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Martin Neumeyer (59) ist seit 2009 bayerischer Integrationsbeauftrager.

Gerade noch rechtzeitig

München – Der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer über die bayerische Flüchtlingspolitik und die Fußball-WM in Katar

Der Mann traut sich was: Martin Neumeyer, CSU-Abgeordneter aus dem niederbayerischen Abensberg, nimmt kein Blatt vor den Mund. Auch mit der eigenen Staatsregierung hat sich der Integrationsbeauftragte schon öfter angelegt. Ein Gespräch über die bayerische Flüchtlingspolitik – und einen denkwürdigen Auftritt am Montag beim heimischen Gillamoos.

Herr Neumeyer, wir wollen gerne mit Ihnen über den härtesten Satz beim Gillamoos reden . . .

Ach ja. Welchen denn?

Sie haben gesagt: An den WM-Stadien in Katar klebe das Blut der Opfer des Islamischen Staates. Und auf den Spielfeldern lägen Leichenteile.

Ja, dann muss man aber die Sätze davor auch hören: ,WM 2018 in Russland – oje. WM 2022 in Katar – ojemine.‘ Dann habe ich noch etwas gewitzelt. Und dann kam der Satz, der natürlich hart ist. Aber ich meine es ernst: Alle Quellen sind sich einig, dass Katar den Islamischen Staat finanziell unterstützt. Und wenn nur ein Euro des Öls für die Tötung und Verfolgung von Christen und anderen Minderheiten benutzt wird, dann müssen wir das thematisieren. Das ist meine Meinung. Und die muss ich auch mit niemandem abstimmen.

Müsste da eine breitere Diskussion in Deutschland stattfinden?

Ja. Denn Fußball ist so ein herrliches Spiel . . . 

Aber keiner traut sich.

Weil es um Öl geht. Hätte Katar nur Salatöl, gäbe es längst eine Riesendebatte.

Dafür wird über die Folgen des Terrorismus debattiert. Längst hat die Flüchtlingswelle Bayern erreicht. Sind Sie mit dem Kabinettsbeschluss zufrieden?

Es bewegt sich was. Vom Zeitpunkt her geht es gerade noch. Wir brauchen ja den nötigen Vorlauf, um auf den Winter vorbereitet zu sein. Man erweitert die Erstaufnahmeeinrichtungen und baut Puffer ein. Das nimmt den Druck aus der Situation. Richtig ist auch, mit der Verteidigungsministerin über die Kasernen zu sprechen.

Wo sind die Schwachpunkte?

Mir ist es wichtig, dass wir die Bevölkerung einbinden. Wir brauchen unbedingt die Akzeptanz dieser Politik. Die Diskussion geht mit dem Kabinettsbeschluss ja erst richtig los. Horst Seehofer ist jetzt gewillt, das Thema wirklich zur Chefsache zu machen. Dann kann es auch funktionieren.

Zur Integration braucht es beide Seiten. Sie wollen die Anwohner einbinden, müssen aber auch die Flüchtlinge an Deutschland gewöhnen. Passiert denn da in den Einrichtungen genug?

Man muss ehrlich sagen, dass die Dimension enorm ist. Trotzdem muss mehr passieren, damit diese Menschen möglichst rasch unsere Sprache lernen. Nur kann der Staat das nicht alles alleine leisten. Das oft gepriesene „bürgerschaftliche Engagement“ ist da keine Floskel. Wir brauchen dringend Freiwillige, die sich engagieren.

Sie haben eine Abschaffung der Residenzpflicht gefordert. Dürfen sich Flüchtlinge bald im ganzen Freistaat bewegen?

Ich habe den Eindruck: Da tut sich was. Im Koalitionsvertrag steht, dass sich die Flüchtlinge im jeweiligen Bundesland bewegen dürfen. Bis auf Bayern haben das alle umgesetzt. Ich denke, die Staatsregierung wartet noch, bis mehr Zeit zu früheren Äußerungen vergangen ist. Dann wird sie folgen.

Interview: Mike Schier

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