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Gauweiler (links) und Ude (rechts) mit Moderator Jörg van Hooven.  

Neues Buch erschienen

Gauweiler und Ude: Lieber Brief- als Parteifreunde

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München - Der Austausch von Christian Ude und Peter Gauweiler erscheint in Buchform – es ist schon der fünfte Band. Der wurde jetzt vorgestellt.

Angefangen hat alles vor einer gefühlten Ewigkeit im zerstörten, aber auch sehr spannenden Nachkriegs-München. Der eine Lausbub ging aufs Giselagymnasium, der andere aufs Ludwigsgymnasium. Man kannte sich, man schätzte sich. Trotz aller Differenzen: Denn der eine war ein Roter, der andere ein Schwarzer. Die beiden hatten auch einiges gemeinsam: den großstädtischen Hintergrund, das politische Feuer, später noch die Berufswahl des Juristen. Doch dann wollte der eine Oberbürgermeister werden – und der andere auch. Das war natürlich schlecht.

Pärchen wie Christian Ude und Peter Gauweiler gibt es selten. Erbitterte Rivalen waren sie, Freunde sind sie irgendwie auch. Zumindest Brieffreunde, die sich in den vergangenen sechs Jahren jeden Donnerstag im Politikteil des Münchner Merkur  schrieben. Mal ernst, mal ironisch, aber immer auf der Höhe der politischen Debatte. Der Keyser-Verlag veröffentlichte die trotz allem erstaunlich zeitlosen Briefe stets zusätzlich noch in Buchform. Am Mittwoch stellte Verleger Detlef W. Prinz den fünften Band des Briefwechsels im „Bayerischen Hof“ vor. Nach den Erfahrungen aus dem Verkauf kann er den beiden vermelden: „Sie haben auch eine große Fangemeinde, die außerhalb Münchens liegt.“ Tatsächlich wird auch im politischen Berlin genau registriert, was die beiden in einer bayerischen Regionalzeitung zu Papier bringen.

Es gehöre leider zum Schicksal bedeutsamer Männerfreundschaften, dass sie nur paarweise wahrgenommen würden, scherzt Heribert Prantl, Stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung in seiner launigen Laudatio. „Denkt man an Laurel, denkt man auch an Hardy.“ Prantl fallen noch weitere Beispiele ein. Goethe und Schiller. Asterix und Obelix. Jetzt also Gauweiler und Ude. „Kleine, oft feine Zeitzeugnisse“ hätten die beiden da geschaffen. „Manchmal spürt man frotzelnden Übermut, manchmal auch Melancholie.“ Klug und gut sei das. „Die Brieffreundschaft ist offenbar gesünder als die Parteienfreundschaft“, sagt Prantl.

Es hat sich ein illustrer Kreis eingefunden, um das neue Buch zu feiern. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ist gekommen. Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld, Schauspieler Francis Fulton-Smith, der unlängst Franz Josef Strauß spielte. Die Journalistin Franziska Augstein, Chefredakteur Jörg van Hooven von München TV.

Van Hooven moderiert auch das Gespräch der beiden Autoren. Seiner These, man habe sich zuletzt ziemlich angenähert, widersprechen die beiden ein wenig halbherzig. „Antipödchen“ seien sie noch, scherzt Peter Gauweiler. Die großen Streitpunkte – beispielsweise bei Europa- oder Ausländerpolitik – lassen die beiden an diesem Vormittag außen vor. Man kann sie ja nachlesen. Stattdessen gibt es launige Anekdoten. Gauweiler beispielsweise verrät, dass der Luise-Kiesselbach-Platz seine Lieblingsbaustelle sei. Seit Jahrzehnten warte er auf die Vollendung. „Ich halte noch so lange durch, bis ich da durchfahren kann“, witzelt der 65-Jährige. Gute Nachricht für ihn: Im zweiten Halbjahr 2015 dürfte zumindest der Haupttunnel für den Verkehr freigegeben werden.

Ja, aus den beiden Gymnasiasten sind gesetzte Herren geworden. Ein Alt-Oberbürgermeister, der seine neue „Freiheit und Freizeit“ preist. Und ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, der nebenbei ein streitbarer Bundestagsabgeordneter ist. Von Ruhestand keine Spur! Zu sagen haben sie auch künftig einiges – wenn auch vorerst nicht mehr im Briefwechsel. Die Serie in unserer Zeitung endet mit der Donnerstags-Ausgabe. Gauweiler und Ude werden sich aber weiter freundschaftlich duellieren – so wie das letzte halbe Jahrhundert auch.

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