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Bei der Explosion der Lastwagenbombe in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft und des Roshan-Büros waren mindestens 90 Menschen getötet und rund 460 verletzt worden. Foto: Massoud Hossaini

Ein Bekenntnis gibt es nicht

Gewaltige Explosion: Die Nachwehen der Bomben von Kabul

Fünf Tage nach der riesigen Bombenexplosion in Kabul werden immer noch Menschen vermisst. Die Stadt liegt gespenstisch ruhig da. Und nun gibt es auch noch politische Spannungen, die die ohnehin wackelige Einheitsregierung weiter spalten und lähmen könnten.

Kabul (dpa) - Während Ziel und Hintermänner eines der schwersten Anschläge in Kabul seit Jahren weiter unklar sind, gibt es fünf Tage nach der Tat neue Informationen über die Opfer.

Die afghanische Telekommunikationsfirma Roshan teilte mit, durch die gewaltige Explosion in der Hauptstadt seien 31 Mitarbeiter von Roshan und Partnerfirmen getötet worden. Damit machen die zivilen Angestellten einer der größten Firmen des Landes rund ein Drittel aller Todesopfer aus. Mehr als 50 Angestellte seien verletzt worden.

Bei der Explosion der Lastwagenbombe in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft und des Roshan-Büros waren am Mittwoch mindestens 90 Menschen getötet und rund 460 verletzt worden. Noch am Sonntag warteten vor Kabuler Kliniken Menschen auf die Identifizierung von Überresten, um Aufschluss über das Schicksal vermisster Angehöriger zu bekommen.

Die riesige Explosion hatte auch ein Gebäude der deutschen Botschaft schwer beschädigt. Ob sie das Ziel des Anschlags war, ist weiterhin unklar. "Der Wassertanker wollte durch den Sicherheitsposten neben der deutschen Botschaft in die gesicherte Zone mit vielen hochwertigen Zielen - aber mit welchem Ziel, das wissen wir noch nicht", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Botschaft und andere deutsche Institutionen hatten nach Informationen aus Sicherheitskreisen zuvor Drohungen erhalten. Das galt aber auch für andere Botschaften, die ebenfalls in der gesicherten Zone liegen. Die staatliche deutsche Entwicklungshilfsorganisation GIZ flog nach dem Anschlag einen Großteil ihrer Mitarbeiter aus.

Unklar bleibt auch, wer hinter dem Anschlag steckt. Ein Bekenntnis gibt es weiterhin nicht. Der Anschlag war der Anfang einer blutigen Woche. Bei aufgebrachten Demonstrationen für mehr Sicherheit im Land wurden zwei Tage später mindestens sieben Menschen getötet, als Polizisten in die wütende Menge schossen. Bei einem hochrangig besuchten Begräbnis eines getöteten Demonstranten sprengten sich dann am Samstag drei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie hatten den Sprengstoff in ihren Schuhen versteckt, wie die Polizei mitteilte.

Die Attentäter hatten sich in der Nähe von Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah und Außenminister Salahuddin Rabbani positioniert, die aber beide unverletzt blieben. Abdullah und Rabbani gehören zur politischen Opposition, die Präsident Aschraf Ghani nach den Wahlen 2014 zwangsweise in die Einheitsregierung miteinbezogen hatte.

Es kochten Verschwörungstheorien hoch, die unter anderem besagten, der Ghani-Teil der Regierung arbeite mit Terroristen zusammen, um die Opposition aus dem Weg zu räumen. Sie kamen auch in einer am Montag live übertragenen Pressekonferenz der großen Oppositionspartei Jamiat-e Islami wieder zur Sprache, in der Rabbani die Entlassung von hochrangigen Sicherheitsbeamten verlangte, die von Ghani ernannt worden waren.

Das renommierte Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network warnt in einer am Montag veröffentlichten Analyse, dass die Politisierung der Anschläge die ohnehin wackelige Einheitsregierung weiter spalten und lähmen könnte.

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