Katrin Albsteiger,geborene Poleschner, führt die JU Bayern seit 2011

JU-Chefin Albsteiger und die CSU

Die Geheimwaffe wird sicher verwahrt

München – Vor ein paar Wochen wirkte es, als sei alles gut. Katrin Albsteiger stand mit strahlendem Lächeln auf einer Bühne nahe des Kanzleramts, in den Händen einen Preis als „Aufsteigerin des Jahres“.

Laudator Edmund Stoiber pries die junge Frau als „außergewöhnlich mutig“, ja als „Geheimwaffe der CSU“.

Die CSU jedoch scheint ihr Waffenarsenal nicht gut zu pflegen. Abseits der warmen Worte erlebt die Landesvorsitzende der Jungen Union eine Serie von Tiefschlägen. In Garmisch droht ihr noch im Dezember ein Bußgeld-Bescheid wegen der unangemeldeten Demo beim Wowereit-Besuch („Betteln und Hausieren verboten“). Noch ärger ist das Ungemach in ihrer Heimat Schwaben. Die 28-Jährige bewirbt sich dort um ein Landtagsmandat. Der Stimmkreis um Neu-Ulm wird zwar frei, Albsteiger überließ ihn aber kampflos der Justizministerin Beate Merk. Kalkül: Dann bitte einen Platz ganz vorn auf der schwäbischen Liste, der bei einem hohen CSU-Ergebnis auch so für den Landtags-Einzug reicht.

Doch auch danach sieht es nicht aus. Es rumpelt kräftig. Viele Schwaben haben hohe Ämter in München – neben Merk sind das Thomas Kreuzer, Franz Pschierer, Georg Schmid, Georg Winter, dazu in Brüssel Markus Ferber. Eingedenk des Proporzdenkens der CSU ist deren Interesse an einer jungen, bundesweit aktiven Konkurrentin sehr gering, noch dazu eine, die schon von Spiegel, Welt und Talkshows als großes Polit-Talent gefeiert wurde. „Hinten anstellen“, raunzt einer aus der Runde. Listenplatz 1? Nichts da. 2? 3? 4? Weg. Aktuell wird in den Hinterzimmern Rang 5 oder 7 erwogen, vielleicht sogar noch hinter dem JU-Bezirksvorsitzenden, der sie ebenfalls nicht mag. Da wäre die Geheimwaffe bombensicher verräumt. „Ihr hilft keiner“, sagt ein Vertrauter enttäuscht.

Parteichef Horst Seehofer hatte im Herbst Platz 1 für die junge Frau angeregt, kann den Schwaben aber ihre Reihung nicht diktieren. Will er wohl auch nicht mehr, denn inzwischen ist ihr Verhältnis belastet. Beim Wirbel um die Studienbeiträge taktierte die JU-Chefin schlecht. Unter Druck ihres Verbandes verlangte sie im Parteivorstand eine Mitgliederbefragung. Mit einer Stimme, ihrer eigenen, ging sie in der Abstimmung unter. Seehofer soll sie in der Sitzung scharf angegangen sein. „Persönlich enttäuscht“ sei er von ihr. In seiner Rumms-Rede am Montag vor der Presse legte er nach und warf ihr vor, gegen ihn zu arbeiten.

Vorgänger Stefan Müller, der wie alle JU-Chefs seit den 70ern weiter Karriere macht, tröstet: „Ziel jedes JU-Landesvorsitzenden muss sein, dass sich der Parteivorsitzende einmal kräftig über ihn ärgert.“ Er appelliert an die CSU, Albsteiger die Chance auf ein Mandat zu geben. Ohne Wahlkreisbüro und Mitarbeiter ist der Einsatz als Chefin der 30 000 JU-Mitglieder zwischen Hof und Lindau kaum zu stemmen.

Schon jetzt gibt es intern Murren, von Albsteiger komme inhaltlich viel zu wenig, kaum mehr als Worthülsen über Generationengerechtigkeit, sie sei nicht frech genug. In einem Jahr wählt die JU neu. Sollte Albsteiger dann kein Mandat haben, werde es schwierig für sie, heißt es im Vorstand. Auch andere, etwa der Oberbayer Tobias Zech, der wohl für den Bundestag kandidiert, gelten als ehrgeizig. Ihn übrigens lobte Seehofer neulich sehr ausgiebig.

Christian Deutschländer

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