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Donald Trump will bald entscheiden, wie die USA auf das Giftgas-Massaker reagiert.

Spannungen mit Russland

Giftgas in Syrien: Trump kündigt Vergeltung an - Entscheidung innerhalb von 48 Stunden

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Das Giftgas-Massaker in Syrien könnte weitreichende Folgen haben. US-Präsident Donald Trump droht erstmals auch Wladimir Putin. Kommt nun ein massiver Vergeltungsschlag?

Washington – Am 4. November 2013 verkündete Ben Rhodes, der außenpolitische Chefberater des damaligen Präsidenten Barack Obama, ein bedeutender Meilenstein sei in Syrien erreicht. Nun werde es keine Chemiewaffen mehr in dem Land geben. Rhodes wollte mit seinem Schlussstrich den politischen Schaden für Obama minimieren, der im Sommer 2013 nach Giftgasattacken des Assad-Regimes auf die eigene Bevölkerung auf einen Militärschlag verzichtete – obwohl er ein solches Vorgehen ein Jahr zuvor als „rote Linie“ definiert hatte. In letzter Minute bekam Obama jedoch kalte Füße und griff dankbar einen Vorstoß Russlands auf, Syrien werde alle Chemiewaffen vernichten.

Spätestens seit den Schreckensbildern aus dem syrischen Duma mit um Luft ringenden Kindern und Erwachsenen steht fest: Der Plan ist nicht aufgegangen. Auch der Obama-Nachfolger muss sich nun mit dem schwierigen Thema beschäftigen. Nachdem schon die Vereinten Nationen die syrischen Regierungstruppen für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin im April 2017 mit mehr als 80 Toten verantwortlich gemacht hatten, hegt nun auch Donald Trump keine Zweifel daran, dass es sich trotz der Dementi aus Damaskus und Moskau um eine „sinnlose Chemiewaffen-Attacke“ gehandelt habe.

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Trump kündigt Vergeltung an

„Ein großer Preis“ werde für diesen Angriff zu zahlen sein, erklärte Trump – eine Aussage, die nicht nur explizit auf Assad bezogen war. Denn erstmals hatte er am Sonntag auch die russische Schutzmacht Assads und ihren Präsidenten offen kritisiert: „Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Rückendeckung des Tieres Assad,“ so Trump auf Twitter. Doch wie wird der US-Präsident antworten? Auf jeden Fall will er das schnell entscheiden: Man werde in den nächsten 24 bis 48 Stunden eine „bedeutende Entscheidung“ treffen, sagte Trump am Montag am Rande einer Kabinettssitzung. 

Ausgerechnet der frischgebackene Sicherheitsberater John Bolton, durch seine forschen Aussagen zum Iran und zu Nordkorea als „Super-Falke“ bekannt, dürfte die Strategie zu einer Antwort wesentlich mitbestimmen. Am Montag wollte sich der US-Präsident zunächst mit seinem Kabinett und dann am Abend mit seinen höchsten Generälen im Weißen Haus treffen – das Zeichen einer größeren Luftkriegsplanung? Noch im Jahr 2013, als Obamas Regierung über den so trügerischen diplomatischen Erfolg jubelte, hatte Trump – ebenso wie der damalige UN-Botschafter Bolton – vor einem Angriff auf Assad gewarnt. Doch dass Trump sich nicht an Aussagen von gestern gebunden fühlt, ist bekannt. Im letzten Jahr gab es einen begrenzten US-Raketenangriff auf einen syrischen Militärflughafen, der Experten zufolge nur minimalen Schaden angerichtet und deshalb vermutlich wenig abschreckende Wirkung hatte.

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Mattis schließt militärische Maßnahmen nicht aus

Am Montagmorgen sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis auf die Frage nach Militärschlägen: „Wir schließen gar nichts aus“. Als für kaum vorstellbar gilt in Washington, dass Trump als Antwort auf die jüngste Attacke die US-Präsenz in dem Bürgerkriegsland aufstocken wird. Schließlich hatte er erst kürzlich festgestellt, er wolle die dort tätigen GI innerhalb von sechs Monaten zurückrufen – eine Aussage, die bei seinen Beratern auf wenig Zustimmung gestoßen sein soll. Auch vom neuen Sicherheitsberater Bolton dürfte es nun abhängen, ob Trump diesen Zeitplan noch einmal überdenkt und Syrien völlig dem so um Einfluss bemühten und nun kritisierten Russland und dem Iran überlässt.

Doch noch entscheidender ist die Frage: Greift der US-Präsident bei seiner Reaktion auf die Bilder aus Duma zu härteren Mitteln als 2017? Damals war die Raketenattacke offenbar auch deshalb so begrenzt durchgeführt worden, um die Brücken zum Kreml nicht ganz abzureißen.

von Friedemann Diederichs

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