Steuer-Affäre Hoeneß

Gauck nennt Steuerhinterziehung asozial

Berlin - Ob das Uli Hoeneß gefallen wird? Bundespräsident Joachim Gauck hat sich in die Debatte über Steuerhinterziehung ungewöhnlich scharf eingeschaltet.

„Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial“, sagte er dem Magazin „Stern“. Mit Blick auf den Präsidenten von Bayern München, Uli Hoeneß, stellte Gauck in dem am Mittwoch verbreiteten Interview klar: „In unserem Land darf es in rechtlichen und moralischen Fragen nicht zweierlei Standards geben, einen für die Starken und einen für die Schwachen. Niemand darf selbst entscheiden, ob er Steuern zahlt oder nicht.“

Gauck plädierte dafür, grundsätzlich darüber nachzudenken, „ob nicht auch strengere Gesetze nötig sind, die aus einer fragwürdigen Handlung einen Straftatbestand machen“. Was sich keineswegs ausbreiten dürfe, sei das Gefühl: Wer nicht trickst, ist selbst schuld. „Dieses Gefühl gefährdet unsere Demokratie.“

Dass Hoeneß Steuern hinterzogen hat, sei für ihn eine „Überraschung“ gewesen, sagte der Bundespräsident. Er erschrecke jedes Mal, „wenn Sympathieträger stürzen, weil sie irgendwie verstrickt sind. Eigentlich ist es mehr als ein Schreck - ich ärgere mich.“ Leider sei es oft so „mit großen Persönlichkeiten im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik - viele sind nur Vorbilder auf Zeit“.

Gauck warnte zugleich vor einer „kitschigen Vereinfachung“ des Gesellschaftsbildes. „Wer sich unsere Gesellschaft so vorstellt, als stünden lauter moralische Normalverdiener lauter unmoralischen Reichen gegenüber, der irrt.“ Gauck betonte: „Ich finde es nicht unmoralisch, reich zu sein. Ich finde es unmoralisch, unmoralisch reich zu sein.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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