USA, New York: Demonstranten protestieren gegen die „TrumpCare“ genannte Reform der Gesundheitsversorgung in den USA.
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Präsident Donald Trump will statt Obamacare ein neues System einführen, in dem der Staat eine geringere Rolle spielt, Versicherte mehr Wahlrecht haben und geringere Kosten anfallen.

Obamacare: Fakten und Kritikpunkte

Gesundheitssystem der USA: Was ist aus „Obamacare“ geworden?

Im Zuge von Obamacare wurde die Versicherungspflicht für den Großteil der US-Amerikaner eingeführt. Seitdem steht es in der Kritik. Präsident Trump möchte es abschaffen – mit harten Folgen für Millionen von US-Bürgern.

  • Seit Einführung des „Patient Protection And Affordable Care Act“, besser bekannt als Obamacare, muss jede Person mit Wohnsitz in den USA eine Krankenversicherung abschließen.
  • Diese muss zwingend bestimmte Leistungen abdecken.
  • Möglich sind sowohl eine private Vorsorge als auch Versicherungen über den Arbeitgeber.

Washington, D.C. – Anders als in Deutschland ist das Gesundheitssystem der USA nicht einheitlich staatlich geregelt. Amerikaner können sich über den Arbeitgeber versichern lassen – verlieren diesen Schutz jedoch bei Verlust des Arbeitsplatzes. Mit Obamacare führte die Regierung 2010 eine Krankenversicherungspflicht ein. Dennoch hat bis dato nicht jeder Bürger eine Versicherung abgeschlossen.

Das Gesundheitssystem der USA vor Obamacare

Bis zum Inkrafttreten der Reform sah das Gesundheitssystem der USA keine Versicherungspflicht vor. Demzufolge hatten vor allem einkommensschwache Bürger oftmals keinen Schutz. Eine vom Arbeitgeber bezahlte oder bezuschusste Versicherung war – und ist bis heute – eine freiwillige Leistung. Eine minimale Versorgung für Personen über 65 Jahre besteht über Medicare. Für Personen unter der Armutsgrenze gibt es das Programm Medicaid. 2008 waren 84,7 Prozent der US-Bürger bei einer privaten Vorsorge gemeldet oder hatten Anspruch auf staatliche Fürsorge.

Gesundheitssystem der USA: Die Reform 2010

Die Kosten für das Gesundheitssystem in den USA sind rund doppelt so hoch wie in anderen Ländern. Dennoch haben US-Amerikaner eine geringere Lebenserwartung und es besteht eine höhere Kindersterblichkeit als etwa in Deutschland, Japan oder Kanada. Viele US-Bürger konnten sich vor Obamacare keinen Versicherungsschutz leisten, andere wurden aufgrund von Vorerkrankungen abgelehnt.

Mit Obamacare verabschiedete die US-amerikanische Regierung 2010 unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems. Der Supreme Court of the United States bestätigte sie im Jahr 2012.

Der „Patient Protection and Affordable Care Act“ sieht vor, dass jeder amerikanische Staatsbürger und jeder Einwohner der USA eine Krankenversicherung abschließen muss. Das sind die wichtigsten Punkte von Obamacare:

  • Krankenversicherungen müssen im Rahmen eines speziellen Marktplatzes einen Basistarif mit bestimmten Mindestleistungen anbieten.
  • Der Personenkreis, der Anspruch auf Leistungen aus dem Medicaid-Programm hat, vergrößert sich.
  • Es besteht eine Versicherungspflicht für alle US-amerikanischen Bürger.
  • Junge Menschen können bis zum 26. Lebensjahr über ihre Eltern versichert bleiben.
  • Krankenversicherungen müssen bestimmte Mindestleistungen anbieten:
  • ambulante und Notfall-Behandlungen
  • Aufenthalte im Krankenhaus
  • Schwangerschaften und Geburten
  • Psychiatrische Behandlungen und Suchttherapie
  • Übernahme der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente
  • Reha-Maßnahmen
  • Labordienstleistungen
  • Vorsorge und Gesundheitsförderung
  • Pädiatrische, augen- und ohrenärztliche Behandlungen

Obamacare und Versicherungspflicht zum Trotz ist 2020 noch immer jeder zehnte US-Amerikaner ohne Krankenversicherung – das sind rund 28 Millionen Menschen.

Gesundheitssystem der USA: Kritik und drohende Abschaffung

Obamacare hat im Gesundheitssystem der USA einiges bewirkt: Der Anteil der Nichtversicherten sank bereits 2015 auf 9,1 Prozent. Viele profitierten von der Ausweitung der Versicherungsmöglichkeiten über Medicaid, andere von der „Eltern-Versicherung“ oder schlossen eine private Vorsorge ab.

Dennoch steht der „Patient Protection and Affordable Care Act“ in der Kritik. Ein Grund dafür war, dass bestehende Policen aufgrund neuer Mindeststandards der Versicherungen ungültig wurden. Viele Bürger lehnen die staatliche Einmischung ab und zahlen ihre Rechnungen beim Arzt und im Krankenhaus lieber selber.

Die republikanische Partei stellte sich von Beginn an gegen die Reform. Seit Jahren dauert ein Rechtsstreit um das Gesetz an. Präsident Donald Trump bezeichnete es als „Desaster“ und will ein neues System einführen, in dem der Staat eine geringere Rolle spielt, Versicherte mehr Wahlrecht haben und geringere Kosten anfallen. Konkrete Pläne gibt es bis Herbst 2020 und damit kurz vor den US-Wahlen dafür nicht.

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