UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt
+
Vor 75 Jahren überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion. Foto: Buss

Gauck erinnert an Überfall auf Sowjetunion vor 75 Jahren

Mit dem Überfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion nahm der Zweite Weltkrieg vor 75 Jahren eine neue Wendung. Heute wird über die Grenzen hinweg der Opfer gedacht. Deutschland und Russland vereinbaren ein neues gemeinsames Projekt.

Berlin/Moskau/Kiew (dpa) - Mit Gedenkveranstaltungen über die Grenzen hinweg ist an den Überfall von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion vor 75 Jahren erinnert worden.

"Kein Land hat im Zweiten Weltkrieg so große Opfer gebracht wie die Sowjetunion: Fast 27 Millionen Menschen verloren ihr Leben", erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. Zugleich nutzte der Bundespräsident den Jahrestag zur Mahnung. "Frieden ist nicht selbstverständlich."

In Russland stellten viele Bürger zur Stunde des Überfalls um 03.00 Uhr morgens (MESZ) eine brennende Kerze ins Fenster. Präsident Wladimir Putin wollte am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegen. Zugleich vereinbarten Deutschland und Russland eine engere Zusammenarbeit, um die Schicksale von Kriegsgefangenen noch zu klären. Auch die Ukraine und Weißrussland, die damals von der Wehrmacht ebenfalls überrannt wurden, gedachten der Millionen Opfer.

"Wir blicken zurück auf die barbarische Politik des nationalsozialistischen Deutschland, die von Rassenwahn und Herrenmenschentum geleitet war", schrieb Gauck in Erinnerung an den 22. Juni 1945. Beim Vormarsch der Roten Armee und später im sowjetischen Machtbereich sei neues Unrecht begangen worden. Dies ändere aber nichts am "großen, unersetzlichen und unvergesslichen Anteil" der Völker der Sowjetunion am Sieg über den Nationalsozialismus.

Der Bundestag setzte zum Gedenken eine Debatte mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Hauptredner auf die Tagesordnung. "Das Wachhalten der Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und an die deutsche Schuld war, ist und bleibt eine unverzichtbare, zwingende Voraussetzung für die Aussöhnung zwischen unseren Ländern", schrieb er in einem Beitrag für drei Zeitungen in Russland, Weißrussland und der Ukraine. Zugleich mahnte er: "Nie wieder!"

Im russischen Parlament gedachten die Abgeordneten schweigend der sowjetischen Opfer. Am zentralen Denkmal für den Großen Vaterländischen Krieg in Moskau, wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird, hielten junge Russen in historischen Uniformen Wache. In der Ukraine erinnerte Präsident Petro Poroschenko daran, dass sein Land Opfer des Nationalsozialismus wie des Stalinismus gewesen sei.

Die Grünen forderten nach einem Bericht der "Funke Mediengruppe" die offizielle Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des NS-Regimes. Zusammen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow vereinbarte Steinmeier ein neues Projekt, mit dem die bislang bekannten Daten von Kriegsgefangenen digitalisiert und in Datenbanken zusammengeführt werden. Deutschland übernimmt die Finanzierung.

Während des Kriegs kamen nach offiziellen Angaben insgesamt mehr als 8,8 Millionen Soldaten in Gefangenschaft - mehr als 5,7 Millionen Angehörige der Roten Armee und mehr als 3,1 Millionen der Wehrmacht. In deutscher Gefangenschaft starben mehr als drei Millionen Sowjetsoldaten. Die Zahl der Deutschen, die in sowjetischer Haft starben, wird auf mindestens 1,1 Millionen geschätzt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt
Ratko Mladic, der den Beinamen "Der Schlächter vom Balkan" trägt, gilt als Hauptverantwortlicher für die Kriegsgräuel auf dem Balkan. Nun ist das Urteil gefallen.
UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt
Weil erneut zum Ministerpräsidenten in Niedersachsen gewählt
Niedersachsens neue Landesregierung ist im Amt - und Stephan Weil zum zweiten Mal zum Regierungschef gewählt worden. Seine SPD regiert nun nicht mehr mit den Grünen, …
Weil erneut zum Ministerpräsidenten in Niedersachsen gewählt
Simbabwe: Mugabes Nachfolger soll rasch vereidigt werden
In Simbabwe beginnt eine neue Ära. Nach dem Rücktritt von Präsident Mugabe soll dessen Nachfolger schnell vereidigt werden. Doch ein radikaler Umbruch scheint …
Simbabwe: Mugabes Nachfolger soll rasch vereidigt werden
Libanesischer Premier Hariri schiebt Rücktritt zunächst auf
Anfang des Monats erklärte der libanesische Premier Saad Hariri von Saudi-Arabien aus seinen Rücktritt. Danach kamen Gerüchte auf, Riad halte ihn fest. Erst am Dienstag …
Libanesischer Premier Hariri schiebt Rücktritt zunächst auf

Kommentare