„Nichts Besseres zu tun?“

CDU-Politiker will Gender-Sprache verbieten - und muss dafür enorm einstecken

  • Patrick Mayer
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Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß fordert ein Gender-Verbot in Behördentexten - und zieht damit einen Shitstorm bei Twitter auf sich.

München/Hamburg - Mitarbeiter*innen. Schüler-innen. Student:innen. In Deutschland hält immer mehr eine Gender-Sprache Einzug. Für viele Beobachter ist das ein Fortschritt. Die Zahl der Befürworter ist groß.

Doch jetzt gibt es Kritik aus den Reihen der CDU. Konkret: Der Hamburger Landeschef der Partei, Christoph Ploß, fordert ein Verbot von geschlechtergerechter Sprache in Behördentexten. Was reichlich Shitstorm bei Social Media nach sich zieht.

Gender-Verbot in Deutschland? CDU-Politiker Christoph Ploß fordert Regel per Gesetz

„Ich setze mich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und für eine Sprache, die zusammenführt. Daher wehre ich mich dagegen, dass von Behörden, Ministerien, Schulen und Universitäten, also staatlichen Einrichtungen, eine grammatisch falsche, künstliche und ideologisch motivierte Gender-Sprache verwendet wird, die ständig das Trennende betont“, sagte Ploß im Interview dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ (hinter einer Bezahlschranke).

Sprache sei für die „Kultur und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft von enormer Bedeutung“, erklärte der Politiker: „Daher sollte dieser Punkt Eingang in das gemeinsame Regierungsprogramm von CDU und CSU finden.“

Er wundere sich, dass überhaupt darüber diskutiert werden müsse, „ob in staatlichen Einrichtungen die deutsche Grammatik und die amtliche deutsche Rechtschreibung gelten sollen“, meinte der 35-jährige Hanseate weiter: „Zu Hause am Abendbrottisch sollte selbstverständlich jeder, der das möchte, nach Herzenslust gendern können. Aber von Beamten, Lehrkräften und Dozenten erwarte ich, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht einfach willkürlich verändern. Deshalb braucht es für staatliche Stellen ein Gesetz, wie es ja etwa auch in Frankreich diskutiert wird.“

Gender-Verbot in Deutschland? Reichlich Kritik an Idee von CDU-Politiker Christoph Ploß

Doch, was findet Ploß falsch am Gendern? „Diese Sprache ist nicht nur grammatisch falsch. Sie weist auch einen völlig falschen Weg. Sie steht nämlich für den Trend, dass in unserer Gesellschaft Menschen immer stärker in Kollektive eingeordnet werden. Es geht immer häufiger nur noch um die Hautfarbe, um die sexuelle Orientierung - oder wie in diesem Fall ums Geschlecht“, sagte er: „Ich halte das für eine gefährliche Entwicklung, die unsere Gesellschaft immer weiter spaltet.“

Entsprechende Reaktionen auf seine These ließen nicht lange auf sich warten. Bei Social Media brach eine eifrige Diskussion los, ein regelrechter Shitstorm gegen Ploß‘ Ansatz. „Hat die CDU nichts besseres zu tun als sich ständig mit #Genderverbot zu beschäftigen? Es gibt doch so viel drängendere Probleme“, schrieb zum Beispiel Gülten Gizem Fesli bei Twitter, die stellvertretende Vorsitzende der Linken in Nürnberg. Und. Auch innerparteilich ist offenbar nicht jede(r) einverstanden.

Gender-Verbot in Deutschland? CDU-Politiker Christoph Ploß und Friedrich Merz sprechen sich dafür aus

„Wie gut, dass wir scheinbar keine größeren Probleme mehr haben als eine Debatte über die #Gendersprache und das #Gendern sowie mögliches #Genderverbot zu diskutieren“, schrieb Benjamin D. Thomas bei Twitter, laut seinem Account Mitglied der CDU-Fraktion in Essen: „Das Thema interessiert am Ende die wenigsten. Viele haben wichtigere Probleme!“

Ploß ist in der Union mit seiner Idee eines Verbotes von Gender-Sprache aber offenbar nicht alleine. Auch der ehemalige Fraktionschef Friedrich Merz brachte ein solches ins Spiel. Im Interview mit dem „Spiegel“ sagte der CDU-Spitzenpolitiker kürzlich, dass er einen wachsenden Zwang zum Gebrauch von geschlechtergerechter Sprache für „rechtlich angreifbar“ halte. (pm)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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