatoren sprachen von 8000 Teilnehmern bei den störungsfreien Aktionen.

Klima-Proteste in NRW: Mehr als 6000 Aktivisten im Revier

Eine Gruppe von „Ende Gelände“ hatte sich mit rund 1600 Menschen auf den Weg gemacht. Flankiert wurde der Zug, der in Sichtweite des Tagebaus Garzweiler auf einer Straße lief, von einem starken Polizeiaufgebot. Polizeireiter waren am Ort, ein Hubschrauber kreiste - bis der Ausbruch übers Feld in den Tagebau kam.

Am Nachmittag blockierten „Ende Gelände“-Aktivisten nach Angaben der Polizei die Hambach-Bahn. Auf der Strecke wird Kohle abtransportiert. Eine weitere Bahnstrecke (Nord-Süd) wurde bereits seit Freitagabend besetzt. Mehr als 6000 Aktivisten waren nach Angaben der Bündnis-Sprecherin Kathrin Henneberger am Samstag im Revier: „Wir haben an vielen Stellen blockiert. Damit haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt: Für den Klimaschutz muss jetzt etwas passieren.“

RWE-Sprecher: „Eingriff in die öffentliche Versorgung“

RWE hatte nach Angaben eines Sprechers zunächst vier von sechs Produktionseinheiten inklusive Baggern aus Sicherheitsgründen gestoppt. „Das ist ein Eingriff in die öffentliche Versorgung“, sagte eine RWE-Sprecher der dpa. „Aber es ist nicht so, dass wir Kraftwerke gleich abstellen müssen.“

Am Ende eines heißen Nachmittags waren nach Angaben der Aktivisten-Sprecherin 1000 Aktivisten im Tagebau. „Die Deutungshoheit überlassen wir „Ende Gelände““, kommentierte eine Polizeisprecherin diese Zahl. Man werde jetzt versuchen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Insgesamt demonstrierten nach Angaben der Organisatoren verschiedener Aktionen rund um Garzweiler rund zehntausend Menschen. Sie fordern einen schnellen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung (so wie nun übrigens auch CSU-Chef Markus Söder - hier das Interview mit dem Münchner Merkur.) Die von der Regierung eingesetzte Kohlekommission einigte sich auf das Jahr 2038.

Zwei Pumpstationen im Tagebaugebiet in Brand gesetzt

Unbekannte haben am Samstag überdies in Mönchengladbach-Wanlo am Rand des Tagebaugebiets Garzweiler den Schaltschrank einer Pumpstation des Betreibers RWE in Brand gesetzt. Die Polizei gehe von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagte eine Sprecherin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Feuer im Zusammenhang mit der Klimademonstration gelegt worden sei, hieß es. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr löschte den Schaltkasten. Bereits am Freitagabend hatte den Angaben zufolge eine Pumpstation im nur wenige Kilometer entfernten Lützerath gebrannt. Auch hier vermutet die Polizei eine Brandlegung.

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dpa/AFP/frs

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