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Alice Weidel will mit der ominösen E-Mail nichts zu tun haben.

Rechtsradikale Thesen

Weidel nennt Vorwürfe in E-Mail-Affäre eine „plumpe Kampagne“

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Deutschland diskutiert über eine rechtsradikale E-Mail, die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel 2013 geschrieben haben soll. Am Sonntagabend wies Weidel die Vorwürfe zurück und sprach von einer „plumpen Kampagne“.

Update vom 11. September 2017: In der Debatte um die angebliche E-Mail aus dem Jahr 2013 meldet sich nun auch die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld zu Wort. Sie behauptet, dass AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel mit Stasi-Methoden diskreditiert werden soll.  

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat den Bericht der „Welt am Sonntag“ über eine angeblich von Alice Weidel 2013 geschriebene E-Mail mit rechtsradikalen und Demokratie verachtenden Thesen empört zurückgewiesen. „Diese E-Mail ist nicht ihre Sprache, passt gar nicht zu ihr“, sagte Gauland der „Bild“-Zeitung. „Es ist der üble Versuch, die AfD um jeden Preis aus dem Bundestag zu halten.“ Gauland unterstellte „eine erbärmliche Kampagne, an der sich auch die Medien beteiligen“.

Weidel hat über einen AfD-Sprecher ausrichten lassen, sie habe diese E-Mail nicht geschrieben. Der „Welt am Sonntag“ liegt aber eine eidesstattliche Versicherung des Empfängers vor: ein früherer Bekannter von Weidel in Frankfurt am Main.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer kritisierte Weidel scharf. „Hinter der pseudo-bürgerlichen Fassade von Frau Weidel verbirgt sich die erschreckende Ideologie einer Reichsbürgerin“, sagte Scheuer der „Welt“. „Die AfD von Gauland, Höcke, Meuthen und Weidel ist in Wahrheit eine Lügenpartei, die die deutsche Staatsordnung ablehnt und bekämpft.“

Weidel nennt Mail-Vorwürfe „unfassbar“

Alice Weidel hat die Debatte über eine angeblich von ihr stammende rassistische E-Mail als plumpe Kampagne zurückgewiesen. „Ich finde das einfach nur unfassbar“, sagte Weidel am Sonntagabend in einem Wahlchat auf Welt.de. Sie habe zu dem Thema durch ihren Sprecher bereits alles gesagt und wolle sich nicht an der Debatte beteiligen. „Zwei Wochen vor der Bundestagswahl werde ich wirklich nicht über jedes absurde Stöckchen springen, dass man mir hinhält und diese plumpe Kampagne auch noch selbst befeuern.“ Danach gefragt, ob sie zur Urheberschaft der Mail auch eine eidesstattliche Versicherung abgeben würde, sagte sie nur: „Das werden sie sehen, was wir tun werden.“

Zeitung zitiert aus rechtsradikaler E-Mail, die Alice Weidel 2013 geschrieben haben soll

Die Welt am Sonntag zitiert aus der E-Mail (in Originalschreibweise): „Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.“ Außerdem verunglimpfe Weidel die Bundesregierung: „Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen.“ Araber, Sinti und Roma soll Weidel als „kulturfremde Völker“ bezeichnet haben, von denen „wir“ "überschwemmt" würden. 

Der Empfänger der Mail begründete gegenüber der Zeitung Weidels Urheberschaft damit, dass sich die Betreffzeile der Mail auf ein Gespräch mit ihm beziehe. Außerdem habe Weidel ihren Spitznamen „Lille“ geschrieben. Auch nach dpa-Informationen war „Lille“ früher ein Spitzname Weidels.

Zu der Zeit, aus der die Mail angeblich stammt, soll Weidel laut der Welt am Sonntag noch nicht Parteimitglied gewesen sein. Sie habe damals aber begonnen, sich im AfD-Vorläufer „Wahlalternative 2013“ zu engagieren, schreibt die Zeitung. 

So reagieren Politiker anderer Parteien auf die E-Mail-Veröffentlichung

Linksparteichef Bernd Riexinger hat getwittert: „Wir müssen verhindern, dass diese Nazis und Rassisten in den nächsten Bundestag einziehen. Diese Mail ist eine Offenbarung.“ Und Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer fragte, ebenfalls auf Twitter: „Biederfrau als Brandstifter? Wie rassistisch und völkisch denken @Alice_Weidel und Teile der AfD wirklich?“

Zur Information: Die E-Mail können Sie in der aktuellen Ausgabe der „Welt am Sonntag“ (10. September) oder online nachlesen – allerdings benötigen Sie ein „Weltplus“-Konto. 

Lesen Sie auch folgende Berichte:

sah

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