Vorfall im südchinesischen Meer

"Gefährliches Manöver": China fängt US-Flugzeug ab

Washington - Der Streit um Gebietsansprüche im Südchinesische Meer spitzt sich erneut zu: Zwei chinesische Flugzeuge sollen ein US-Flugzeug bedrängt haben. Peking stellt den Vorfall anders dar.

Der Zwischenfall habe sich in internationalem Luftraum ereignet, teilte am Mittwoch ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums mit. Die US-Maschine sei am Dienstag auf einem "routinemäßigen Aufklärungsflug" gewesen, als sich die chinesischen Armeeflieger auf bis zu 15 Metern genähert hätten.

Aus einem Statement des Verteidigungsministeriums in Washington, ging am Mittwoch (Ortszeit) nicht hervor, wie der Zwischenfall am 17. Mai genau ablief. "Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich um einen gefährlichen Zwischenfall", sagte Pentagon-Sprecher Jamie Davis. Das US-Verteidigungsministerium habe "die angemessenen diplomatischen und militärischen Kanäle" genutzt, um auf den Vorfall zu reagieren.

China richtet eine deutliche Warnung an Washington

China wies diese Darstellung des Vorfalls, der sich bereits am Dienstag ereignete, als falsch zurück. Das Außenministerium in Peking bestätigte am Donnerstag zwar, dass zwei chinesische Flugzeuge der US-Maschine gefolgt seien und diese beobachtet hätten. Dabei sei aber stets ein „sicherer Abstand“ eingehalten worden.

Gleichzeitig forderte Peking Washington dazu auf, seine „Überwachungsaktivitäten sofort zu stoppen, um zu vermeiden, dass solche Dinge wieder passieren“. Überwachungsflüge der USA seien zu einer ernsthaften Bedrohung für „Chinas Seeterritorium“ geworden.

2001 war ein chinesischen Abfangjäger mit einem US-Spionageflugzeug des Typs EP-3 kollidiert, wobei der chinesische Pilot ums Leben kam. Die US-Maschine musste auf der Insel Hainan notlanden. Der Vorfall belastete das diplomatische Verhältnis beider Staaten schwer.

Darum geht es bei dem Zoff

Bestätigen sich die Berichte, würde Peking damit die Eskalationsschraube in der Region weiter anziehen. Im Südchinesischen Meer streitet sich China mit den Philippinen, Brunei, Malaysia, Vietnam und Taiwan um die rohstoffreichen Gewässer, durch die strategisch wichtige Schifffahrtsstraßen gehen. Peking ließ unter anderem künstliche Inseln in der Region aufschütten und Flugplätze anlegen, um über diese Außenposten seine Ansprüche zu untermauern.

Washington weist Chinas Ansprüche auf die Gewässer um die künstlichen Inseln zurück. Es wirft der Volksrepublik vor, mit der Aufschüttung die freie Schifffahrt in der Region zu bedrohen, durch die ein Drittel der weltweiten Erdöltransporte verläuft. China wiederum sieht eine Provokation in der erhöhten militärische Präsenz der USA in der Region. Tatsächlich hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder US-Kriegsschiffe und Flugzeuge demonstrativ den künstlichen Inseln der Chinesen angenähert.

Zu den Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer wollen auch die sieben großen Industrienationen (G7) kommende Woche in Japan eine gemeinsame Erklärung abgeben, was von Peking scharf kritisiert wird.

Schon im April hatten die G7 zu einer „friedlichen“ Lösung aufgerufen. Ohne China namentlich zu erwähnen, lehnten sie „einschüchterende, zwangsweise oder provokative einseitige Maßnahmen“ ab, die den Status quo verändern und Spannungen erhöhen könnten.

AFP/dpa

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