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Dominanz in Europa ist für Bundespräsident Gauck nicht im Sinne Deutschlands. Auch in Marseille vermeidet er einen allzu selbstbewussten Auftritt. Das französische Echo nach drei Tagen Staatsbesuch ist entsprechend positiv.

Bundespräsident in Frankreich

Gauck: Deutschland will keine Vorherrschaft

Paris - Dominanz in Europa ist für Bundespräsident Gauck nicht im Sinne Deutschlands. Auch in Marseille vermeidet er einen allzu selbstbewussten Auftritt. Das französische Echo nach drei Tagen Staatsbesuch ist entsprechend positiv.

Bundespräsident Joachim Gauck sieht Deutschland nicht auf dem Weg zu einer Vormachtstellung in Europa. Zum Abschluss seines Staatsbesuches in Frankreich betonte Gauck am Donnerstag in Marseille: „Deutschland strebt keine Dominanz an.“

„Niemand in Deutschland träumt davon, Europa zu führen“, sagte Gauck im Gespräch mit deutschen und französischen Jugendlichen. Wenn die „schmerzhaften Reformen“ der Agenda 2010 unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder als Beispiel angeführt würden, dann sei dies keine Anmaßung, sondern eher ein Diskussionsvorschlag für andere Länder. Das gelte für Politiker und Bürger gleichermaßen.

Lesen Sie auch: Gauck und Hollande in Oradour: Geste der Versöhnung

Gauck gab zu erkennen, dass er für mehr finanzpolitische Koordination in der Europäischen Union eintritt. Europa werde in der globalisierten Welt nur gemeinsam wahrgenommen. „Wenn wir ernst genommen werden wollen, brauchen wir Europa.“ Gleichzeitig verwies der Bundespräsident darauf, er sei nicht Chef der deutschen Regierung: „Ich bin im Grunde Zierrat“, sagte der Bundespräsident im Scherz. Die Geste deutsch-französischer Versöhnung von Gauck und Präsident François Hollande in Oradour-sur-Glane am Vortag stieß in Frankreich auf viel Zustimmung. Beide Politiker hatten sich am Mittwoch Hand in Hand das Massaker schildern lassen, bei dem Soldaten der Waffen-SS 1944 mehr als 600 Franzosen ermordeten. Sie umarmten sich dabei auch immer wieder.

Die Zeitung „Libération“ schrieb am Donnerstag von „lauter starken Gesten, die eine neue Etappe in der langen Geschichte der deutsch-französischen Aussöhnung markieren“. „Le Figaro“ meinte dazu: „Die Geschichte der Versöhnung wird noch mehr durch Gesten gestaltet als durch Worte.“ Auch „Le Monde“ sah „eine neue Seite der Aussöhnung“ und schrieb: „Nach (Konrad) Adenauer und (Charles) de Gaulle in (dessen Privathaus in) Colombey-les-Deux-Eglises am 14. September 1958, nach (Helmut) Kohl und (François) Mitterrand in Verdun am 22. September 1984 wird nun dieses Bild dem Album der deutsch-französischen Aussöhnung hinzugefügt: François Hollande und Joachim Gauck in Oradour-sur-Glane am 4. September 2013.“

Der Élysée-Palast gestaltete seinen Twitter-Account neu. Die präsidiale Startseite des Kurznachrichtendienstes rückte das Motiv einer sehr innigen Umarmung der beiden Staatsspitzen ins Zentrum.

Zum Abschluss seines dreitägigen Staatsbesuchs in Frankreich war Gauck in der Kulturhauptstadt Marseille auch im spektakulären neuen Museum für Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (MuCem). Die Reise Gaucks in Begleitung seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt war der erste Staatsbesuch eines Bundespräsidenten in Frankreich seit 17 Jahren.

dpa

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