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In Marokko stellten die Menschen die Szene des toten Jungens am Strand nach.

Dreijähriger bei der Flucht ertrunken

Gedenken an toten Ailan im Gazastreifen und Marokko

Rabat - Im Gazastreifen und in Marokko haben Künstler am Montag an den dreijährigen syrischen Flüchtling Ailan erinnert, der an einem türkischen Strand tot aufgefunden wurde.

Im Gazastreifen wurde Ailan als Sandskulptur nachgebildet. Am Strand der marokkanischen Hauptstadt Rabat stellten zahlreiche Menschen selbst die Szene nach, die als Foto um die Welt ging: Sie legten sich wie der tote Ailan in den Sand.

Ebenso wie der echte Ailan, der am 2. September am Strand der türkischen Küstenstadt Bodrum gefunden wurde, trug auch die mehrere Meter lange Sandskulptur in Gaza blaue Bermuda-Shorts und ein rotes T-Shirt. Ailan war am vergangenen Mittwoch neben seiner Mutter Rihana, seinem vierjährigen Bruder Galip und neun weiteren Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen, als ihr Schlauchboot kenterte.

Bei den Palästinensern im Gazastreifen rief die Sandskulptur Erinnerungen an den Gazakrieg im Sommer 2014 hervor. Die Passantin Arwa Arbidschan sprach von einer "großen Trauer", die sie überkommen habe. "Das erinnert mich an die Kinder der Familie Bakr, die am Strand von Gaza getötet wurden", sagte Arbidschan. Unweit der Stelle, an der die Skulptur von Ailan geschaffen wurde, waren im Sommer 2014 vier Kinder durch eine israelische Rakete getötet worden, als sie dort Fußball spielten.

An der Gedenkveranstaltung am Strand von Rabat nahmen etwa 30 Menschen teil. Vor Badenden und Spaziergängern stellten sie die Szene nach, wie der leblose Ailan am Strand gefunden wurde. Ebenso wie der kleine Junge trugen sie ein rotes T-Shirt und eine blaue Hose und legten sich auf dem Bauch in den Sand. Das Foto des kleinen Leichnams am Rande des Mittelmeers hatte weltweit tiefe Bestürzung ausgelöst und wurde zum Symbol für das Schicksal vieler Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa fliehen wollen.

Eine der Organisatoren der Aktion in Rabat war die marokkanische Schauspielerin Latifa Ahrar. "Als Künstlerin ist es meine Pflicht zu reagieren und hier mit meinen Kollegen herzukommen, um zu sagen, dass eine kleine Geste viel bewirken kann", sagte sie. Der Journalist Rachid el-Belghiti sagte: "Wir sind hier um zu sagen, dass das Mittelmeer ein Ort des Teilens und des Austauschs bleiben soll, nicht eine Barriere für die Opfer von Diktaturen, Bürgerkriegen und Terrorismus."

AFP

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