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Merkur-Politik-Redakteur Alexander Weber.

Kommentar 

Gauland und der Front National: Die AfD enttarnt sich selbst

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München - Mit der Ankündigung mit der rechtspopulistischen Front National zusammenarbeiten zu wollen, lüftet Alexander Gauland endgültig den bürgerlichen Tarnumhang der AfD, meint unser Autor.

Die Ankündigung von AfD-Vize Alexander Gauland, sich im Europäischen Parlament eine Zusammenarbeit mit den französischen Rechtsradikalen des Front National in einer gemeinsamen Fraktion vorstellen zu können, mag jene erschrecken, die noch immer glaubten, in der Petry-Partei lediglich eine bürgerlich-konservative Alternative zur Politik von Kanzlerin Merkel vor sich zu haben. Allmählich klären sich die Fronten, nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene.

„Ich will die EU zerstören“, erklärte FN-Chefin Marine Le Pen unmissverständlich als ihr Ziel im Europawahlkampf 2014 – und zu ihr wollen Gauland und Parteifreunde nun ins politische Boot steigen. Damit verlassen die Rechtspopulisten endgültig jenen gesellschaftlichen Grundkonsens in Deutschland, der das Europäische Einigungswerk, wie es Konrad Adenauer nach zwei verheerenden Weltkriegen begann und alle Kanzler seither fortführten, als Teil deutscher Staatsräson definiert. Was als kritische, aber völlig legitime Debatte über eine Sachfrage – die griechische Schuldenkrise und die Rettungsschirmpolitik – begann, wandelt sich nun zu einem Pakt der Europahasser und ihrer nationalistisch-rückwärtsgewandten Politik. Die nächsten Wahlen werden zeigen, ob sich alle AfD-Anhänger in dieser Gesellschaft wohlfühlen.

Die anderen Parteien haben spätestens jetzt keinen Grund mehr, die AfD mit Samthandschuhen anzufassen. Die extremistische Herausforderung ist größer denn je.

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