March 31, 2021, Minneapolis, Minnesota, USA: New police bodycam footage of the arrest of GEORGE FLOYD is shown to the court
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Aufnahmen der Körperkameras der Polizisten zeigen die Festnahme von George Floyd in Minneapolis, kurz vor dessen Tod.

Mammutprozess in Minnesota

Prozess um George Floyds Tod: Weitere Videos schockieren - sie stammen von den Polizisten selbst

  • vonJonas Raab
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Im Mordprozess gegen Derek Chauvin wurde dem Gericht bisher unveröffentlichtes Videomaterial von Gerorge Floyds Tod vorgespielt. Es sorgte für Bestürzung.

Minneapolis - Zehn Monate nach den acht Minuten und 46 Sekunden, die den Afroamerikaner George Floyd vergangenes Jahr in Minnesota das Leben kosteten und die weltweite „Black Lives Matter“-Protestwelle auslösten, begann am Montag (29. März) der Mordprozess gegen den weißen Polizisten, der für Floyds Tod verantwortlich ist: Derek Chauvin. Vor Gericht wurde nun unbekanntes Videomaterial vom Todeskampf gezeigt, der laut Staatsanwaltschaft sogar noch länger als die bisher angenommenen acht Minuten und 46 Sekunden dauerte.

George Floyd starb im Mai 2020, nachdem er wegen eines mutmaßlich gefälschten 20-Dollar-Scheins festgenommenen wurde und Chauvin schließlich mehr als acht Minuten auf seinem Hals kniete. Floyd flehte währenddessen immer wieder, dass er nicht atmen könne. Ein Handyvideo des Vorfalls ging um die Welt und löste teils gewaltsame „Black Lives Matter“-Proteste aus.

George Floyds Tod: Neues Videomaterial zeigt, wie Derek Chauvin jedes Flehen ignoriert

Die neuen Aufnahmen, die dem Gericht in Minnesota nun vorgespielt wurden, stammen von Bodycams der beteiligten Polizisten und zeigen die Momente der Festnahme. Neben Floyds verzweifeltem „I can’t breathe“-Flehen, dass 2020 um die Welt ging, sind auch Sätze wie „Ich bin kein schlechter Mensch“ oder „Bitte erschießen Sie mich nicht … ich habe gerade meine Mutter verloren“ zu hören. Als Floyd Handschellen angelegt werden, sagt er zu den Polizisten, dass er keinen Widerstand leisten und alles machen würde, was sie ihm sagen. Das berichtet der US-amerikanische Fernsehsender BBC. In den USA wurde das Videomaterial teilweise ausgestrahlt.

Die Bodycam des Angeklagten Derek Chauvin fiel während des Einsatzes der Verhaftung zu Boden und zeichnete deshalb nicht auf. Die seiner Kollegen aber schon. Das Videomaterial zeigt, dass es erst zu einem Handgemenge kommt, als die Polizisten versuchen, George Floyd in ein Polizeiauto zu zwängen. Floyd beginnt zu weinen und sich zu wehren. Immer wieder begründet er das mit der Tatsache, dass er klaustrophobisch sei und Angst habe. Passanten beginnen den Polizisten zuzurufen, dass sie seinen Puls überprüfen sollen. Da ein Augenzeuge nach Abspielen der Körperkamera-Aufnahmen weinend zusammenbrach, musste die Verhandlung gegen Derek Chauvin mehrere Minuten unterbrochen werden. Auch ein Überwachungsvideo, das die Tat zeigt, wurde im Prozessverlauf abgespielt und öffentlich.

Prozess um George Floyds Tod: „Es scheint, als wäre er auf Drogen“

Eine weitere Videoaufnahme, die dem Gericht in Minnesota jetzt vorgespielt wurde, stammt von Chauvins Bodycam selbst. Scheinbar hatte der ehemalige Polizist sie nach dem Einsatz wieder angelegt. Die Aufnahmen zeigen das, worüber die Welt die Welt seit zehn Monaten rätselt: seine Gedanken und die erste Reaktion, nachdem Floyd im Krankenwagen abtransportiert wurde. Einem Zeugen, der ihn im Video mit der gewaltsamen Tat konfrontiert, entgegnet Chauvin auf dem Weg zum Polizeiauto beiläufig: „Das ist deine Meinung. Wir mussten ihn unter Kontrolle bringen, weil er ein beträchtlicher Kerl ist. Es scheint, als wäre er auf Drogen.“

Zuvor hatten im Strafprozess mehrere Augenzeugen den Tathergang geschildert. Die heute 18-jährige Darnella Frazier, die im vergangenen Mai den gewaltsamen Polizeieinsatz gegen Floyd mit ihrem Handy filmte, schilderte unter Tränen, dass sie „nächtelang wach geblieben“ sei und George Floyd in Gedanken um Verzeihung gebeten habe, weil sie nicht mehr unternommen habe. Eine Feuerwehrfrau, die erste Hilfe leisten wollte und ein ausgebildeter Kampfsportler, der den Polizeinotruf wählte, sagten ebenfalls am Dienstag (30. März) vor Gericht in Minneapolis gegen den angeklagten weißen Polizisten Derek Chauvin aus. Dem 44-Jährigen drohen bis zu 40 Jahre Haft.

George Floyds Todeskampf: Derek Chauvin kniete länger auf seinem Opfer als bisher bekannt

Zum Auftakt des Prozesses am Montag hatten Freunde und Angehörige von Gerorge Floyd acht Minuten und 46 Sekunden vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis niedergekniet. Das entsprach nach Kenntnisstand zu Beginn der Woche genau der Zeit, die Chauvin dem 46-Jährigen sein Knie in den Nacken drückte. Die Staatsanwaltschaft hat die Dauer inzwischen allerdings nach oben korrigiert: Es waren neun Minuten und 29 Sekunden.

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