+
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat nicht nur mit deutlichen Worten vor dem Iran gewarnt, sondern auch den UN die Leviten gelesen. Foto: Jason Szenes

Gereizter Netanjahu warnt in scharfen Tönen vor Iran

Da war jemand sauer: Israels Regierungschef Netanjahu hat nicht nur mit deutlichen Worten vor dem Iran gewarnt, sondern auch den UN die Leviten gelesen - vor den UN. Was hatte der Ministerpräsident der Weltgemeinschaft vorzuwerfen?

New York (dpa) - In einer scharfen Rede hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht nur vor dem Iran gewarnt, sondern auch den Vereinten Nationen Vorurteile gegen sein Land vorgeworfen.

"Die UN sind extrem feindlich gegenüber Israel, der einzigen Demokratie im Nahen Osten", sagte Netanjahu vor der UN-Vollversammlung. "Wir erleben hier ein exzessives Niedermachen Israels." In den vier Jahren des Mordens in Syrien habe die UN-Vollversammlung nur einmal die Gewalt in Syrien verurteilt, aber 20 Mal Israel.

Netanjahu sagte, dass das Atomabkommen mit dem Iran die Kriegsgefahr im Nahen Osten erhöhe. "Es macht nicht Frieden wahrscheinlicher, wenn man den aggressiven Iran mit Dollar und Waffen versorgt, sondern Krieg", sagte er.

"Mehr Geld durch den Kompromiss bedeutet mehr Repression im Iran und mehr Aggression aus dem Iran", so Netanjahu. Teheran habe den Westen ausgetrickst. "Ihr glaubt, Ihr könnt den wahnsinnigen Tiger in ein Kätzchen verwandeln?". Wer so optimistisch sei, solle seine Begeisterung an der Garderobe abgeben.

Netanjahu nutzte seine Rede für dramatische Gesten. Anfangs guckte er gereizt in die Runde und setzte erst eine, dann eine zweite Brille auf, bevor er begann - ohne Brille. Mitten in der Rede schwieg er eine halbe Minute und schaute auf die wenigen Delegierten im Saal.

"70 Jahre nach dem Mord an sechs Millionen Juden versprechen die Führer Irans, dass sie wieder sechs Millionen Juden töten werden, dass sie mein Land zerstören und mein Volk töten werden. Und diese Institution macht was? Absolut nichts, gar nichts! Vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum wir dieses Abkommen nicht feiern wollen."

Israel führe einen Kampf für alle Demokratien. "Helfen Sie uns, den Fanatismus vor unserer Haustür zu bekämpfen, bevor er Ihre Haustür erreicht. Israel verteidigt auch Sie!" Denn Iran entwickele auch Langstreckenraketen. "Die sind nicht für uns, Israel ist nur ein paar Kilometer weiter. Diese Raketen sind für Sie!"

Gleichzeitig bot er Palästinenserpräsident Mahmud Abbas neue Verhandlungen an. "Präsident Abbas, ich weiß, dass es nicht einfach ist. Ich weiß, dass es schwer ist. Aber wir schulden das unseren Völkern."

Abbas hatte am Vortag in der UN-Vollversammlung das historische Friedensabkommen von Oslo aufgekündigt und Israel vorgeworfen, dieses ständig zu verletzen. Er nannte auch die Besiedlung der besetzten palästinensischen Gebiete.

Nach Schätzungen der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem leben im Westjordanland 350 000 Siedler. Die Zahl hat sich damit seit Beginn des Osloer-Friedensprozesses, der zu einem Palästinenserstaat führen sollte, mehr als verdreifacht. 1993 lebten nach Angaben des israelischen Statistikbüros rund 110 000 Siedler im Westjordanland.

Website der 70. UN-Vollversammlung (Englisch)

Hintergründe zur Generaldebatte mit der Liste der Redner (Englisch)

Aufgaben und Funktionsweise der Vollversammlung (Englisch)

Dokumente der UN-Vollversammlung (Englisch)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Volksverhetzung? Ermittlungen gegen Dresdner AfD-Richter
Dresden - Wegen Äußerungen bei einer Veranstaltung der AfD-Jugend in der vergangenen Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft Dresden gegen einen Richter am Landgericht. …
Volksverhetzung? Ermittlungen gegen Dresdner AfD-Richter
Kanzlerkandidat Schulz: Kampfansage gegen Populisten
Berlin - Alles neu bei der SPD: Der Europapolitiker Martin Schulz übernimmt von Parteichef Gabriel den Vorsitz und wird Kanzlerkandidat. Ob die Personalrochade die …
Kanzlerkandidat Schulz: Kampfansage gegen Populisten
Kommentar: Abgeschminkt
Bei all jenen, die bedauern, dass das Vereinigte Königreich die Europäische Union bald verlassen wird, weckt der Spruch der Obersten Richter in London eine gewisse …
Kommentar: Abgeschminkt
Kommentar: Schulz gegen Merkel
Sigmar Gabriel gibt auf. Seine Entscheidung,  den SPD-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur seinem Parteifreund Martin Schulz zu überlassen, dürfte auch die Kanzlerin nervös …
Kommentar: Schulz gegen Merkel

Kommentare