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In Berlin gilt Andreas Scheuer (43) schon länger als möglicher Minister-Kandidat.

Trotz Seehofers Jobgarantie

Die General-Frage: Muss Scheuer den Posten wechseln?

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CSU-Chef Horst Seehofer gibt Andreas Scheuer eine Jobgarantie. Diese könnte aber nur bis zu einer Regierungsbildung Gültigkeit haben.

München – Generalsekretäre müssen zuspitzen, sie beherrschen aber auch die Kunst der Überraschung. Mitten in den Jamaika-Verhandlungen beispielsweise schlug Andreas Scheuer, eigentlich als CSU-Polterer bekannt, auf einmal staatsmännische Töne an. „Natürlich streitet man auch mal, und haut sich auch mal ein paar Sprüche um die Ohren“, sagte der Niederbayer ungewöhnlich versöhnlich. Aber es werde konzentriert gearbeitet, alles verlaufe ganz sachlich. Fast klang es so, als übe da einer für den Grundkurs Diplomatie an der Volkshochschule Straubing. Vielleicht aber lieferte Scheuer auch nur einen Vorgeschmack darauf, wie sich die Rolle eines CSU-Generals bald verändern könnte. Es gerät ja derzeit vieles ins Rutschen bei den Christsozialen.

Der Parteitag in Nürnberg dient vor allem der Inszenierung einer neuen, innigen Arbeitsbeziehung von Horst Seehofer und Markus Söder. Scheuer wird dabei etwas im Schatten stehen, auch weil er bei den Vorstandswahlen am Samstag nicht antreten muss. In der CSU darf der Parteichef seinen Generalsekretär frei berufen – und genau das könnte in absehbarer Zeit einen Wechsel herbeiführen.

Scheuers Wahlbilanz höchstens mittelerfolgreich

In Berlin gilt Scheuer (43) schon länger als möglicher Minister-Kandidat. „Ein erfolgreicher Generalsekretär ist immer ein Kandidat fürs Kabinett“, antwortet Seehofer auf entsprechende Fragen seit Monaten. Scheuers Wahlbilanz ist mit 40,5 Prozent (Europa) und 38,8 Prozent (Bundestag) zwar höchstens mittelerfolgreich, in der Partei wird beides allerdings nicht an den vom General geleiteten Kampagnen festgemacht. Im Gegenteil: In der Parteizentrale, in der Scheuer einst schon als Werksstudent arbeitete, gilt der 43-Jährige als äußerst beliebter Chef. Und auch in der restlichen Partei gingen alle Debatten über die Verantwortung für die Wahlschlappen an Scheuer vorbei.

Zwar hat Seehofer ihm unlängst eine Jobgarantie als Generalsekretär ausgestellt. In der Parteispitze heißt es aber, diese habe nur bis zu einer Regierungsbildung Gültigkeit. Der Bundestagsabgeordnete Scheuer kennt sich vor allem im Verkehrsministerium bestens aus, das die CSU gerne behalten würde. Hier arbeitete er von 2009 bis 2013 als Staatssekretär. Für das Agrarministerium käme ein Passauer natürlich immer infrage. Aber vielleicht kommt es auch noch ganz anders: Denn in einer Minderheitsregierung müsste die CSU neben einem Vizekanzler gleich fünf Ministerposten besetzen. Dann wäre Scheuer ziemlich sicher dabei.

Entscheidet eine der Seehofer’schen Grundregeln?

Noch Vize-Generalsekretär:  Markus Blume.

Für einen Wechsel spricht auch eine der Seehofer’schen Grundregeln: Wenn der Parteichef in München sitzt, muss der Generalsekretär in Berlin sein. So dozierte Seehofer während des vergangenen Jahrzehnts sehr gerne. Alexander Dobrindt, Karl-Theodor zu Guttenberg und jetzt eben Scheuer – immer holte sich der Münchner Parteichef Bundestagsabgeordnete an seine Seite. Im Umkehrschluss hieße das: Wechselt der Parteichef in die Bundeshauptstadt, müsste der General seinen Schwerpunkt in München haben. Erst recht, weil er im Herbst die Landtagswahl organisieren muss und ein Bindeglied zwischen Seehofer und Söder gebraucht wird. Nur für den Fall, dass die frisch ausgebrochene Harmonie ein paar Risse bekommt.

Wer sich unter diesen Prämissen auf die Suche nach einem Nachfolger macht, landet rasch beim Vize-General Markus Blume (42). Der Münchner wird schon länger als Kandidat für den nächsten Karriereschritt gehandelt, leidet aber unter dem Problem, dass die beiden Münchner Kabinettsposten fest vergeben sind. Er hat sich aus den Streitereien zwischen Seehofer und Söder taktisch klug herausgehalten. In beiden Lagern heißt es, man schätze Blume, die Zusammenarbeit sei harmonisch.

Blume argumentiert sachlich

Blume gilt eher als Mann der bedächtigen Töne, argumentiert sachlich. Das qualifiziert nicht unbedingt für den Posten des Generalsekretärs. Doch in der neu aufgestellten CSU könnte sich dessen Jobbeschreibung ändern: In Berlin wären Seehofer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt für Zuspitzung zuständig, in München würde Markus Söder die Schlagzeilen diktieren. Der General, so heißt es in der Parteispitze, müsse vor allem nach innen wirken, ausgleichen – und den Wahlkampf organisieren. Nicht dass die Landtagswahl so endet wie die Jamaika-Verhandlungen, über die Scheuer so versöhnlich berichtete. 

Lesen Sie auch: Grünen-Geschäftsführer: „Dobrindt ist ein ziemlicher Krawallbruder“

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