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Platz 1, aber ein Tritt vom Nachwuchs: Florian Pronold führt die bayerische SPD-Liste für den Bundestag an.

Listenplätze bei Rot und Grün

Genossen grollen über Wackel-Plätze

München - Es geht um Kompetenz, Kampf und Kungelei, wenn Parteien intern die Listenplätze festlegen. SPD und Grüne haben nun ihr bayerisches Personal für den Bundestag bestimmt. Der SPD-Nachwuchs allerdings mault.

Die rot-grünen Parteichefs aus Bayern haben ihr Ticket für Berlin sicher. Die Grünen wählten am Wochenende Bundesvorsitzende Claudia Roth (Platz 1) und Landeschef Dieter Janecek (Platz 4) auf Top-Plätze der Bundestagsliste. Die Bayern-SPD setzte ihren Vorsitzenden Florian Pronold in Dingolfing auf Platz 1, alles mit Ergebnissen um die 80 Prozent. Sie verspüre „Rückenwind“, sagte Roth nach dem Delegiertentreffen in Augsburg. Sie führte bereits 2002, 2005 und 2009 die Liste an.

Die Landeslisten bestimmen bei SPD und Grünen über den Einzug in den Bundestag – Direktmandate holen beide Parteien 2009 kein einziges. Sichere Listenplätze bei den Grünen haben nun zudem Anton Hofreiter, Ekin Deligöz, Elisabeth Scharfenberg, Uwe Kekeritz und Beate Walter-Rosenheimer. Die Liste ist deutlich verjüngt. Zwischen die Amtsinhaber rückten drei Kandidaten unter 30. „Die Erneuerung hat stattgefunden“, sagte Janecek, selbst erst 36, unserer Zeitung.

Opfer der Neuen droht der frühere Landeschef Jerzy Montag zu werden. Der etablierte Abgeordnete sackte ab auf Nummer 16. Das gilt als arger Wackelplatz. „Wir werden kämpfen“, tröstete ihn Janecek, bei einem Wahlergebnis von 15 Prozent könne es für den Münchner reichen.

Die Grünen verteilten die Plätze in einzelnen Kampfabstimmungen mit teils über einem Dutzend Bewerbern pro Platz. Die SPD zeigte sich auf den ersten Blick geschlossener. Die als sicher geltenden Plätze bis 19 wurden kampflos vergeben, Pronold hatte einen Konsens der sonst recht streitfreudigen Bezirke erzielt. München, das wegen interner Reibereien und eines schlechten Wahlergebnisses seit 2009 keinen einzigen SPD-Abgeordneten stellt, kann nun mit zwei verheißungsvollen Plätzen rechnen: Claudia Tausend auf 14 und Florian Post auf 17. Oberbayern ist mit Klaus Barthel (5), Ewald Schurer (7) und Bärbel Kofler (8) sicher drin.

Ab Platz 20 allerdings wurde gekämpft. Oberbayerns Bezirkschef Schurer zeigte sich nach jenen Voten schwer verärgert. Erneut habe ein Bündnis aus Franken, Niederbayern und Oberpfälzern den größten Bezirk überstimmt, obwohl der doch ein Drittel der Stimmen erwirtschafte. „Eine krachende Niederlage. Ich habe keine Lust, das schönzureden.“ Direkte Kritik an Landeschef Pronold, einem Niederbayern, äußert Schurer nicht – merkt aber an: „Oberbayern war am Schluss alleine. Niemand hat mir geholfen.“ Die Oberbayerin Angelica Dullinger rutschte so von 20 auf 26.

Ein Zerwürfnis verursachte die Liste beim Parteinachwuchs. Juso-Landeschef Philipp Dees kündigte an, der Verband trage die Liste nicht mit. Sie sei „fatal“ und setze das Signal, dass Menschen unter 30 bei der SPD nur einen Platz auf hintersten Plätzen haben. Pronold habe nie das Gespräch über die Juso-Kandidaten, die alle jenseits Platz 30 landeten, gesucht. Dees drohte mit Boykott. Man werde sich an diesen Tag erinnern, wenn man gebeten werde, den Wahlkampf personell vor Ort zu tragen.

Erst vor kurzem war Pronold wegen der Liste parteiintern heftig angegangen worden. Im Streit um eine örtliche Kandidatin hatte der junge Regener Landrat Michael Adam gewettert, in der SPD-Zentrale seien „nur Ja-Sager und Speichellecker erwünscht“. Andere Jugendorganisationen reagierten auf Dees mit Kritik. Der Juso-Chef habe wohl zu wenig getan, sagte der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, Matthias Fischbach: „Nur auf eine Bringschuld des SPD-Vorsitzenden zu verweisen und dann beleidigt zu meckern, wenn es zu spät ist, zeigt wenig Souveränität."

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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