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Nach Wieler-Kritik wegen Genesenenstatus: FDP nimmt jetzt auch Lauterbach ins Visier

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Von: Cindy Boden

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Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, und Lothar Wieler (l.), Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz (Archivbild)
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, und Lothar Wieler (l.), Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz (Archivbild) © Wolfgang Kumm/dpa

Wegen des neuen Genesenenstatus stehen RKI-Chef Wieler und Minister Lauterbach weiter in der Kritik. Von der FDP kommen Seitenhiebe.

Berlin - Die Diskussion um den Genesenenstatus in Deutschland bricht nicht ab. „Die Entscheidung über den Genesenenstatus gehört ins Parlament. Dabei sollte unser Ziel eine einheitliche Regelung in Europa sein“, sagte nun FDP-Fraktionschef Christian Dürr der Welt. „Wenn alle europäischen Länder bei sechs Monaten bleiben, sollte Deutschland sich dem ebenfalls anschließen.“

Diese Aussagen kann man als Spitze gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) deuten. Denn die EU-Mitgliedstaaten hatten vereinbart, dass das Corona-Zertifikat für Genesene sechs Monate lang gültig sein soll. In Deutschland hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) diese Dauer jedoch auf drei Monate verkürzt. Daran gab es viel Kritik. Und: Lauterbach betonte Ende Januar sogar, er wolle sich auch auf EU-Ebene für einen Genesenenstatus von drei statt sechs Monaten einsetzen.

Corona in Deutschland: FDP stellt Forderung - „Wir müssen uns auf Lockerungen vorbereiten“

Auch bezüglich des Corona-Kurses sind von der FDP andere Töne als etwa von Lauterbach zu hören. Dürr verlangte laut Welt, beim nächsten Bund-Länder-Treffen sollten konkrete Öffnungsschritte beschlossen werden. Wie schon einmal FDP-Chef Christian Lindner betonte, gehe es etwa um eine Aufhebung der 2G-Regelung im Einzelhandel. „Außerdem gehören die Kontaktbeschränkungen für Geimpfte jetzt auf den Prüfstand. Wir müssen uns auf Lockerungen vorbereiten und dürfen der Entwicklung nicht erneut hinterherlaufen“, sagte Dürr.

Die FDP sorgte vergangene Woche für Schlagzeilen, weil sie RKI-Chef Lothar Wieler attackierte. Der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte dem Spiegel, dass sich Wieler des „Vertrauens der FDP“ nicht mehr sicher sein könne. Hintergrund der Debatte war die Verkürzung des Genesenenstatus. Dieses Kommunikationsdebakel sei „kein Einzelfall“ gewesen.

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Genesenenstatus in Deutschland: Kritik an Wieler - aber auch Lauterbach

Auch Lauterbach äußerte nun Kritik bezüglich der mangelhaften Kommunikation. „Das hier war nicht in Ordnung“, sagte er Bild TV. Es gehe nicht an, dass er als Minister gleichzeitig mit den Bürgern erfahre, dass es einen neuen Status gebe. „Das ist ja klar, und darüber ist offen gesprochen worden.“ Das dürfe sich „nicht wiederholen“. Dennoch sprach er sich klar gegen personelle Konsequenzen aus: Wieler habe „zwei Jahre lang eine sehr wichtige und gute Arbeit gemacht und genießt weiter mein Vertrauen. So einfach ist das.“

Bei Bild TV tätigte der Gesundheitsminister auch konkrete Äußerungen zu Lockerungen. „Ich glaube, dass wir deutlich vor Ostern lockern werden. Davon bin ich fest überzeugt.“ Beim nächsten Corona-Gipfel könne entsprechend zumindest über Lockerungen diskutiert werden. Dennoch schob der SPD-Politiker sehr mahnende Worte hinter: „Wir sind vor dem Höhepunkt der Welle. In das Maximum der Fallzahlen jetzt zu lockern, das bedeutet: Ich gieße Öl ins Feuer.“ (cibo)

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