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Jörg Brühmann fotografierte sich für seinen Facebook-Beitrag in seiner Tracht - und mit einem Schild. 

Dieses Foto wurde zum Netzhit

Sind CSU und Freistaat eins? Er sagt: „Ned mei Bayern, ned mei Horst“

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Spricht die CSU für den ganzen Freistaat? Nein, findet Jörg Brühmann. Die CSU sei die stärkste Partei, habe aber keinen Alleinvertretungsanspruch. Leider würden viele Norddeutsche das aber nicht differenzieren. Sein Facebook-Beitrag dazu wurde am Donnerstag zu einem viralen Hit. 

München/Rosenheim - Es ist ein Facebook-Beitrag einer Privatperson, der hohe Wellen schlägt. Jörg Brühmann ist 33, er lebt in Rosenheim. Aufgewachsen ist der gebürtige Bayer im Landkreis Regensburg. Nach seinem Studium in Osnabrück kehrte Brühmann in seine Heimat zurück. Er ist ein politischer Mensch, eine Zeit lang hat er sich mal bei der Piratenpartei engagiert. Am Mittwoch veröffentlichte der promovierte Biologe auf seiner Facebook-Seite einen Beitrag, der seitdem von Tausenden geteilt, geliked und kommentiert wird. 

Der Anstoß für sein öffentliches Statement: Immer wieder ärgerte er sich darüber, dass die CSU mit Bayern gleichgesetzt wird - und damit auch die streitbaren Aussagen von Parteichef Horst Seehofer oder Alexander Dobrindt, insbesondere in der Diskussion um die Integration von Asylbewerbern und Migranten. Einen Shitstorm erntete Brühmann für seinen Facebook-Beitrag bislang nicht - im Gegenteil. Er habe reihenweise Freundschaftsanfragen von fremden Menschen erhalten - darunter sogar von einem Mitglied der Jungen Union. 

Wir veröffentlichen seinen Facebook-Post als Gastbeitrag. Diskutieren Sie im Kommentarbereich mit: Was halten Sie von Jörg Brühmanns Statement? Spricht er Ihnen aus der Seele oder wird die politische Einstellung der Bayern durch die CSU eben doch gut vertreten? 

Der Gastbeitrag von Jörg Brühmann: „Ned mei Bayern, ned mei Horst“

Wir müssen reden.

Es geht um einen Mann, dessen Aufgabe es lange war, das Land, aus dem ich komme, zu vertreten. Und den heute immer noch viele Menschen als "Repräsentant" oder beispielhaft für die hiesige Bevölkerung sehen.

Und es geht um Bayern. Das Land, in dem ich geboren bin, und den Großteil meines Lebens verbracht habe. Das mich aufs Tiefste geprägt hat, vom Lebensgefühl bis zur Sprache. Mein Bayern besticht durch die „Liberalitas Bavarica“ und ist geprägt von Gemütlichkeit und Geselligkeit, aber auch Weltoffenheit und Toleranz. Wo Tradition und Zukunft nebeneinander existieren können. Einem Land von Leben und Leben lassen, in dem man viel von anderen lernen, aber nicht dem anderen alles nachmachen muss. Mein Bayern ist das, in dem Monarchen ihr Geld zumindest auf Schlösser und Denkmäler verschwendet haben, nicht auf Kriegsflotten. Das Land von Hans Söllner und den Biermösl Blosn. Das Land der Bahnhofsklatscher und der Ehrenämtler. Wo man seine Heimat lieben darf, ohne die der anderen hassen zu müssen. Wo wir uns über die Schönheit der Natur freuen und sie nicht zubetonieren. Und ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin.

Für das alles stehen Sie, Herr Seehofer, nicht.

Mein Bayern braucht keine Mauern und keine scharfen Grenzen. Keine Überwachung oder Geheimpolizei. In meinem Bayern glauben wir an ein freies Europa und suchen nicht den Schulterschluss mit Populisten. In meinem Bayern versuchen wir nicht die AfD rechts zu überholen. Unser größtes Problem hier ist NICHT der fußballspielende, ministrierende Senegalese, sondern der Politiker, der solche Sätze äußert. Wir schüren keine Ängste vor den „Fremden“ und brauchen auch keine Obergrenzen.

Sie, Herr Seehofer, sind nicht mein Bayern. Und ich schäme mich dafür, dass Leute in Deutschland denken, „Sie waradn mia“.

Unsere bayerische Kultur hat 1500 Jahre lang überlebt. Und sie ist immer noch lebendig. Wir müssen sie nicht konservieren. Denn Formaldehyd bleicht aus, was es konservieren soll. Und statt um unsere Kultur, unser Lebensgefühl oder unsere Sprache zu fürchten, sollten wir sie feiern. Und jeden einladen, der sie mit uns feiern will. Denn nur so bleibt unser Bayern das, was es ist. Ein Land, in dem Tradition und Zukunft nebeneinander existieren können. Wo man viel von anderen lernen, aber nicht dem anderen alles nachmachen muss.

Mit den Worten von Georg Lohmeier: „Das Bayerische ist eine Denkweise. Ein guter Bayer kann auch aus Afrika sein.“

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