Derek Chauvin wird nachdem Schuldspruch im Fall des getöteten George Floyd aus dem Gerichtssaal geführt
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Auf der Hand von Derek Chauvin ist eine Schrift zu erkennen.

Wusste, was ihn erwartete

George-Floyd-Prozess: Das schrieb sich Ex-Polizist Derek Chauvin vor seiner Verurteilung auf die Hand

  • vonDana Popp
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Derek Chauvin wurde im Fall des getöteten George Floyd in allen Punkten schuldig gesprochen. Ein Detail auf seiner Hand sorgt nach dem Prozess für Verwunderung.

Minneapolis - Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Ihm droht eine lange Haftstrafe. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen festgelegt werden, erklärte Richter Peter Cahill am Dienstag (Ortszeit) in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Chauvin wurde nach der Urteilsverkündung in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt.

Kurz bevor Chauvin schuldig gesprochen wurde, schrieb er sich noch etwas auf die Hand. Nun wurde enthüllt, um was es sich dabei handelte.

Prozess im Fall George Floyd: Ex-Polizist Chauvin hat scheinbar geahnt, dass er schuldig gesprochen wird.

Offenbar wusste der ehemalige Polizist Derek Chauvin, was ihn erwartete. Bis zu seinem Schuldspruch am Dienstag war Chauvin gegen Kaution frei. Nachdem er für schuldig erklärt wurde, nahm der Bezirks-Sheriff den ehemaligen Polizisten in Gewahrsam. Das wies der Richter an - und widerrief auf Antrag der Staatsanwaltschaft nach dem Schuldspruch die Kaution. Wie das US-amerikanische Boulevard-Portal TMZ exklusiv erfahren haben will, wollte Chauvin offenbar vorsorgen und sich für den Fall einer Verurteilung die Nummer seines Anwalts vorher auf die Innenseite seiner Hand schreiben.

Anwalt Eric Nelson gab an, sein Mandant Derek Chauvin habe gewusst, was auf ihn zukommen könnte, sollte er schuldig gesprochen werden. Dass er vermutlich nur eingeschränkten Zugang zu einem Telefon haben werde - jedoch Kontakt zu seinem Anwalt aufnehmen dürfe. Nach der Verurteilung wurde Chauvin direkt aus dem Saal geführt und hatte keine Möglichkeit mehr, mit Nelson zu reden. TMZ stellt die Vermutung auf, dass der Verurteilte die Nummer seines Anwalts nicht auf ein Stück Papier geschrieben hatte, um zu verhindern, dass ihm dieses weggenommen werde.

Der Fall George Floyd: Derek Chauvin unter anderem wegen Mord zweiten Grades ohne Vorsatz verurteilt

Der schwerwiegendste Anklagepunkt gegen Chauvin lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Zudem wurde Chauvin Mord dritten Grades vorgeworfen, was mit bis zu 25 Jahren Haft geahndet werden kann. Auch musste er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert. Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb wenig später. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Floyds Schicksal löste mitten in der Corona-Pandemie eine Welle an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus und entwickelte sich zu einer der größten Protestbewegungen seit Jahrzehnten. US-Präsident Joe Biden begrüßte den Schuldspruch, rief aber zugleich zu weiterem Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt auf. Struktureller Rassismus sei „ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation“, sagte der Demokrat bei einer Ansprache im Weißen Haus. Mit Blick auf Floyds Familie betonte er: „Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein.“ Nötig dafür seien allerdings echter Wandel und Reformen. (dp/dpa)

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