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Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sind die neuen Fraktionschefs der Grünen.

Göring-Eckardt und Hofreiter

Sie sind die neuen Grünen-Fraktionschefs

Berlin - Zweieinhalb Wochen nach der Bundestagswahl haben die Grünen eine neue Fraktionsspitze gewählt. Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter folgen auf das bisherige Führungsduo Renate Künast und Jürgen Trittin.

KATRIN GÖRING-ECKARDT (47)

Die Thüringerin stand bereits von 2002 bis 2005 an der Spitze der Bundestagsfraktion. Dennoch galt sie neben Jürgen Trittin als neues Gesicht, als sie im November 2012 überraschend per Urwahl zum weiblichen Teil des Spitzenduos im Wahlkampf wurde. Seit 1998 sitzt sie für die Grünen im Bundestag. Nach dem Gang in die Opposition 2005 wurde sie Vizepräsidentin des Parlaments.

In der Partei begrüßten viele im vergangenen Jahr das Aufrücken Göring-Eckardts in die erste Reihe, wurde ihr doch zugetraut, verstärkt auch bürgerliche Wähler anzusprechen. Im Wahlkampf zeigte die Realo-Frau mit dem eher sanften und nachdenklichen Auftreten, dass sie hart attackieren und spitz formulieren kann.

Sie besetzte dabei auch eher linke Themen wie die soziale Gerechtigkeit und grenzte sich damit zugleich von der Agenda-Politik ab, die sie in der früheren rot-grünen Regierungszeit mitverantwortet hatte. Manche kreideten ihr an, neben dem eher linken Frontmann Trittin nicht genug in die Mitte gegenzusteuern.

Nach der Wahlniederlage der Grünen zeigte sich Göring-Eckardt lernfähig. „Wir haben total übersteuert in unserem Wahlkampf“, sagte sie auf einem kleinen Parteitag. Zugleich setzte sie alles auf eine Karte: Sie kündigte an, ihr Leitungsamt bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) niederzulegen und als Bundestags-Fraktionschefin zu kandidieren. Bereits während des Wahlkampfes hatte sie ihr Amt als Präsidentin des EKD-Kirchenparlaments, das sie seit 2009 innehatte, ruhen lassen.

Noch am Abend vor der konstituierenden Fraktionssitzung setzte Göring-Eckardt bei einem Treffen von Realos der Fraktion dem Vernehmen nach Akzente und machte deutlich, dass sie die Attraktivität der Grünen für die Mitte und die Wirtschaft erhöhen wolle.

Was für Schwarz-Rot spricht und was für Schwarz-Grün

Was für Schwarz-Rot spricht und was für Schwarz-Grün

ANTON HOFREITER (43)

In den vergangenen Jahren machte er sich als Verkehrsexperte seiner Fraktion einen Namen. Im Wirbel um das Bahnprojekt Stuttgart 21 und den neuen Berliner Großflughafen ging er heftig mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ins Gericht. Sein Rezept: markiges Auftreten und mit bayerischem Akzent vorgetragene scharfe Attacken. Fachkenntnisse verhalfen dem Politiker, der selbst viel Zeit im Zug verbringt, dabei zu Ansehen.

Rein optisch erinnert der Parteilinke eher an frühere Zeiten. Sein blondes Haar trägt er so lang wie viele Grünen-Abgeordnete der ersten Stunde. Hofreiter kann sich auch darüber aufregen, wenn Konservative ihn wegen seiner Frisur schon mal schräg angucken. Dass er Anzug statt Pullover trägt, hat er einmal damit begründet, dass Gesprächspartner sonst seine Argumente leider weniger ernst nähmen.

Bei den linken Grünen in der Fraktion war er für den Fall des Abtretens von Trittin früh als Nachfolger gesetzt. Als er dann in der Woche nach der Bundestagswahl seine Kandidatur ankündigte, war ihm Nervosität anzumerken. Im normalen Gespräch zeigt er sich schlagfertig, witzig und als Freund klarer Worte.

„Für mich ist einer der zentralen Markenkerne der Grünen die Ökologie, ist die Umweltfrage, ist die Rettung unseres Planeten“, sagt Hofreiter. Das passt zu seiner Biografie. Promoviert hat er über die Artenvielfalt in den südamerikanischen Anden. Er kennt sich aus mit Pflanzen und Tieren und engagiert sich seit langem im Naturschutz. Wichtig ist ihm sein Augenmerk für Ökologie und soziale Rechte in ärmeren Ländern.

Im Bundestag sitzt Hofreiter seit 2005. Künftig will er mehr Machtoptionen für die Grünen, auch Rot-Rot-Grün schließt er nicht aus.

dpa

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