Der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein auf dem Flur zu seinem Bundestagsbüro, daneben Kommentator Mike Schier
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Ein Kommentar von Mike Schier

Kommentar zum CSU-Politiker

Der Fall Georg Nüßlein: Der Druck im Kessel ist groß - Debatte droht Merkel und Söder um die Ohren zu fliegen

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Die Korruptionsvorwürfe gegen den CSU-Politiker Nüßlein wiegen schwer. Das könnte Folgen für den Wahlkampf haben. Und für das weitere Corona-Krisenmanagement. Ein Kommentar.

München - Wenn die Staatsanwaltschaft bei gravierenden Verstößen in der Politik ermittelt, gibt es ein grundsätzliches Problem: Juristisch gilt natürlich die Unschuldsvermutung – politisch aber kann man mit einer Bewertung eigentlich kaum warten, bis die Justiz irgendwann mal ein Urteil gefällt hat. Die Vorwürfe gegen den CSU-Abgeordneten Georg Nüßlein wiegen so schwer, dass sie den ganzen Wahlkampf von CSU und CDU belasten könnten – schließlich stehen sie in direktem Zusammenhang mit der Pandemie und den von der Regierung verhängten Maßnahmen, die viele in wirtschaftliche Existenzängste stürzen. Dass Nüßlein sein Amt als Unions-Fraktionsvize ruhen lässt, scheint deshalb mehr als angebracht.

Doch auch Bundes- und Staatsregierung müssen zunächst mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft leben. Das erschwert die Voraussetzungen für den heiklen Corona-Krisengipfel am kommenden Mittwoch weiter. Händler, Solo-Selbstständige oder Kulturschaffende verzweifeln angesichts persönlicher Betroffenheit ohnehin schon am harten Kurs der Politik. Verschwörungstheorien kursieren. Die Vorwürfe gegen einen Abgeordneten, der an der Krise verdient, sind Wasser auf ihre Mühlen.

Auswirkungen der Vorwürfe um Georg Nüßlein: Die Nerven liegen blank

Es dürften also harte Verhandlungen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten werden. Die Nerven liegen blank. Inzwischen wird der Ruf nach Lockerungen so laut, dass das Augenmaß verloren zu gehen droht. Nun rächt sich, dass man vor zwei Wochen keine nüchternen Perspektiven formulierte. Jetzt ist der Druck im Kessel so groß, dass die Debatte dem Duo Merkel/Söder um die Ohren zu fliegen droht. Für den nach wie vor nicht gewonnenen Kampf gegen Corona sind das keine guten Nachrichten.

Ein Kommentar vom stellvertretenden Chefredakteur des Münchner Merkur, Mike Schier

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