Jetzt mit Corona-Infektion in Klinik

Trump-Anwalt Giuliani empört mit Auftritt selbst Republikaner: „Beschämend und erbärmlich“

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Donald Trump braucht Helfer, um seine unbewiesenen Wahlbetrugstheorien überzeugend genug rüberzubringen. Sein Anwalt Rudy Giuliani kämpfte für ihn in den Bundesstaaten.

  • Donald Trump hat Rudy Giuliani damit beauftragt, den angeblichen Wahlbetrug bei der US-Wahl zu beweisen.
  • Die Anhörungen in einzelnen US-Bundesstaaten werden jedoch zur Lachnummer in sozialen Medien.
  • Selbst Republikaner halten Äußerungen für „erbärmlich“.

Washington, D.C. - Rudy Giuliani kämpft zurzeit zwei für ihn entscheidende Kämpfe. Der Anwalt von US-Präsident Donald Trump (Republikaner) ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und befindet sich laut Medienberichten im Krankenhaus . Nach eigener Aussage auf Twitter geht es ihm gut.

Trotz der Diagnose zeigt er sich weiter unerbittlich: Er werde sich schnell erholen und durchhalten. Denn Giuliani hat immer noch Großes für Trump vor. Er möchte weiterhin beweisen, dass Joe Biden (Demokraten) die US-Wahl nur gewonnen hat, weil in großem Stil Wahlbetrug stattgefunden habe. Trumps langjähriger Vertrauter Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York City, leitet die rechtlichen Anstrengungen. Gemeinsam mit seiner Kollegin, der Anwältin Jenna Ellis, reist er durchs Land und versucht entscheidende Personen von seinen Theorien zu überzeugen. US-Behörden hatten die Wahl bereits als sicher bezeichnet.

Donald Trumps Anwalt Rudy Giuliani: Klagen brachten bisher keinen großen Erfolg

Die Liste an Klagen ist lang, die Trumps Anwälte bisher bei Gerichten einreichten, um gegen die Wahl vorzugehen. Doch die bisherigen Erfolge sind nicht ausschlaggebend. Mehrere Klagen sind unter anderem wegen fehlender Beweise gescheitert. Und auch weil die Trump-Anhänger den meisten Medien in den USA unterstellen, nur Falschinformationen zu verbreiten, wendet sich Rudy Giuliani über Youtube regelmäßig an die Unterstützer. Seine Pressekonferenzen sorgen immer wieder für Schlagzeilen - vor allem, wenn beim Sprechen über haltlose Wahlbetrugs-Behauptungen braune Tropfen an seinen Wangen herunterlaufen.

Rudy Giuliani will Abgeordnete überzeugen - Anhörungen werden zur Lachnummer

Weil die Klagen bisher nicht wirkten und am 20. Januar 2021 Joe Biden ins Amt berufen werden soll, läuft Trump, Giuliani und seinen Kollegen die Zeit davon. Bei Parlamentsanhörungen in mehreren Bundesstaaten versuchte Giuliani zuletzt Einfluss zu gewinnen. Am Mittwoch war er beispielsweise in Michigan, am Donnerstag in Georgia. Das Ziel: Die Wahlleute der Bundesstaaten sollen entgegen des Wahlergebnisses für Trump statt für Biden stimmen. Die Wahlleute des Electoral College sollen am 14. Dezember planmäßig wählen.

Erfolgreich waren auch diese Anhörungen bisher nicht. Ganz im Gegenteil: Eine angebliche Zeugin, die Giuliani mitbrachte, sorgte für Spott in sozialen Netzwerken und in bekannten Late-Night-Shows.

Anhörungen in Bundesstaaten: Giulianis Äußerungen seien „inakzeptabel, beschämend und erbärmlich“

Auf die Anhörungen reagieren einige US-Politiker mit Entsetzen. Ein Abgeordneter in Michigan, selbst Republikaner, Aaron Miller, macht sich Berichten zufolge nach Giulianis Schlussstatement Luft: „Ich höre mir gern Beweise und Behauptungen an“, sagte Miller. „Aber die letzte Aussage von Herrn Giuliani ist in den Bereich des Wahnsinns geraten.“ Er fügte hinzu: „Er hat einige Minuten lang wilde und breite parteipolitische Beleidigungen geäußert, die nichts mit der Wahl zu tun hatten, und es war ehrlich gesagt inakzeptabel, beschämend und erbärmlich und lenkt von jeglichen Beweisen ab, die wir hätten hören könnten. Es ist mir äußerst peinlich.“

Bei der Anhörung in Georgia war auch die Demokratin Jen Jordan dabei, die sich angesichts der nun bekannt geworden Corona-Infektion von Giuliani noch empörter zeigte: „Ich ahnte nicht, dass die glaubwürdigste Todesdrohung, der ich letzte Woche begegnet bin, Trumps eigener Anwalt war“, schrieb sie auf Twitter. „Giuliani - ohne Maske, in einem voll besetzten Anhörungsraum für sieben Stunden. Zu sagen, dass ich wütend bin, wäre zu freundlich. Die Scheinanhörung im Senat war ein Hohn auf die Gerechtigkeit. Nun könnten ihre Auswirkungen weit darüber hinausgehen.“ Wann sich der Anwalt jedoch mit dem Virus infizierte, ist nicht klar.

Trump schrieb auf Twitter, Giuliani habe bislang „unermüdlich daran gearbeitet“, die angeblich korrupten Wahlen in den USA aufzudecken. Trotz der Erkrankung seines Anwalts werde das Team weitermachen. (cibo)

Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin/AP/dpa

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