Donald Trump sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Beginn eines bilateralen Gesprächs nach der Arbeitssitzung des Nato Gipfels. (Archiv)
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Donald Trump sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Beginn eines bilateralen Gesprächs nach der Arbeitssitzung des Nato Gipfels. (Archiv)

Verletzendes Verhalten

Nach „unterirdischen“ Szenen gegen Merkel - Schröder attackiert Trump: „So etwas kann er nicht machen“

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Angela Merkel und Donald Trump: Sie verband keine politische Freundschaft. Ex-Kanzler Gerhard Schröder wurde dazu in einem Interview deutlich.

  • Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Donald Trump war, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade gut.
  • Inhaltlich gab es viele Unstimmigkeiten, seine Haltung gegenüber Deutschland verdeutlichte der Ex-Präsident häufiger.
  • Der frühere Kanzler Gerhard Schröder beschwerte sich nun über Trump Verhalten.

Washington, D.C. - Kanzler Angela Merkel (CDU) war mehrfach in ihren bald 16 Jahren Amtszeit in den USA und zu Besuch im Weißen Haus. Unter Ex-Präsident Donald Trump kühlte sich die deutsch-amerikanische Beziehung jedoch deutlich ab. Trump hat es in seiner Amtszeit geschafft, das königliche Protokoll der Queen zu brechen, hochrangige Politiker kurzerhand zur Seite zu schieben, um sich vorzudrängeln, mit verschränkten Armen und abwehrender Haltung vor Staats- und Regierungschefs zu sitzen.

Auch mit Merkel ging er nicht immer freundlich um: Bei ihrem Besuch 2017 suchte sie während einer Pressekonferenz im Amtszimmer des Präsidenten vergeblich Blickkontakt und fragte nach einem Händedruck für die Fotos. Doch Trump zeigte ihr eher die kalte Schulter und grinste. Doch nicht nur die Gestik sprach häufig gegen ein gutes Verhältnis. Auch inhaltlich ging es bergab: Zölle auf Produkte aus der EU, der Rückzug aus bedeutenden internationalen Foren, die Rücknahme von Unterschriften unter Gipfel-Beschlüssen aus dem Flugzeug heraus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Donald Trump 2017 im Weißen Haus: Der Händedruck bleibt ihr verwehrt.

Das Benehmen von Trump gegenüber Merkel: „Das war unterirdisch“

Donald Trump war und ist ziemlich unberechenbar. Für eine eher nüchtern und analytisch denkende Kanzlerin eine Herausforderung. Doch ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) nimmt sie jetzt in Schutz. „Wie er Bundeskanzlerin Merkel behandelt hat, war unterirdisch“, sagte Schröder in einem Interview mit t-online. Trump habe „eine ausgeprägte Abneigung gegen die Europäische Union und speziell gegenüber Deutschland zur Schau“ gestellt. „Das war inakzeptabel“, resümiert Schröder. „So etwas kann ein amerikanischer Präsident nicht machen. Indem sich Trump der Kanzlerin gegenüber so verletzend verhalten hat, hat er auch Deutschland respektlos behandelt.“

Dass Trump und Merkel nicht auf einer Wellenlänge schwammen wie Obama und die Kanzlerin, fiel auch engen, früheren Mitarbeitern Trumps auf. Im vergangenen Jahr erklärte John Bolton, zeitweise Nationaler Sicherheitsberater, in einem Spiegel-Interview: „Trumps Verhältnis zu Merkel - und auch das zur ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May - gehört sicherlich zu den problematischsten, die ich beobachten konnte.“

Ex-Kanzler Schröder: Beim Thema Iran muss der neue US-Präsident Mut beweisen

Im Kanzleramt war die Freude daher mit Sicherheit groß, als feststand, dass Joe Biden der neue US-Präsident wird. Auch mit ihm wird zwar nicht alles wie früher, aber Biden legt deutlich mehr Wert auf das transatlantische Verhältnis. Schröder glaubt, dass Biden vor allem in der Iran-Frage beweisen muss, dass er „außenpolitisch Mut hat“. Näher erläutert Schröder: „Er sollte im Gegensatz zu Donald Trump anerkennen, dass nicht alles schlecht gewesen ist, was im Atomabkommen mit Iran steht. Da gibt es zwei relevante Ziele: Erstens müssen wir dafür sorgen, dass eine atomare Aufrüstung in Iran nicht stattfindet. Zweitens müssen die USA und Iran wieder ein zivilisiertes Verhältnis zueinander finden.“

Dass Schröder ein Freund von Russland ist, ist bekannt. Er arbeitet als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG. Sein Verhältnis zu Wladimir Putin beschreibt er als eine „persönliche Freundschaft“. Auch zur Vergiftung von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird er befragt. Schröder sagt, es gebe noch keine handfesten Beweise, dass Putin den Mordanschlag gedeckt oder sogar befohlen hat. „Was erwarten Sie von mir? Setzt Freundschaft denn immer voraus, dass man mit allem einverstanden sein muss, was der andere tut? Nein. Aber man kritisiert einen Freund nicht in der Öffentlichkeit, sondern im persönlichen Gespräch.“ (cibo)

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