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Christian Lindner und Hans-Dietrich Genscher.

"Brückenschläge"

Genscher wirbt mit Buch für Lindner

Düsseldorf - Der eine ist 86 Jahre alt und hat als Außenminister Geschichte geschrieben. Der andere ist 34 Jahre jung und gilt als „Mann der Zukunft“. Vor der Bundestagswahl werben Genscher und Lindner für ihre angeschlagene FDP.

Hans-Dietrich Genscher und Christian Lindner können bestens miteinander. Der frühere langjährige Außenminister (86) und der Vorsitzende des mächtigen nordrhein-westfälischen FDP-Landesverbandes (34) tauschen sich oft über Politisches aller Art aus. Sechs Monate vor der Bundestagswahl haben der Senior und der Junior ihre Gespräche am Mittwoch als Buch in den Handel gebracht. In „Brückenschläge“ geht es um Eurokrise, Europamüdigkeit, Finanzmärkte, Bildung, Internet oder die Piratenpartei. Und um die eigene FDP - auch selbstkritisch betrachtet. „Natürlich kämpfen wir für ein gutes Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl, aber dieses Buch wäre auch ohne Wahl erschienen“, sagt Lindner der Nachrichtenagentur dpa.

„Unsere Gedanken erheben weder den Anspruch, ein Grundsatzprogramm zu sein, noch sollen sie als Handlungsanweisungen für unsere Partei verstanden werden“, schreiben Politlegende Genscher und der vor kurzem zum Bundesparteivize gekürte Lindner. Ihre Stimmen haben aber Gewicht. Genscher benennt Fehler, die die angeschlagene Partei viel Zuspruch gekostet haben: Die Liberalen bissen sich zu lange am Thema Steuersenkungen fest. Die Mehrwertsteuer-Reduzierung für Hoteliers sei „besonders bedauerlich gewesen.“

Lindner hatte Ende 2011 nach exakt zwei Jahren als Generalsekretär der Bundespartei die Brocken hingeworfen, ohne sich detailliert zu den Gründen zu äußern. Jetzt verrät er: „Ich habe mich zeitweise mehr als Parteisprecher denn als Generalsekretär gefühlt, meine Möglichkeiten der Einflussnahme jedenfalls schienen mir in jeder Hinsicht beschnitten. Leider hat sich auch nicht so eine enge Zusammenarbeit mit dem Parteivorsitzenden Guido Westerwelle ergeben.“

Sie waren die Chefs der FDP

Sie waren die Chefs der FDP

Der Führungswechsel im Mai 2011 zu Philipp Rösler sei nach dem massiven Kompetenz- und Vertrauensverlust richtig gewesen, meint Lindner, der bei der vorgezogenen NRW-Landtagswahl vor knapp einem Jahr beachtliche 8,6 Prozent holte. Damit habe er der gesamten FDP ein „Hoffnungssignal“ gegeben, betont Genscher am Dienstagabend im ZDF bei „Markus Lanz“. Die Idee zum Buch hätten sie gemeinsam entwickelt. Und: „Wir haben eine Menge voneinander gelernt“. Genscher nennt Lindner gern „Mann der Zukunft“ - und überlässt ihm in dem gemeinsamen Werk das Feld bei Themen wie Schule oder neue Medien.

Lindner wird vielfach als künftiger Bundesvorsitzender gehandelt. Auch 2011 war sein Name schon im Gespräch. Sein Alter habe ihm aber im Weg gestanden, schreibt der 34-Jährige nun. Gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den ergrauten CSU-Chef Horst Seehofer hätte er in Berlin wie ein „Klassensprecher“ gewirkt, meint Lindner über Lindner. Das Etikett „Boygroup“ für ihn, Gesundheitsminister Daniel Bahr und Rösler moniert er nachträglich als „schädlich“.

Der Außenminister (1974-1992) a.D. steuert viel gelebte Zeitgeschichte bei. In Sachen deutsche Einheit und europäische Integration habe er mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) stets an einem Strang gezogen. Die FDP habe alle Grundentscheidungen der Bundesrepublik mitgestaltet und werde auch künftig bestehen. Genscher bilanziert auch: Die FDP ist „Teil meiner persönlichen Identität.“

„Hans-Dietrich Genscher kann deutsche Geschichte wie kaum ein anderer in unzählige nachdenkliche oder erschreckende oder amüsante Geschichten verdichten“, sagt Lindner der dpa. „Ich meinerseits konnte aktuelle Zeitfragen und zum Beispiel technologische Herausforderungen einbringen.“ Das Buch ist anspruchsvoll, keine leichte Lesekost, stellenweise abstrakt. Lindner: „Man kann uns beim Entwickeln von gemeinsamen Gedanken über die Schulter schauen.“

dpa

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