+
SEK-Beamten mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen stehen in einem Fahrzeug vor einem Wohnkomplex. Der in Köln verhaftete Tunesier soll seine Vorbereitungen für einen Terroranschlag mit hochgiftigem Rizin bereits weitgehend abgeschlossen haben, als die Polizei zuschlug. Foto. David Young Foto: David Young

Ernstzunehmende Bedrohung

Generalbundesanwalt warnt vor Anschlägen mit Bio-Waffen

Ein Islamist soll einen Anschlag mit einer Biobombe geplant haben. Der Rizin-Gift-Fund von Köln hat aufgeschreckt. Sicherheitsbehörden sehen eine neue Bedrohung durch biologische Kampfstoffe.

Köln (dpa) - Nach dem Fund von hochgiftigem Rizin und der Festnahme eines Islamisten in Köln hat Generalbundesanwalt Peter Frank vor der Gefahr durch Anschläge mit biologischen Kampfstoffen gewarnt. "Wir müssen uns davon verabschieden, dass terroristische Straftaten immer nach dem gleichen Muster erfolgen."

Das sagte Frank in den ARD-"Tagesthemen" am Mittwochabend. Der verhaftete Tunesier soll einen Anschlag mit einer Biobombe geplant haben und mit den Vorbereitungen weit fortgeschritten gewesen sein.

Sicherheitsbehörden beobachten laut Generalbundesanwalt schon seit einiger Zeit, dass Anschläge auf unterschiedliche Art und Weise begangen werden könnten. Terroristen seien "insoweit sehr kreativ und versuchen, asymmetrisch alle möglichen Szenarien auszutesten". Dazu gehöre auch eine Bedrohung mit biologischen Kampfstoffen. "Darauf müssen wir uns einstellen und ich denke, dass sich die Sicherheitsbehörden darauf auch eingestellt haben."

Laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutz ist der Inlandsgeheimdienst dem 29-jährigen Sief Allah H. auch dank ausländischer Nachrichtendienste auf die Spur gekommen. Behördenleiter Burkhard Freier sagte im WDR 5-"Morgenecho", das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) habe den Tunesier nach Hinweisen aus der Bevölkerung und von anderen Behörden, auch ausländischer Nachrichtendienste, ins Visier genommen. Der Fall sei dann rechtzeitig an die Polizei abgegeben worden, die am 12. Juni mit Festnahme und Durchsuchung der Kölner Hochhauswohnung zum richtigen Zeitpunkt zugegriffen habe.

Auf die Frage nach der Rolle des amerikanischen Geheimdienstes, der wohl den zentralen Hinweis auf größere Internet-Bestellungen von Rizinussamen gab, sagte Freier: "Das Auswerten des Internets mit technischen Möglichkeiten - da sind die ausländischen Nachrichtendienste ein Stück weiter als die deutschen Nachrichtendienste." Das Durchforsten des Netzes allein reiche allerdings nicht, wesentlich seien Kenntnis-Gewinne zur Person.

Laut Bundesanwaltschaft soll Sief Allah H. biologische Waffen - das hochtoxische Biogift Rizin - hergestellt und Kontakt zu "Personen aus dem radikal-islamistischen Spektrum" gehabt haben. In seiner Wohnung waren große Mengen Rizinussamen, daraus hergestelltes Rizin-Gift und Utensilien für einen Sprengsatz sichergestellt worden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nahles kritisiert Beförderung Maaßens
Die SPD-Chefin ist in Erklärungsnot. Warum hat sie den Wechsel des Verfassungsschutzpräsidenten ins Seehofer-Ministerium abgenickt? Schützenhilfe bekommt sie …
Nahles kritisiert Beförderung Maaßens
Merkel verteidigt Maaßens Beförderung: SPD attackiert Seehofer - und Nahles
Eine Krisensitzung mit Horst Seehofer, Angela Merkel und Andrea Nahles brachte am Dienstag die Entscheidung in der Causa Maaßen. Widerstand regt sich nun in der …
Merkel verteidigt Maaßens Beförderung: SPD attackiert Seehofer - und Nahles
Tagesthemen-Kommentator rechnet nach Maaßen-Deal ab - und hat Merkel und Seehofer im Visier
Nach der umstrittenen Personalentscheidung um Hans-Georg Maaßen sieht der Kommentator in den ARD-Tagesthemen, Thomas Baumann, einen Machtverlust Angela Merkels.
Tagesthemen-Kommentator rechnet nach Maaßen-Deal ab - und hat Merkel und Seehofer im Visier
Drei TV-Chefs in Türkei verurteilt - sie gelten als Erdogan-Kritiker
Der Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vom 27. bis zum 29. September rückt immer näher - und das Land steckt in der Krise. Der News-Ticker zur …
Drei TV-Chefs in Türkei verurteilt - sie gelten als Erdogan-Kritiker

Kommentare