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Markus Söder und Ilse Aigner im Jahr 2013.

CSU-interne Machtkämpfe

„Geben katastrophales Bild ab“: Kann Aigner Söder Paroli bieten?

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„Das Bild, das wir abliefern, ist katastrophal“: Schonungslos ging Partei-Vize Ilse Aigner (52) am Wochenende mit den Protagonisten der CSU-internen Machtkämpfe ins Gericht. Kann sie Söder Paroli bieten?

„Die Menschen bekommen das Gefühl, uns interessierten nur unsere Politikerkarrieren“, sagte sie der Welt am Sonntag. Indirekt meldet Horst Seehofers einstige Kronprinzessin mit ihrer Kritik aber auch eigene Ansprüche an.

Ist das Ende Horst Seehofer als Parteichef und Ministerpräsident schon besiegelt?

Sicher ist gar nichts, und der 68-Jährige lässt sich nach wie vor nicht in die Karten schauen. Fakt ist aber, dass er seit dem Fiasko bei der Bundestagswahl täglich mehr unter Druck gerät. Jetzt würde die CSU bei Wahlen gar nur noch 37 Prozent einfahren. Laut der jüngsten Umfrage (Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL) finden 72 Prozent, dass Seehofer seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender aufgeben sollte. Bei den CSU-Anhängern sind es 61 Prozent. Als sicher darf gelten, dass Seehofer den von ihm verhassten Markus Söder verhindern will. Eben den wünschen sich aber laut der selben Umfrage 47 Prozent der CSU-Anhänger.

Ist Ilse Aigner immer noch Seehofers Wunderwaffe?

Möglicherweise hat Seehofer seiner Stellvertreterin einen Wink gegeben, die Revoluzzer in der Partei einzubremsen und den ungeduldigen Söder zur Räson zu bringen. Die Wirtschaftsministerin , die 2013 von Seehofer von Berlin zurück nach München beordert wurde, führt schon seit 2011 den mächtigen Bezirksverband Oberbayern. Wie viel Unterstützung sich Söder – den Aigner mit Sicherheit meint, wenn sie die „Lautsprecherei“ moniert – als eifriger Netzwerker auch dort verschafft hat, ist nicht ganz klar.

Wie könnte Seehofer Aigner nach vorne schieben?

Sie wird oft als eine mögliche Kandidatin für den Parteivorsitz genannt, den der Parteitag Mitte Dezember wählt. Dazu gehören aber auch andere, wie Alexander Dobrindt, Joachim Herrmann und Manfred Weber. Gegen sie alle würde Söder wahrscheinlich antreten und womöglich auch gewinnen. Insofern wäre es aus Sicht Seehofers sicherer, er würde selbst noch einmal seinen zerbeulten Hut in den Ring werfen – und darauf hoffen, dass Söder eine Kampfkandidatur gegen ihn nicht wagt. Danach könnte Seehofer seine eigene neuerliche Spitzenkandidatur für die Landtagswahl zurücknehmen und Aigner vorschlagen. Oder eben einen der anderen Recken.

Wie stünde Söder zu einer Ämterteilung?

Der Finanzminister soll neuer­dings bereit sein, auf den Parteivorsitz zu verzichten, wenn er Ministerpräsident werden kann. Die Frage ist, wer gerne neben einem Ministerpräsidenten Söder CSU-Chef sein wollte. Seehofers Verhältnis zu Söder ist bekanntlich zerrüttet. Ginge er als Minister nach Berlin, müsste er sich auf ständige Kritik aus der Staatskanzlei einstellen. Sowohl Dobrindt als auch Weber verstehen sich ebenfalls nicht gut mit Söder. Und ein Parteichef Herrmann aus Franken ist gefährlich für die Aufstiegschancen des Franken Söder.

Wie empfiehlt sich Ilse Aigner für höhere Weihen?

Durch den Vorschlag einer Politik der Mitte. Die 52-Jährige warnt ihre Parteifreunde davor, die CSU als Folge der Schlappe bei der Bundestagswahl auf einen Rechtskurs einzuschwören. „Wir haben mitnichten nur an die AfD Stimmen verloren, sondern auch an Grüne und FDP. Diese Stimmen aus dem bürgerlichen Lager sind endgültig verloren, wenn wir jetzt nur noch auf Lautsprecherei setzen und ausschließlich zum rechten Rand schielen.“

Wann kommt die CSU einer Entscheidung näher?

Nach dem Ende der Sondierungsverhandlungen in Berlin nächsten Donnerstag wird es spannend. Am Samstag tagen nacheinander die Landtagsfraktion und der Parteivorstand. In Sondersitzungen wird bewertet, was Horst Seehofer bei den Jamaika-Verhandlungen für die Partei rausgeholt hat. Sollte die Bilanz schlecht ausfallen, ist sein Möchtegern-Nachfolger Söder fein raus. Ihn wollte Seehofer bei den Gesprächen in Berlin ja nicht dabeihaben. Kurz nach diesen Terminen will Horst Seehofer einen Personalvorschlag machen, wie die CSU in den Landtagswahlkampf nächstes Jahr ziehen soll. 

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