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Die Parteivorsitzenden der großen Koalition treffen sich am heutigen Sonntag, um zu klären, ob man einen gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt will. 

Treffen der Koalitionsspitzen

Gauck-Nachfolge: Diese Namen werden gehandelt

Berlin - Die Parteivorsitzenden der großen Koalition, Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Sigmar Gabriel (SPD) pokern um den nächsten Bundespräsidenten. Wer wird ins Schloss Bellevue einziehen? 

Kurz vor dem möglicherweise entscheidenden Spitzentreffen der Parteichefs der großen Koalition bei der Suche nach einem Kandidaten für das Bundespräsidentenamt stehen die Zeichen eher auf Konfrontation. Die SPD hat Frank-Walter Steinmeier ins Rampenlicht für die Nachfolge von Joachim Gauck geschoben. Ob Merkel diesen Gabriel-Schachzug kontern kann, war am Sonntag zunächst offen. Diese Persönlichkeiten werden im politischen Berlin für das höchste Staatsamt gehandelt:

FRANK-WALTER STEINMEIER (60): Der SPD-Außenminister gilt vielen mittlerweile als Favorit. Er würde nach längerem Zögern wohl auch in eine Kampfkandidatur gehen, falls die Union nicht mitzieht. Offen war, ob Merkel der Union, die mit Abstand stärkste Kraft in der Bundesversammlung ist, einen Kandidaten Steinmeier ohne weiteren Autoritätsverlust vermitteln könnte? An Steinmeiers Eignung, der in einem dritten Wahlgang Grüne und Linke bräuchte, zweifelt niemand, in Umfragen ist er Bürgers Liebling.

NORBERT LAMMERT (67): Der geschätzte CDU-Bundestagspräsident soll Merkel in dieser Woche einen Korb gegeben haben, schreibt der „Spiegel“. Lammert selbst sagte, aus der Kandidatenschar guter Leute werde sicher jemand bereit sein. „Dazu gehöre ich nicht.“ Für den Bundestag kandidiert der wortgewaltige Bochumer nicht mehr. Zuletzt hieß es aber wieder, Merkel versuche erneut, Lammert umzustimmen. Er könnte der Kompromisskandidat der Union werden.

ANDREAS VOSSKUHLE (52): Er wäre der ideale Konsenskandidat für Schwarz-Rot. Der auf SPD-Ticket nach Karlsruhe gekommene Präsident des Verfassungsgerichts war schon 2012 Merkels Favorit. Damals lehnte er das schwarz-gelbe Angebot ab. Auch jetzt soll er Merkel abgesagt haben - und auch in seinem Fall hieß es am Wochenende, die Kanzlerin versuche, ihn umzustimmen. Aus der SPD war aber zu hören, er wolle aus privaten Gründen nicht und scheue es, ständig in der Öffentlichkeit zu stehen.

WOLFGANG SCHÄUBLE (73): Vor zwölf Jahren verhinderte Merkel den Aufstieg des Rivalen ins höchste Staatsamt. Schäuble macht den Eindruck, dass er sich als Finanzminister pudelwohl fühlt. Er will gestalten und genießt die Rolle des in der Unionsfraktion hofierten „Nebenkanzlers“.

URSULA VON DER LEYEN (58): Die Verteidigungsministerin und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende gilt als Allzweckwaffe. Über sie wird in Berlin gesagt, sie könne sich vorstellen, nach Merkel Kanzlerin zu werden. Vor wenigen Wochen hatte sie öffentlich erklärt, ihr Platz sei und bleibe das Verteidigungsministerium. Von der Leyen war bereits nach dem Rücktritt von Horst Köhler 2010 als erste Frau im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, im Gespräch.

MONIKA GRÜTTERS (54): Die Kulturstaatsministerin hat Merkels Vertrauen, soll bald den Vorsitz der Hauptstadt-CDU übernehmen und dort aufräumen. Die Katholikin aus Münster kann es aber kaum mit Steinmeier aufnehmen.

WINFRIED KRETSCHMANN (68): Der Ministerpräsident aus Stuttgart bekam gerade Ärger von seinen Grünen, als er sich wieder als Merkel-Fan outete („Ich wüsste niemand, der diesen Job besser machen könnte als sie.“). Würde Merkel „Kretsch“ nach Bellevue schicken, wäre das aber wohl ein zu starkes Signal für eine schwarz-grüne Koalition im Bund. Die „Märkische Allgemeine“ schrieb am Wochenende, Merkel habe sich bei Gabriel mit dem Vorschlag Kretschmann eine Abfuhr geholt.

ANNEGRET KRAMP-KARRENBAUER (54): Die saarländische CDU-Ministerpräsidentin gilt als modern, kann auch mit den Grünen. Aber im März 2017 wird im Saarland gewählt. Die Union braucht sie dort. Dennoch wird sie bei manchen in Berlin als heißer Tipp für die Gauck-Nachfolge genannt.

VOLKER BOUFFIER (64): Der hessische CDU-Regierungschef ist bei den Grünen wohl gelitten, schließlich führt er geräuschlos die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden. Will aber dem Vernehmen nach im Hessenland bleiben.

WOLFGANG HUBER (74): Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende zählt seit Jahren zum Kandidatenkreis. Aber nach dem ehemaligen DDR-Pastor Gauck schon wieder ein evangelischer Geistlicher? Zusammenhalt und Versöhnung wären sein Thema.

dpa

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