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Ehemalige ZDF-Moderatorin Gerster über Gender-Wut: „Es ist tatsächlich der alte weiße Mann“

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Von: Franziska Schwarz

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Journalistin Petra Gerster auf der Frankfurter Buchmesse 2021.
Journalistin Petra Gerster sprach auf der Frankfurter Buchmesse auch übers Gendern. © STAR-MEDIA/Imago

Die Minipausen nach Berufsbezeichnungen, mit denen sie moderierte, waren einigen zu viel: Die Journalistin Petra Gerster hat über Erfahrungen mit Männern in ihrer Alterskohorte gesprochen.

Frankfurt - Wer aktuell eine vormals friedliche Tischgesellschaft sprengen will, werfe eines der folgenden Themen in die Runde: Klimaschutz, neue Mobilität – oder Gendern. Streit ist garantiert. Dabei ist eine Sprache, die Männer und Frauen gleichermaßen sichtbar macht, für viele Deutsche noch das geringste Problem von den dreien.

Interessant ist deshalb ein aktuelles Gespräch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit der Fernsehjournalistin Petra Gerster. Sie genderte während ZDF-Moderationen mit hörbarer Sprechpause. Und erhielt deshalb „bitterböse“ Briefe. Von wem? „Es waren 90 Prozent Männer, und davon, würde ich sagen, waren rund 90 Prozent über 65 Jahre“, zitierte die KNA die 66-Jährige, die früher das „heute“-Journal (ZDF) moderierte.

Hassbriefe wegen Gendern: „Es ist tatsächlich der alte weiße Mann“

„Es ist tatsächlich der alte weiße Mann, der um den letzten Rest seiner Privilegien fürchtet und seine Felle davonschwimmen sieht“, fuhr Gerster im KNA-Gespräch fort. Dabei profitierten auch Männer von geschlechtergerechtem Schreiben und Sprechen, ist sie überzeugt, denn es mache die Gesellschaft „offener und bunter“.

Das Gespräch mit Gerster fand auf der gerade laufenden Frankfurter Buchmesser statt. Auch in Verlagen wird über geschlechtergerechte Sprache diskutiert. Schriftstellerin und Kritikerin Elke Heidenreich (deren kürzlicher Auftritt bei „Lanz“ für Aufsehen sorgte) hatte im Sommer die Debatte befeuert: „Das ist alles ein verlogener Scheißdreck“, sagte sie in einem Podcast Ende Mai. Sie könne es nicht leiden, „die Sprache so zu verhunzen“. Dieses „feministische Getue“ sei doch „hysterisch“.

Aktuelle Umfrage zum Gendern: „Es gab viele verbale Entgleisungen“

Einer aktuellen Gendern-Befragung zufolge lehnt die Mehrheit der Deutschen das Gendern ab. In der repräsentativen Umfrage wurden bundesweit 2398 Personen befragt. 65 Prozent fanden „die aktuelle Genderdebatte nicht gut geführt“. Mehr als drei Viertel aller über 40-Jährigen würden „eine offizielle Gender-Vorgabe falsch finden“ - bei Jüngeren stimmten dieser Aussage immer noch etwa die Hälfte der Befragten zu.

Die Gruppe mit den meisten Gender-Befürworterinnen sei weiblich, lebe in Westdeutschland mit einem Hochschulabschluss und sei in einer Altersspanne von 30 bis 45 Jahren zu verorten, berichtet Studienleiter Rüdiger Maas. „Während unserer Befragung haben wir viele Anfeindungen bekommen. Es gab viele verbale Entgleisungen in den Kommentarfeldern.“ (frs mit Material der dpa)

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