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Markus Söder hält seine Ministerliste noch unter Verschluss.

Getreue belohnen, Quote und Proporz erfüllen

Wer wird was? Söders Kabinetts-Puzzle

Offiziell lässt Markus Söder sich nichts zu seinen Minister-Plänen entlocken: „Darüber werde ich mir zu gegebener Zeit Gedanken machen.“ Wir zeigen Söders kompliziertes Personal-Puzzle.

München - Mit dem Rücktritt von Ministerpräsident Horst Seehofer werden die Karten im bayerischen Kabinett neu gemischt. Selbst gegenüber seinen Parteifreunden hält Söder dicht: „Der will erst mal gewählt werden“, so ein CSU-Vorstandsmitglied. Denn Söder darf keine CSU-Gruppe verprellen, wenn er die Fraktion bei seiner Wahl am 16. März geschlossen hinter sich bringen will: Er muss treue Vasallen belohnen, den Regionalproporz berücksichtigen und dem Vorwurf entgegentreten, die CSU sei ein frauenfeindlicher Männerclub.

Sozialministerium: Emilia Müller hat bereits ihr Karriereende verkündet. Mögliche Nachfolgerin ist die Inte­grationsbeauftragte Kerstin Schreyer. Die 46-jährige Münchnerin sitzt seit 2008 im Landtag und war Fraktionsvize.

Innenministerium: Nachdem aus seinem Wechsel nach Berlin wegen Seehofers Ambitionen nichts wurde, wird Joachim Herrmann Innenminister bleiben. Söder lobt ihn als „absolute Stärkung“.

„Absolute Stärkung“: Joachim Herrmann wird wohl Innenminister bleiben.

Kultusministerium und Wissenschaftsministerium: Der Münchner Ludwig Spaenle wird zwar Minister bleiben – als treuer Vasall Söders ist er gesetzt. Aber aus Gründen des Regionalproporzes bekommt er möglicherweise ein stark abgespecktes Ressort: Wie schon bis 2013 könnte der Bereich Wissenschaft wieder ein eigenes Ministerium bekommen, dem dann Spaenle vorsteht. Den Bereich Schule und Kultur würde jedoch der bisherige Staatssekretär des Ministeriums, Bernd Sibler (Foto), übernehmen. Der ist Niederbayer – und nach dem bereits angekündigten Ausscheiden von Agrar­minister Helmut Brunner wäre sonst kein Niederbayer im Ressort mehr vertreten. Gerade wegen der Stärke der AfD in dem Regierungsbezirk muss Söder aber die Niederbayern-Seele irgendwie streicheln.

Finanzministerium: Ilse Aigner könnte ins wichtigere Finanzressort aufsteigen. Damit würde Söder die bisherige Wirtschaftsministerin für die Zurückhaltung im Machtkampf um das Seehofer-Erbe belohnen – und die mächtige Oberbayern-CSU, deren Chefin Aigner ist, angesichts der Franken-Macht im neuen Kabinett besänftigen.

Ilse Aigner: Steigt sie ins Finanzressort auf?

Agrarministerium: Als Brunners Nachfolger bietet sich der bisherige Staatskanzleichef Marcel Huber an. Der gelernte Tierarzt war von 2011 bis 2013 bereits Umweltminister.

Staatskanzleichef: Neben Aigner gilt auch Söders treuester Getreuer, Finanzstaatssekretär Albert Füracker, als Kandidat fürs Finanzministerium. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Söder ihn zu sich in die Staatskanzlei als deren Leiter holt. Für diesen Posten sind aber auch der bisherige Kultur-Staatssekretär Georg Eisenreich im Gespräch sowie der innenpolitische Fraktions-Sprecher Florian Herrmann.

Weitere Personalien: Auch Umweltministerin Ulrike Scharf, Europaministerin Beate Merk und Gesundheitsministerin Melanie Huml dürften wohl ihre Posten behalten – Söder kann es sich angesichts der Diskussion um die in Sachen Frauengleichstellung immer noch rückständige CSU kaum leisten, die Ministerinnen zu feuern. Ebenfalls gute Chancen, im Amt zu verbleiben, hat Justizminister Winfried Bausback.

Wird er belohnt? JU-Chef Hans Reichhart.

Auch JU-Chef Hans Reichhart wird wohl für sein Trommeln für Söder belohnt werden. Nachdem der 36-jährige Schwabe keinen eigenen Stimmkreis erhalten hat und damit sein Wiedereinzug in den Landtag überaus unsicher ist, rechnen viele in der CSU mit einem Posten für ihn – sei es als Staatssekretär oder direkt in der Staatskanzlei. Damit könnte sich Söder auch für die Unterstützung der Jungen Union im Machtkampf gegen Seehofer erkenntlich zeigen.

Lesen Sie auch: Seehofer über Diskussion in der CSU: „Ganz erhebliche Demontage meiner Person“

tz

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