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Ein Panzer steht nahe des Gazastreifens auf israelischem Boden.

Weitere 16.000 Reservisten mobilisiert

Gaza-Konflikt: USA liefern Israel neue Munition

Tel Aviv/Gaza - Die USA haben Israel am Mittwoch mit Munition im Wert von umgerechnet rund 750 Millionen Euro versorgt. Die israelischen Streitkräfte mobilisierten unterdessen weitere 16.000 Reservisten.

Nur wenige Stunden nach dem tödlichen israelischen Beschuss einer UN-Schule Gaza haben die USA Israel mit neuer Munition versorgt. Die US-Regierung entsprach damit am Mittwoch einer israelischen Anfrage vom 20. Juli, wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe die Lieferung drei Tage später genehmigt. Pentagonsprecher John Kirby sagte, es habe sich um eine "rein ministerielle Entscheidung" gehandelt, eine Billigung des Weißen Hauses sei nicht nötig gewesen.

Neuer Luftangriff auf UN-Schule im Gazastreifen - 15 Verletzte

Die USA stünden für die Sicherheit Israels ein, sagte Kirby. Es sei für die nationalen Interessen der USA "entscheidend", Israel dabei zu helfen, seine Fähigkeit zu einer "starken und reaktiven Selbstverteidigung" zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Der Waffenverkauf stehe mit diesen Zielen im Einklang. Ein Teil der Munition im Wert von umgerechnet rund 750 Millionen Euro stammt aus einem Zwischenlager der US-Armee auf israelischem Boden, sie steht den israelischen Streitkräften im Notfall zur Verfügung.

Am Donnerstag kam es erneut zu einem Angriff auf das Flüchtlingslager Dschabalija im Norden des Gazastreifens. Dabei wurden mindestens 15 Palästinenser verletzt, die in einer Schule der Vereinten Nationen Zuflucht suchten. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte griff die israelische Armee aus der Luft eine Moschee in der Nähe der Schule an. Bei der Attacke hätten Trümmer die Schule getroffen. Zwei Menschen trugen demnach schwere Verletzungen davon.

Israelische Armee mobilisiert weitere 16.000 Reservisten

Zwei Wochen nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen hat die israelische Armee 16.000 weitere Reservisten mobilisiert. Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstag, sie sollten zur Entlastung der kämpfenden Truppen eingesetzt werden. Die Zahl der einberufenen Reservisten belaufe sich damit insgesamt auf 86.000. Das israelische Sicherheitskabinett habe die Armee am Mittwoch angewiesen, den Militäreinsatz im Gazastreifen noch auszuweiten. Am Donnerstag wollte die israelische Regierung bei einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen beraten.

Angesichts der steigenden Totenzahlen und der verheerenden Zerstörungen im Gazastreifen hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Palästinensergebiet am Mittwoch zum „humanitären Katastrophengebiet“ erklärt. Er forderte die Vereinten Nationen dazu auf, alles zu unternehmen, um den Menschen in der Küsten-Enklave am Mittelmeer zu helfen.

Der langjährige Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks (UNWRA), Chris Gunness, brach angesichts der schlimmen Zustände bei einem Live-Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira in Tränen aus. „Die Rechte der Palästinenser, sogar ihrer Kinder, werden völlig verwehrt, und es ist entsetzlich“, sagte Gunness und begann verzweifelt zu schluchzen. Das Interview musste daraufhin abgebrochen werden.

Rund 3300 obdachlose Palästinenser hatten in Schule Zuflucht gesucht

Bei dem Beschuss der UN-Schule im Flüchtlingslager Dschabalija waren am Mittwochmorgen zwei Klassenräume von Panzergranaten verwüstet worden, wie das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) mitteilte. Etwa 3300 obdachlose Palästinenser hatten dort Zuflucht gesucht. 16 Menschen starben. Der israelische Angriff wurde international scharf kritisiert.

Seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli stieg die Zahl der Toten durch die israelischen Angriffe nach Angaben der palästinensischen Rettungskräfte auf mehr als 1350, die der Verletzten auf mehr als 7300. Bei den Opfern handelt es sich zum größten Teil um Zivilisten, darunter sehr viele Kinder. Auf israelischer Seite wurden 56 Soldaten und drei Zivilisten getötet.

dpa/AFP

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