Landtagspräsidentin Stamm

Gleichstellung

Frauen: Landtag hängt Regierung ab

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München – Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) zeigt den Herren Ministern, wo es lang geht. Bei der Frauenförderung ist das Landtagsamt zahlenmäßig viel weiter als die Staatsregierung.

Das geht aus dem Gleichstellungskonzept 2014 hervor, das unserer Zeitung vorliegt.

Offizielle Ziele: Frauen sollen die gleichen Einstellungs- und Aufstiegschancen haben wie Männer. Die Arbeitswelt soll so gestaltet werden, dass Familie und Job vereinbar sind. Das Landtagsamt könne dank der vergangenen fünf Jahre „seinen Teil an der Vorreiterrolle und Vorbildfunktion des öffentlichen Dienstes verbuchen“, loben die Autoren.

Unter Stamms 223 Mitarbeitern sind 121 Frauen – Quote: 54 Prozent. Spannender ist der früher extrem niedrige Anteil bei den Führungsaufgaben: Im Maximilianeum sind jetzt 35 Prozent an Frauen vergeben. Bei den Führungsleuten in der Seehofer-Regierung, also ab Referatsleiter, sind die Quoten niedriger. 23 Prozent schafft die Staatskanzlei, 20 Prozent das Innenministerium, das für Frauen zuständige Sozialministerium (Stand allerdings Mitte 2012) nur 26 Prozent. Der sonst sehr kritikfreudige Oberste Rechnungshof erreicht nur zwölf Prozent, ergeben Zahlen aus einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage.

Von daheim aus arbeiten durften in den vergangenen fünf Jahren 24 Mitarbeiter (darunter zehn Männer), die meisten aus privaten Gründen für Kinderbetreuung oder Pflege. Verboten hat Stamm das übrigens niemandem. Leistungsprämien gab es 37 Mal, fast gleichmäßig verteilt. Die Kinderkrippe im Landtag, seit 2009 aktiv, ist weiter ausgebaut worden, zurzeit ist eine dritte Gruppe geplant.

Im Landtag ist man auf diese Zahlen mächtig stolz. „Die bayerischen Behörden müssen Vorreiter sein“, sagt Stamm. „Dabei muss sich der Arbeitsplatz nach den Bedürfnissen der Familie richten – nicht umgekehrt. Hier ist das Landtagsamt seit Jahren Vorbild.“ Zur Wahrheit zählt allerdings, dass auch Ministerpräsident Seehofer Frauen auf den Top-Beamtenposten fördert. In die Staatskanzlei und ins Pflegeministerium hievte er Amtschefinnen.

Und eines sieht im Landtag noch nicht gut aus, worauf Stamm wenig Einfluss hat: Der Frauenanteil bei den Abgeordneten sank 2013 von 31,6 auf 29,4 Prozent. CSU (21 Prozent) und Freie Wähler (26) drücken den Schnitt, SPD (42) und Grüne (50) heben ihn. cd

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