+
„Prozess gewonnen“: Spitzenkandidat Serdar Somuncu (li.) und Parteichef Martin Sonneborn haben Grund zur Freude

Insolvenz abgewendet

Geld verkauft: „Die Partei“ muss dem Bundestag nichts zurückzahlen

Die Satirepartei Die Partei hat Recht - und nicht die Bundestagsverwaltung. Das hat am Donnerstag ein Gericht entschieden.

Berlin - Der Satirepartei Die Partei droht vorerst keine Zahlungsunfähigkeit: Die Partei muss der Bundestagsverwaltung weder Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung zurückzahlen noch die geforderte Strafzahlung leisten, wie das Verwaltungsgericht Berlin am Donnerstag entschied. Das Gericht gab damit einer Klage der Partei statt. (VG 2 K 413.16)

Der Vorsitzende Martin Sonneborn hatte zuvor erklärt, im Fall von Strafzahlungen drohe der Partei die Zahlungsunfähigkeit. Die Bundestagsverwaltung hatte von der Satirepartei die Rückzahlung von 70.000 Euro sowie rund 380.000 Strafgeld gefordert und dies mit unrichtigen Angaben im Rechenschaftsbericht der Partei von 2014 begründet.

Das Angebot: Ein 50-Euro-Schein und zwei Postkarten für 55 Euro

Darin machte diese Einnahmen geltend, die sie aus dem Verkauf von Geld erzielte. Mit den Einnahmen einer Partei steigen zugleich deren Ansprüche auf Zuwendungen aus der Parteienfinanzierung. Die Satirepartei hatte Interessierten 2014 angeboten, gegen Überweisung von 25, 55 oder 105 Euro einen 20-, 50- oder 100-Euroschein sowie zwei Postkarten mit Motiven der Partei Die Partei zu erhalten.

Nach Auffassung der Bundestagsverwaltung hätte die Partei einen Betrag von knapp 192.000 Euro laut Parteiengesetz nicht unter "Einnahmen aus Unternehmenstätigkeit und Beteiligungen" verbuchen dürfen, weil er auf dem bloßen Austausch von Geld beruhe.

Es handle sich „sehr wohl um Einnahmen“

Das verneinten die Verwaltungsrichter. Nach den damals geltenden Vorschriften des Parteiengesetzes handle es sich bei den der Partei zugeflossenen Beträgen sehr wohl um Einnahmen. Darunter sei jede von der Partei erlangte Geld- oder geldwerte Leistung zu verstehen.

Partei-Parteichef Martin Sonneborn verkündete auf Twitter knapp: "Prozess gewonnen." Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls ließ die Kammer die Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg und die Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht zu.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Thüringen-Krise: Böser Verdacht gegen die CDU-Fraktion - ist DAS in Wirklichkeit ihr Plan?
Hin und her in Thüringen: Nach zähem Ringen vereinbaren Linke, SPD, Grüne und CDU einen historischen Kompromiss. Doch nun funkt die Bundes-CDU erneut dazwischen.
Thüringen-Krise: Böser Verdacht gegen die CDU-Fraktion - ist DAS in Wirklichkeit ihr Plan?
Hamburg-Wahl 2020: Hohe Wahlbeteiligung - CDU und FDP droht bitterer Tag - Live-Ticker
Bei der Bürgerschaftswahl 2020 in Hamburg geht es darum, wer die künftige Regierung in der Hansestadt anführt. Alle Infos vomWahltag hier im Live-Ticker.
Hamburg-Wahl 2020: Hohe Wahlbeteiligung - CDU und FDP droht bitterer Tag - Live-Ticker
Keine rasche Einigung auf Teamlösung für CDU-Spitze in Sicht
Zerreißt es die CDU bei der Suche nach einem Nachfolger von Parteichefin Kramp-Karrenbauer? Eine Lösung ist kompliziert - auch, weil damit eine Richtungsentscheidung …
Keine rasche Einigung auf Teamlösung für CDU-Spitze in Sicht
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: Das ist der Favorit bei der Hamburg-Wahl 2020
Hamburg steht kurz vor der Bürgerschaftswahl. Der Arzt und Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) hat seit 2018 sein Amt inne - und er will es behalten. 
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: Das ist der Favorit bei der Hamburg-Wahl 2020

Kommentare